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Solar-Lobby: Licht und Schatten bei Solarenergie

von Steffi Augter (Berlin)

Die Vertreibung aus dem Subventionsparadies erzürnt die deutsche Solar-Lobby. Trotzig kämpft sie um jeden Förder-Cent – und schadet damit der Branche. Warum weniger Staatshilfen mehr Erfolg versprächen.

Solarzelleninstallation auf Quelle: dpa
Solarzelleninstallation auf dem ehemaligen Erz- und Kohlebunker Schalker Verein in Gelsenkirchen Quelle: dpa

Schnell den Musterbrief aus dem Internet runterladen, ausfüllen, abschicken. Dann den nächsten. Und noch einen. Die Botschaft soll möglichst viele Abgeordnete erreichen. In die Lücken des Textes kritzelt Jens Labitzke seine Wut: Seit zehn Jahren installiert er Solarzellen auf Dächern rund um seine Heimat Nettersheim. Vier neue Arbeitsplätze konnte sein Betrieb Nordeifel Solar schaffen, gibt er an. Jetzt sieht der Energiegeräte-Elektroniker sein Lebenswerk gefährdet. Schuld daran, so heißt es in dem Musterbrief weiter, sei die Bundesregierung, weil sie die Förderung für Solarstrom künftig einschränken will.

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Handschriftlich ausgefüllte Serienbriefe wie dieser stapeln sich inzwischen auf den Schreibtischen vieler Volksvertreter. Auf der Internet-Seite www.solar-in-gefahr.de ruft der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) zum schriftlichen Widerstand auf. Abgeordnete aus Solar-Hochburgen in Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Ministerpräsidenten und Bundesminister bekommen haufenweise Post. Der Vorwurf: Die aktuellen Vorschläge zur Absenkung der Vergütung gefährden Deutschlands Technologieführerschaft auf einem der wichtigsten Zukunftsmärkte.

Darüber ließe sich ernsthaft diskutieren – würden die Interessenvertreter ihre Argumente auf die richtigen Zahlen stützen. Genau das aber bezweifeln Branchenkenner, die Panikmache ist ihrer Meinung nach hinderlich. Denn der Solarverband rechnet die Arbeitsmarktzahlen schön, dafür den Anlagenzubau und damit die Stromkosten gering, übertreibt Exportchancen und Weltmarktposition und ignoriert, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung sinkt. Bei vielen Solarunternehmern wächst die Sorge: Wenn sie sich jetzt gegen die Kürzung der Subventionen wehren, dann verliert die ganze Branche bald an Glaubwürdigkeit.

Schließlich verbreitet die Solarindustrie seit Jahren Jubelmeldungen. Unternehmen verkünden Tausende neuer Arbeitsplätze, traumhafte Wachstumszahlen und hohe Gewinne. Kein Wunder: Bisher konnten sich die Firmen auf einem Subventionspolster ausruhen. Doch damit ist jetzt Schluss: Die Bundesregierung plant eine Novelle des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG). Das Gesetz zwingt Versorger, Strom aus Biogasanlagen, Windrädern, Wasserkraftwerken und auch Fotovoltaik-Anlagen zu einem garantierten Fixpreis zu vergüten – und das 20 Jahre lang. Die Kosten dieser Abnahmepflicht zahlt der private Stromverbraucher. Nun soll die öffentliche Förderung stark reduziert werden.

Auf die im Sonnenlicht florierende Branche fällt ein langer Schatten, die Zeiten im Schlaraffenland scheinen vorbei. Da greifen nicht nur Handwerker und Verbandsvertreter, sondern auch Unternehmenschefs zum Briefpapier. Anton Milner, Chef von Q-Cells in Thalheim bei Bitterfeld, wandte sich erst im Dezember an seinen Landesvater, Wolfgang Böhmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und warnte vor Firmenpleiten.

Ausgezeichnet vernetzt ist auch Frank Asbeck, die Symbolfigur der deutschen Fotovoltaik-Branche. Der Gründer von Solarworld in Bonn zählte zu den ersten Grünen in Nordrhein-Westfalen und hält heute noch engen Kontakt zu Weggefährten wie den früheren Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Die „Bild“-Zeitung kürte ihn – wegen seiner barocken Erscheinung und seines stattlichen Privatvermögens – zum „Sonnenkönig“ von Bonn. Dort fährt der Ingenieur mit Unternehmerinstinkt seinen schwarzen Maserati spazieren – angeblich nur mit 120 Stundenkilometern.

Die Branche ist inzwischen etabliert, Unternehmer setzen auf professionelle Kommunikationshilfe: Gerade erst kaufte die Berliner Repräsentanz der Firma City Solar den in Regierungskreisen bekannten RTL-Korrespondenten Gerhard Hofmann ein. Und Milan Nitschke, vorher als Geschäftsführer beim Bundesverband für Erneuerbare Energien (BEE) eloquenter Fürsprecher für Sonne, Wind und Co., widmet sich bei seinem neuen Arbeitgeber Solarworld in Zukunft hauptsächlich der Sonnenenergie – gute Kontakte zu befreundeten Genossen dürften dem Sozialdemokraten dabei hilfreich sein.

Ein glühender Verfechter der Solarwende sitzt selbst im Bundestag – und gilt als Energiepapst der SPD: Hermann Scheer. Der Fast-Superminister für Umwelt und Wirtschaft in Hessen ist als Präsident des Vereins Eurosolar äußerst umtriebig – allerdings nur ehrenamtlich, wie seine Home-Page verrät. Was dort nicht steht: Geschäftsführerin ist seine Frau Irm Pontenagel , sie gibt auch das Fachmagazin „Solarzeitalter“ heraus. Da wundert es dann doch, dass Scheer Parteifreund Wolfgang Clement lautstark zur Persona non grata erklärt, nachdem dieser den hessischen Wahlkampf mit kritischen Thesen zur Energieversorgung aufmischte. Clement gehöre zur Atom-Lobby, hieß es damals. Scheer dagegen sieht sich nicht als Lobbyist – sondern als Vertreter einer guten Sache.

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12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.05.2008, 14:20 UhrAnonymer Benutzer: Helmut Kahlen

    Diese negativen Äußerungen zu den alternativen Energien sollen doch sicher davon ablenken, dass die "alten" Energien wie Atom noch jahrhunderte vom Steuerzahler subventioniert werden müssen. Auch werden die Folgekosten der Kohleenergie gerne heruntergespielt. Schließlich wird die Übernahme der bergschäden in den berwerksregionen auf den Steuerzahler abgewälzt. Diese Kosten werden dann von allen Steuerzahlern z.b mit der Einkommensteuer oder Mehrwertsteuer bezahlt.
    Mit einer Photovoltaikanlager erzielt der private betreiber durchschnittlich jährlich ca. 10 % der investitionskosten als Umsatz.
    Warum will denn ein Energiekonzern den Anteil seiner erneuerbaren Energien auch durch die Photovoltaik stark ausbauen? Dies geschieht doch wohl auch unter dem Gesichtspunkt, dass er mit seinem Energiemix kontinuierlich Strom an seine Kunden liefern kann. Anscheinend hat der Wettbewerb den Wandel verschlafen und versucht von seinen Versäumnissen durch nicht gerechtfertigte Polemik abzulenken und wundert sich öffentlich, dass immer mehr Verbraucher den Anbieter wechselt. Neben der Preisgestaltung dürfte für viele Nutzer auch die Produktion der Energie eine große Rolle spielen.

  • 07.05.2008, 14:35 UhrAnonymer Benutzer: M.Kirsch

    Teil3 Fazit
    ich bin somit auch als „nicht Laie“ NiCHT der Meinung meines werten Kollegen Diplomingenieur, sondern bin für eine umfassende Förderung regenerativer Energien und insbesondere der Photovoltaik da sie ein unverzichtbares Glied auf dem Weg zur regenerativen Energieversorgung darstellt und uns somit für die Zukunft eine bezahlbare, risikoarme, umweltschonende und unerschöpfliche Energieversorgung gewährleistet.

  • 07.05.2008, 14:34 UhrAnonymer Benutzer: M.Kirsch

    Teil2
    -Erneuerbare Energien sind nicht kontinuierlich verfügbar: Es wurde sogar schon innerhalb von Deutschland nachgewiesen, dass eine kontinuierliche Stromversorgung mit erneuerbaren Energien gewährleistet werden kann. Aber ein weitflächiger Ausbau von Wind und Solarkraftwerken in Europa und Nordafrika mit einem gut geplanten Energietransportnetz führt schon zu noch zu einer deutlichen Glättung der Schwankungen. Ebenfalls ist abzusehen, dass ab ca. 2010 zunehmend Autos elektrifiziert werden, das bedeutet aber von sich aus schon eine Zunahme von verfügbaren Speicherkapazitäten. Es wäre an der Zeit , dass die Energieversorger hier Konzepte vorlegen für die Verwaltung und Steuerung einer zunehmenden Vielfalt dezentraler Energielieferanten und Speichermöglichkeiten. Diese bauen jedoch lieber Kohlekraftwerke weil sie deren Technik beherrschen und somit mehr Geld verdienen können als in neue ideen zu investieren was vorübergehend zu geringeren Gewinnen führt und auch mit größeren unternehmerischen Risiken verbunden ist.

    -Erneuerbare Energien machen Strom teuer: Erneuerbare Energie sind in erster Linie Konkurrenz zu die jetzigen Monopolisten und setzen für diese eine obere Preisgrenze Sie machen die Stromerzeugung dezentraler und bei guter Planung führt das zu einem sichereren und schwerer sabotierbareren betrieb. Sicher muss in den nächsten 20-30 Jahren in den Umstieg investiert werden, aber die Früchte werden wir dann auch ernten dürfen in Form von dann wesentlich stabileren Preisen die nicht direkt abhängen von den vorhersehbar immer teuerer werdenden fossilen brennstoffen und zudem einer geringeren Abhängigkeit da wir unseren Strom zu einem guten Teil dann im eigenen Land erzeugen.

    -in Deutschland scheint nicht genug Sonne: bei uns scheint etwa halb soviel Sonne wie an sehr sonnereichen Standorten. im Vergleich zu anderen „Rohstoffen“ hat somit unser rohstoffarmes Deutschland im bereich Sonne durchaus beachtliches zu bieten.

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