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Kommentar Solarförderung: Umweltminister Röttgen will der Solarbranche an den Kragen

von Katharina Sekareva

Dass dieser Tag kommt, war klar. Nur hat die Solarbranche gehofft, dass er nicht so bald kommt. Bundesumweltminister Norbert Röttgen will der "klaren Überförderung" der Solarbranche ein Ende setzen. Das heißt, er will an die Melkkuh der Solarbranche ran – das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Ein Techniker begutachtet auf Quelle: dpa/dpaweb
Ein Techniker begutachtet auf einem Industriedach in Bürstadt (Kreis Bergstraße) die Solarmodule des Generatorfeldes einer Solaranlage (Archivfoto vom 02.06.2004). Die deutsche Solarbranche erwartet in diesem Jahr zweistellige Zuwachsraten. Bei der Messe Photovoltaik in Freiburg könne von einem Wachstum von deutlich mehr als 50 Prozent ausgegangen werden, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarindustrie, Gerhard Stryi-Hipp. Foto: Frank May dpa/lhe/lsw (zu lsw 7191 vom 17.07.2004) Quelle: dpa/dpaweb

Fotovoltaikanlagen sind in Deutschland ein sehr profitables Geschäft.

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Für die Handwerker, die die Anlagen aufs Dach schrauben und für die Hersteller – auch wenn sie im letzen halben Jahr Federn lassen mussten.

Sehr lukrativ sind die Sonnenanlagen auch für Privatleute: Wer sich dieses Jahr eine Solaranlage zulegt, bekommt für die nächsten 20 Jahre für jedes produzierte Kilowatt Sonnenstrom 43 Cent.

Das ist im EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)so festgelegt.

Zum Vergleich: Strom kostete im Herbst an der Leipziger Strombörse gerade mal fünf Cent. Die Differenz brummen die Energieversorger ihren Endkunden auf.

Die Solarfachzeitschrift Photon geht davon aus, dass dieses Jahr mindestens 3000 Megawatt Leistung neu installiert wurden.

Wenn das stimmt, müssen die Verbraucher nach Schätzungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für diese Anlagen in den nächsten 20 Jahren 17 Milliarden Euro aufbringen. Für die Anlagen, die zwischen 2000 und 2008 installiert wurden, kommen noch 31 Milliarden dazu.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz soll den Klimaschutz fördern, nicht die deutsche Wirtschaft

Jetzt ist ein Ende der Party absehbar.

Und das ist gut so. Denn man sollte sich überlegen, welchen Zweck das EEG erfüllen soll.

Und es geht ganz sicher nicht darum, die deutsche Wirtschaft, das deutsche Handwerk und die Privatanleger zu begünstigen. Es geht um eine klimaverträgliche Energieversorgung in der Zukunft. Es geht darum, den wachsenden Energiehunger der Welt zu stillen, ohne noch mehr CO2 in die Luft zu pusten.

Und dafür ist es egal, ob einige deutsche Unternehmen pleite gehen oder fusionieren müssen. Denn andere werden sich dem Druck beugen und endlich ihre Anlagen modernisieren. Sie werden effizientere Solarzellen entwickeln, die noch mehr Sonnenlicht in Strom umwandeln. Das bringt dem Klima mehr als eine üppige Förderung. Und die Unternehmen werden endlich den Preisverfall bei den Solarmodulen an die Endverbraucher weitergeben. Denn von dem fast 40-prozentigen Preissturz des vergangenen Jahres ist bei dem Kunden bis jetzt wenig angekommen.

Was sich ändern soll, ist noch nicht klar. Eine radikale Absenkung der Vergütung ist denkbar oder auch eine Deckelung der jährlichen Fördersumme. Eine Solaranlage auf dem eigenen Dach kann trotzdem noch profitabel bleiben.

Und selbst wenn sich das Interesse der deutschen Verbraucher am Sonnenstrom abkühlt - dem Klima ist es egal, in welchem Land die Anlagen stehen. Röttgens Vorstoß wird den Teilnehmern der Klimakonferenz in Kopenhagen jedenfalls klar machen, dass es Deutschland wirklich um den Klimaschutz geht. Und nicht um das Prinzip „Hauptsache fördern“.

57 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.01.2010, 17:17 UhrKatharina Sekareva

    @ beobachter2: Eine branche, die so stark wie die Solarbranche von Förderung abhängt, kann auf Dauer nicht überleben. Denn auch der deutsche Markt wird irgendwann nicht mehr so stark wachsen und wenn die branche sich bis dahin nicht fit gemacht hat für die internationalen Märkte (durch niedrigere Preise und innovationen), werden wir viele Pleiten erleben, die dann wirklich Arbeitsplätze vernichten.
    im übrigen ist der wirklich arbeitsintensive bereich bei den Solarfirmen die Forschung und Entwicklung, dort arbeiten die meisten Menschen und die werden auch - oder gerade nach - einer gesunkenen Förderung gebraucht. Die Fertigung ist dagegen so automatisiert, dass dort auch in Deutschland kaum Menschen beschäftigt werden.
    Und um die Handwerker machen Sie sich mal keine Sorgen - auch nach gesunkener Förderung werden die Menschen sich immer noch Solaranlagen aufs Dach bauen.

  • 15.01.2010, 17:04 UhrBeobachter 2

    Herzlich willkommen in der bananenrepublik. Jede Gesellschaft lebt letztendlich auch von Unternehmern, die Risiken eingehen, investitionen tätigen und (hier noch ein bisschen Futter für die Neidfraktion im Forum) daran auch Geld verdienen möchten. Wenn sich innerhalb von so wenigen Monaten die wesentlichsten investitionskriterien ändern können, bin ich zukünftig wenig motiviert, hier nur noch einen Cent auszugeben oder einen Arbeitsplatz zu erhalten. Arbeitsplatzerhalt erschien mir bisher ein recht guter Verbraucherschutz, gepaart mit investitionen in erneuerbare Energie- noch besser. Die Schreiberin möge sich bitte in die Situation von Handwerksbetrieben, Planern, etc. versetzen, super Timing Herr Röttgen! Hoffentlich bleibt es beim Aprilscherz...

  • 03.01.2010, 17:35 UhrBernd

    Eines ist sicher, mit welchen Recht werden Deutsche Kohle, Kernkraft, Schiffsbau, bauern usw. usf. diese Liste ist endlos subventioniert? Jeder regt sich heute über Subventionen für Erneuerbare Energien auf, warum? Weil das von der Rot/ Grünen Regierung kam? Meiner Meinung nach sollte die Kernkraft sofort abgeschaltet werden. Die Neuen Kohlekraftwerke sollten wirklich nur als Kraftwärme an das Netz dürfen und das nur so viele wie heute noch notwendig sind. Das sind nicht mehr viele. Das Klima verändert sich einfach zu schnell, als das wir noch länger einfach zusehen dürfen. Wir alle können das ja wir müssen das ändern, auch wenn das nur über eine andere Gesellschaftsform geht. Egal ist doch wer heute an der Regierung ist vertritt nur seine Klientel. Fragen Sie doch einmal bei der Neuen Regierung wie es mit dem Kryo-Recycling-Verfahren ist. Dieses neuartige Verfahren ist auf nach Prof. Rosin ermöglicht die Rückgewinnung von Kunststoffen in höchster Qualität als Ersatz für Neuprodukte. Dieses wird von der industrie bewusst abgelehnt. Von den Regierungen egal ob bei Rot/ Grün oder jetzt CSU/CDU und FDP keine dieser Parteien unterstützen es, warum wohl?

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