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Kommentar Solarstrom: Verteilungskampf unter der Sonne

von Reinhold Böhmer

Der Streit um den Länderfinanzausgleich macht auch vor der Sonne nicht halt. NRW will an die Einspeisevergütung ran. Denn die wirtschaftlichen Profiteure des Sonnenstroms sitzen im Süden, während der Norden blutet.

Wer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis....

Bild: dpa

Passend zur Klage von Bayerns CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Finanzausgleich zwischen den Bundesländern hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) eine brisante Rechnung aufgemacht. Dabei geht es um die Frage: Wer bezahlt eigentlich die sogenannte Einspeisevergütung, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)  den Verbrauchern für  den teuren Ökostrom auferlegt. Die Antwort wird dem Mir-san-mir-Mann von der Isar nicht gefallen. Bürger und Unternehmer in NRW zahlten im vergangenen Jahr per Saldo 2,25 Milliarden Euro, im wesentlichen um Solarstrom damit zu finanzieren. Geflossen ist ein Großteil des Geldes an die Bürger und Unternehmer in Bayern (und auch in Baden-Württemberg) mit dem Ergebnis, dass dort unterm Strich 1,1 Milliarden Euro hängen blieben und das Einkommen der dortigen Bewohner mehrte.

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Der Check von WirtschaftsWoche und A.T. Kearney ist der erste seiner Art, der ab sofort jährlich den Fortschritt der Energiewende in Deutschland misst. Im Zentrum der Analyse steht die Frage, inwieweit die vier wichtigsten Ziele der Energiewende, die die Bundesregierung vorgegeben hat, erreicht werden. Diese vier Ziele sind die Wirtschaftlichkeit der Stromversorgung, die Versorgungssicherheit, die Umweltverträglichkeit und die Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Erklärung der Fußnoten:

1 - Daten jeweils Ende des Vorjahres

2 - nicht genutzte Stromerzeugungskapazität

3 - Das Soll basiert auf den 24 von der Bundesregierung als bevorzugt auszubauenden Netzstrecken (in km²)

Quelle: Studie A.T. Kearney/ Wirtschaftswoche

Die politische Zeitbombe tickt

Die Erklärung ist einfach: In den einstigen Agrarländern Bayern sowie Baden-Württemberg („Schaffe, schaffe, Häusle baue, und net nach de Mädle schaue“) gibt es mehr Eigenheimbesitzer als in der traditionellen Industriehochburg an Rhein und Ruhr. Jeder, der auf sein eigen Dach überm Kopf ein paar Solarpanelen montiert, erzielt eine dicke Rendite, weil der Staat dem Solarstrom den Weg ins öffentliche Netz und dem Einspeiser ein festen Preis garantiert. Und bezahlt wird der höhere Preis per Saldo natürlich von den Bewohnern der Mietwohnungen, die Zuhauf in NRW wohnen.

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Damit tickt in der ohnehin verkorksten Energiewende eine weitere politische Zeitbombe. Seehofer mag mit den Überweisungen aus NRW vielleicht seine Wiederwahlchancen in Bayern erhöhen. Auf Bundesebene programmiert er jedoch eine Auseinandersetzung, die auf die kommende Bundestagswahl ausstrahlen kann. Der neue CDU-Umweltbundesminister Peter Altmaier wird deshalb nicht umhinkommen, den Griff der bayrischen und baden-württembergischen Hausbesitzer in die Haushaltskassen nordrhein-westfälischer Mieter wenigstens teilweise abzustellen oder auszugleichen. Weder in seinem noch im Sinne von Kanzlerin Angela Merkel kann es sein, wenn sich nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft vor gut einem Jahr frei nach Karl Marx immer mehr zeigen sollte: Die Geschichte der Energiewende ist eine Geschichte der Verteilungskämpfe ­ - der Prasser gegen die Ausgepressten,  zu Lasten der einkommensschwächeren Mieter und zugunsten privilegierter Häuslebesitzer.

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