Sommerbilanz: Die unbewegte Kanzlerin

Sommerbilanz: Die unbewegte Kanzlerin

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Die Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Bundespressekonferenz am 18. Juli in Berlin.

von Max Haerder

Gestern feierte Angela Merkel ihren 60. Geburtstag, heute zog sie in Berlin ihre traditionelle Sommerbilanz: Fast schon beunruhigend, wie wenig die Kanzlerin sich im neunten Regierungsjahr noch aus der Ruhe bringen lässt.

Dieses Gesicht! Angela Merkel hat in den mittlerweile neun Jahren ihrer Kanzlerschaft nicht den Ruf erworben, eine begnadete Rednerin zu sein. Aber die Regierungschefin hat ein Gesicht, in das sie jede nur denkbare Botschaft legen kann, ganz ohne Worte.

Bei einer der Fragen, die an diesem Freitagmittag in der Bundespressekonferenz an sie gerichtet werden, kann man dieser Miene eine hübsche Mischung aus Spott und Unwillen entnehmen. Nicht alles was hinkt, sagt dieses Gesicht, ist ein Vergleich.

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Die Frage war, ob angesichts des Rücktritts von Philipp Lahm aus der Nationalmannschaft nicht auch für Sie der Moment zum Abschied näher rücke, ob sie auf dem Zenit abtreten werde. Merkel beantwortet dermaßen ungeliebte Fragen mittlerweile mit routiniertem Ausweichen.

Sie erweist erst einmal ganz in Ruhe dem DFB-Kapitän ihren Respekt, bevor sie doch ein bisschen antwortet. Sie sei gerne zur Wahl angetreten und habe sich für die Legislaturperiode verpflichtet. „Die Menschen können sich darauf verlassen, dass ich das Versprochene auch tue“, sagt Merkel. „Alles weitere dann später.“ Das kann am Ende also trotzdem alles heißen. Sie dürfte mit dieser Antwort sehr zufrieden sein.

Wer in Berlin Politik macht

  • Unternehmer

    Alter Bundestag (2009-2013): 53

    Neuer Bundestag (630 Sitze): 47

    Quelle: Stiftung Familienunternehmen

  • Öffentlicher Dienst/Beamte

    Alter Bundestag (2009-2013): 199

    Neuer Bundestag (630 Sitze): 191

  • Mitarbeiter von Verbänden und Parteien

    Alter Bundestag (2009-2013): 90

    Neuer Bundestag (630 Sitze): 106

Satte 18. Mal war Merkel bereits zu Gast in der Bundespressekonferenz. Nicht nur wegen des runden Geburtstages bekommen die Merkel-Porträts der deutschen Presse mittlerweile etwas fast zwanghaft Rückblickendes, Abschließendes. Weil sie nie feste Ziele benennt, fühlt es sich an, als habe sie bald alle erreicht. Der Kanzlerin aber, die Politik als steten Prozess begreift, als tätige Bearbeitung von immer neuen Herausforderungen, die jeder Tag an sie heranträgt, dürften diese Darstellungen ziemlich egal sein.

Die traditionelle Sommer-Pressekonferenz vor dem Urlaub kommt dieser Arbeit in gewisser Weise näher. In den rund eindreiviertel Stunden redet Merkel über die NSA-Affäre, den Mindestlohn, das Rentenpaket, dann über die Ukraine und das Verhältnis zu Russland, es geht mal um die Energiewende, dann um den Kosovo, sie muss Fragen zum iranischen Atomprogramm beantworten, oder zur Pkw-Maut, die sie konsequent „Infrastrukturabgabe“ nennt. Und das ist nur ein Ausschnitt.

Nach neun Jahren stutzt sie nirgends mehr. Und es bringt sie nichts mehr aus der Ruhe. Die stete öffentliche Kritik an der Politik der großen Koalition – am Mindestlohn und der Rentenreform insbesondere – lässt sie kalt und unbewegt abtropfen. Merkel betont gleich zu Beginn den guten Start der Regierung („Sehr vieles haben wir auf den Weg gebracht“) und sie lässt danach keine Absicht erkennen, sich durch hartnäckige Fragen von dieser Bewertung auch nur ein Jota abbringen zu lassen.

„Ich glaube schon, dass ich Kanzlerin eines souveränen Staates bin“, sagt sie, als sie nach den Folgen des amerikanischen Spionierens gefragt wird. Aber die Regierungschefin bezieht diese Souveränität mittlerweile ganz auf sich selbst. Das Wahlergebnis 2013 hat sie unangreifbar gemacht, vielleicht sogar so gelassen wie noch nie in ihrer Amtszeit.

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Mag sich das politische Berlin auf den Sommerfesten die Köpfe heiß reden, ob und wann die Kanzlerin abtritt – sie selbst greift zum Hörer, um mit Wladimir Putin oder Barack Obama Politik zu machen. Und wenn‘s sein muss auch mit Alexander Dobrindt.

Merkel zögert an diesem Mittag nur bei einer Frage. Der nämlich, was eigentlich ihr eigener Arbeitsnachweis aus den ersten acht Monaten sei. Sie zögert nicht, weil sie keinen findet. Vielleicht ist es der einzige Moment, wo sie nicht weiß, wo sie anfangen soll. „Irgendwie“, sagt sie schließlich, „war ich beschäftigt.“ Und das Gesicht schickt noch hinterher: Freche Frage, ganz schön frech. Und jetzt lasst mich in Frieden.

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