Soziale Verantwortung : Streit über Ethiknorm

Soziale Verantwortung : Streit über Ethiknorm

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Bundeskanzlerin Angela Merkel wünscht eine politische CSR-Strategie

von Christian Ramthun

Politiker und Wirtschaftsvertreter streiten über eine internationale Ethiknorm für unternehmerische Initiativen. Einer der Streitpunkte ist die ISO 26000, die zum Standard für gesellschaftliche Verantwortung werden soll.

In der Klingelhöfer Straße, vis à vis der CDU-Bundeszentrale in Berlin, trafen Mitte November 52 Sozialorganisationen auf 42 Unternehmen.

Die 170 Teilnehmer beäugten und begutachteten einander, und am Ende vereinbarten sie fast 100 Partnerschaften für soziale Projekte. „Ein wunderbares Ergebnis“, schwärmt Elke Kaufmann, die bei der Stiftung Gute-Tat.de für Unternehmensengagement zuständig ist.

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Schwerer tun sich derweil Funktionäre und Politiker, wenn sie sich abstrakt mit der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility – CSR) beschäftigen. Im Berliner Haus der Wirtschaft stritten sich die Verbände zuletzt, ob sie einer internationalen Normung zustimmen sollen.

Gemeint ist die ISO 26000, die bei der Internationalen Organisation für Normung (ISO) zum Standard für gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Organisationen werden soll.

Seit 2004 ringen Vertreter von allen fünf Kontinenten um diese „Ethiknorm“. Nun aber platzte einigen Wirtschaftsvertretern der Kragen. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), der beim Klimaschutz mit energieeffizienten Vorgaben durchaus Flagge zeigt, forderte das Deutsche Institut für Normung (DIN) schriftlich auf, gegen die ISO 26000 zu stimmen. Zu viel Staatseinfluss, bürokratische Redundanzen und ein erheblicher Kontrollaufwand, kritisiert der ZVEI.

Zwischen Theorie und Praxis klafft in Sachen CSR ein großer Graben. Argwöhnisch betrachten manche Unternehmensvertreter auch die CSR-Initiative der Bundesregierung. Seit fast zwei Jahren versucht das Bundesarbeitsministerium zusammen mit zehn anderen Ressorts und 33 Unternehmen und Verbänden von Arcelor Mittal bis zum Zentralverband des Deutschen Handwerks, eine politische Strategie zu konzipieren. Von CSR-Plattformen ist da die Rede, ein CSR-Label wurde diskutiert, und kleinen Mittelständlern will man ebenfalls auf die Sprünge helfen.

Kodex statt Gesetz

Dabei sind es gerade Mittelständler, die gesellschaftliche Verantwortung vorleben, weiß CSR-Expertin Kaufmann.

Sie freut sich über das Interesse kleiner Unternehmen, soziale Projekte in ihrem Umfeld zu unterstützen. Einheitsnormen wären hier womöglich Motivationskiller. Anders sehen dies große Unternehmen wie BMW, die im öffentlichen Rampenlicht und vor allem unter Beobachtung von Nichtregierungsorganisationen stehen. Sie sehnen sich nach Leitplanken. Bei BMW müssen schließlich, so ein Nachhaltigkeitsbeauftragter, Investitionen für bis zu 30 Jahre kalkuliert werden. Da schaffen politische Vorgaben etwa zum Emissionsschutz notwendige Planungssicherheit.

Im Spannungsfeld von liberal bis regulativ bewegt sich auch der Rat für Nachhaltigkeit, der der Bundesregierung in den nächsten Wochen Empfehlungen zur künftigen Nachhaltigkeitspolitik unterbreiten möchte. An gesetzliche Vorschriften will der Rat nur mit spitzen Fingern heran; zu groß ist die Sorge vor einer lähmenden Regulierung. Stattdessen trat zuletzt die Idee eines CSR-Kodex in den Vordergrund. Ähnlich wie beim Corporate Governance Codex soll sich die Wirtschaft selbst Empfehlungen geben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte an einem solchen Kodex wahrscheinlich Gefallen finden. Wohlwollend begleitet sie bereis verschiedene CSR-Initiativen. Beim Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels setzte sie sich dafür sogar auf den steinigen Boden ihres Kanzleramts – um 60 Schülern vorzulesen.

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