
Nach harten Verhandlungen zwischen EU-Parlament und den Regierungen gibt es erstmals eine Einigung über verbindliche Energiesparziele für Energieversorger. Das sagte der Grünen-Europaparlamentarier und Berichterstatter, Claude Turmes, am Donnerstag in Straßburg.
Das im Jahr 2007 gesteckte Ziel, bis 2020 in der EU 20 Prozent weniger Energie zu verbrauchen, ist bislang nur freiwillig. Der gesamte Energieverbrauch, der in der EU derzeit bei etwa 1750 Millionen Tonnen Öl liege, solle bis 2020 verbindlich auf 1473 Millionen Tonnen verringert werden, sagte Turmes. Dies sei ein wesentlicher Schritt auf dem Weg, das Sparziel von 20 Prozent bis 2020 zu erreichen. Energieunternehmen müssen pro Jahr 1,5 Prozent Energie einsparen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört auch, dass öffentliche und private Gebäude sowie Wohnungen energieeffizient renoviert werden. Dies gehört in Deutschland bereits zum Programm der Energiewende. Dieses Konzept werde nun langfristig auf die übrigen EU-Mitglieder übertragen, sagte Turmes. Das EU-Parlament wird voraussichtlich im Oktober zu der Einigung Stellung nehmen. Nach einer formalen Zustimmung der EU-Regierungen kann die Richtlinie 18 Monate später in Kraft treten.
Die Einsparungen von 1,5 Prozent Energie pro Jahr können etwa durch Steuererleichterungen für Investitionen in Energieeffizienz erreicht werden. Ein Stromversorger kann Zuschüsse für einen energieeffizienten Kühlschrank gewähren, ein Gasversorger könnte die Gebäudesanierung bei seinem Gaskunden unterstützen. Mit der jetzigen Einigung wird das Ziel von 20 Prozent jedoch erst zu 15 Prozent erreicht. Weitere Maßnahmen in den kommenden Jahren wie die Streichung von Ausnahmeregelungen und eine kontinuierliche Überprüfungen der Ziele sollen helfen, die 20 Prozent zu erreichen.
Bild: dpaFinger weg von Kraftwerksstilllegungen!
Die Warnung der Bundesnetzagentur ist eindeutig: „Stilllegungen weiterer konventioneller Kraftwerke ist derzeit in Deutschland nicht vertretbar.“ Bundestag und Bundesregierung müssten entsprechende Vorschriften verabschieden, um Kraftwerksstilllegungen im Bereich der konventionellen Erzeugung zu unterbinden.
Bild: dpaVorsicht vor zu viel Windstrom!
Um das Übertragungsnetz vor Überlastungen zu schützen, müssen die Netzbetreiber klarer als bisher Strom von Windkraftanlagen ablehnen und diese vom Netz nehmen dürfen.
Bild: dpaOhne Österreich geht nichts
Im vergangenen Winter mussten mehrfach österreichische Kraftwerke gezielt einspringen, um Lücken bei der Versorgung mit Strom zu sorgen, der für die Regelung im Netz benötigt wird. Diese Rerservekraftwerke, so die Bundesnetzagentur, „werden in etwa gleicher Größenordnung auch im folgenden Winter benötigt“.
Bild: APRiesenstress im Netz
Die Einspeisung und der Transport von immer mehr Windstrom von Nord- nach Süddeutschland zwang die Netzbetreiber zu gigantisch mehr Stromzuführungen und Abschaltungen als im Vorjahr. Im Netz im bayrischen Kriegenbrunn musste der Netzbetreiber Tennet mit 300-mal so viel Strom wie im Vorjahr gegensteuern, an der polnischen Grenze bei Vierraden musste der Netzbetreiber 50 Hertz mit fast 180-mal und im niedersächsischen Conneforde Tennet mit fast 100-mal so viel Strom eingreifen. Mussten die Netzbetreiber im Winter 2010/11 nur 39-mal die Einspeisung von Strom drosseln, war dies jetzt in 197 Fällen notwendig.
Bild: dpaUnkontrollierter Ausbau der Windkraft
Die Gründe für den Dauerstress im vergangenen Winter, so die Bundesnetzagentur, liegen „im unverminderten Zubau von Windleistung“. Vor allem in Norddeutschland.
Bild: dpaPer saldo bleibt Deutschland Stromexporteur
Trotz der Abschaltung von acht AKW exportierte Deutschland auch diesen Winter mehr Strom als importiert wurde. Der Überschuss der Exporte veränderte sich „nur marginal“, errechnete die Bundesnetzagentur. Ursache dafür war die Inbetriebnahme von Solaranlagen mit einer Leistung von 7.500 Megawatt, fast so viel wie sieben mittelgroße Atomreaktoren, sowie von Windanlagen mit 1.800 Megawatt.
Bild: dpaNiedrigerer Preis am Strommarkt
Der Preis am Spotmarkt, bei dem sich Kunden kurzfristig mit Strom eindecken, lag im vergangen Winter um etwa acht Prozent niedriger als vor einem Jahr. „Mögliche Gründe“, so die Bundesnetzagentur, „könnten in der gestiegenen Einspeisung aus Photovoltaik-Anlagen sowie Windkraftwerken liegen, die sich dämpfend im Preis niederschlägt.“ Immerhin hätten diese Anlagen im vergangenen Winter 38 Prozent mehr Strom eingespeist als vor einem Jahr. Hinzukäme der vergleichsweise milde Winter und ein entsprechend niedrigere Stromnachfrage.
Bild: dapdTraditioneller Kraftwerkspark schrumpft zu schnell
Die neuesten Planungen der Kraftwerksbetreiber laufen darauf hinaus, dass im Laufe des Jahres so viel Anlagen den Betrieb einstellen, dass im kommenden Winter in Deutschland 1000 Megawatt Leistung weniger als noch vor kurzem prognostiziert zur Verfügung stehen, fast so viel wie ein mittleres Kernkraftwerk. Der Abbau konventioneller Kraftwerke insbesondere in Süddeutschland, warnt die Bundesnetzagentur, wirke sich deshalb „negativ auf die Versorgungssicherheit“ aus.
Bild: dpa30 Prozent Reserve, aber zu wenig Steuerungsmasse
Sieht man von Stromimporten und -exporten ab, reichten rund 70 Prozent des herkömmlichen Kraftwerkparks aus, um den Höchstverbrauch in Deutschland, am 16. November 2011 um 17.45 Uhr, zu decken. Hauptproblem war jedoch der Mangel an Strom am 13. Februar, um den Ausgleich im Netz zu gewährleisten. Diese Lücke konnten die Netzbetreiber nur mit Mühe durch Importe im letzten Augenblick schließen.
Bild: dapdBlackout-Gefahr durch Gasmangel
Der durch Lieferprobleme des russischen Gazprom-Konzerns verursachte Gasmangel bei Kraftwerken in Süddeutschland beschwor im Februar eine brenzlige Situation herauf. Laut Netzbetreibern war es nicht möglich, Reserven zu mobilisieren. „Wäre es in dieser Situation zum Ausfall eines größeren Kraftwerks gekommen, hätte kaum noch Handlungsspielraum bestanden“, resümiert die Bundesnetzagentur. Auch aus diesem Grund gebe es einen „dringenden Zubaubedarf“ bei traditionellen Kraftwerken.
Finger weg von Kraftwerksstilllegungen!
Die Warnung der Bundesnetzagentur ist eindeutig: „Stilllegungen weiterer konventioneller Kraftwerke ist derzeit in Deutschland nicht vertretbar.“ Bundestag und Bundesregierung müssten entsprechende Vorschriften verabschieden, um Kraftwerksstilllegungen im Bereich der konventionellen Erzeugung zu unterbinden.
„Die deutsche Industrie ist tief enttäuscht von der Einigung über die neue Energieeffizienzrichtlinie.“ Das sagte Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), am Donnerstag in Berlin zur Einigung von Europaparlament und Europäischem Rat auf eine neue Energieeffizienzrichtlinie. „Absolute Verbrauchsgrenzen bringen uns keinen Schritt weiter“, sagte Kerber. „Sie können Unternehmen sogar zu unwirtschaftlichen Maßnahmen oder einem Zurückfahren ihrer Produktion zwingen.“
Die Vorgaben seien insbesondere hinsichtlich der Verpflichtung für die Energieversorger, 1,5 Prozent ihres Energieabsatzes bei den Endkunden einzusparen, zu unflexibel. Hier wurde die Möglichkeit, Energieeffizienzmaßnahmen aus der Zeit vor Inkrafttreten der Richtlinie anzurechnen, stark begrenzt. „Gerade Länder wie Deutschland, die bereits über einen hohen Energieeffizienzstandard verfügen, werden benachteiligt“, betonte Kerber. Es sei zu befürchten, dass durch die neue Energieeffizienzrichtlinie die bereits überdurchschnittlich hohen Energiepreise in Deutschland abermals steigen. Gerade vor dem Hintergrund der Energiewende sei es zentral, neue energie- und klimapolitische Maßnahmen wirtschaftlich verträglich zu gestalten. Kerber erläuterte, der BDI appelliere an die Bundesregierung, "bei der Umsetzung der Richtlinie mit Augenmaß vorzugehen und sich auf EU-Ebene stärker für eine Energie- und Klimapolitik aus einem Guss einzusetzen, um unnötige Mehrfachbelastungen für die Unternehmen zu vermeiden.“














