SPD: Die Menschwerdung des Peer Steinbrück

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SPD: Die Menschwerdung des Peer Steinbrück

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Elf Minuten Applaus bekam SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nach seiner Rede.

von Cornelia Schmergal

Siehe da, er kann auch Emotion: Die Sozialdemokraten küren Peer Steinbrück mit 93,45 Prozent offiziell zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2013.

Endlich, nach drei Monaten als designierter Kanzlerkandidat, ist Peer Steinbrück in der Mitte der Partei angekommen. Was an diesem Sonntag schon damit zu tun hat, dass er im Zentrum eines Saalrundes steht und die Delegierten ihn von allen Seiten umschließen. Hinter Steinbrück sitzen Frank-Walter Steinmeier, den er inzwischen einen Freund nennt, und Parteichef Sigmar Gabriel. Hinter ihm hocken aber auch Generalsekretärin Andrea Nahles, der Gewerkschafter Armin Schild oder der SPD-Linke Ralf Stegner. Parteifreunde also, die Peer Steinbrück vor nicht allzu langer  Zeit vermutlich nicht gern im Nacken gehabt hätte. Heute aber stehen sie alle auf, um ihm zu applaudieren. Elf Minuten lang huldigen die Genossen ihrem Kanzlerkandidaten an diesem Tag.

In Hannover hat die SPD Peer Steinbrück auch offiziell zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2013 nominiert. 93,45 Prozent der Delegierten haben für ihn gestimmt. Das ist beachtlich. Aber nicht glanzvoll – als Vergleichswert steht jene fast sozialistisch anmutende 98-Prozent-Marke im Raum, mit der die CDU gerade eben Angela Merkel zur Parteichefin wiedergewählt hat.

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Dabei hat der  Ex-Bundesfinanzminister in Hannover um die Zuneigung seiner Partei gekämpft. Beinahe zwei Stunden lang dauert seine Rede. Und darin ging es vor allem darum, um Vertrauen zu buhlen, um die Zuneigung der Genossen. Keine Rede mehr von „Beinfreiheit“, die er zuvor noch beanspruchte. Dieses Mal verbeugt er sich vor seiner Partei. Seine Vortragshonorare, selbst das sagt er am Schluss, „waren Wackersteine, die ich in meinem Gepäck habe und auch Euch auf die Schultern gelegt habe“. Er habe viel Solidarität aus der Partei erfahren, sagt er, „mehr als ich glaubte, erwarten zu dürfen. Das hat mich berührt. Das werde ich nicht vergessen.“

Es geht um die Menschwerdung des Peer Steinbrück. So erfahren die 600 Delegierten viel über den Kandidaten. Auch Familiäres. Von den Streitgesprächen über die Frauenquote mit den Töchtern. Über den Lebensweg der Mutter, den Abschiedsbrief des Großvaters von der Front. Es geht auch um Steinbrücks Stolz für die Sozialdemokratie anzutreten. Als seine Stimme bröckelt, als er die bewegende Rede von Otto Wels auf das Ermächtigungsgesetz der Nazis zitiert, da ist seine Rührung offensichtlich.

Über keine andere Rede seiner Laufbahn hat sich Peer Steinbrück so viel Gedanken gemacht wie über diese. Sagt er selbst. So hat er in der Woche vor dem Parteitag eine Reise nach Brüssel abgesagt und sich nach Hause ins Rheinland zurückgezogen, um an seinen Worten zu feilen. Auch  vor einem Jahr hatte Steinbrück beim SPD-Bundesparteitag um die Gunst der Delegierten gebuhlt. Damals war der Applaus noch zurückhaltend gewesen. Aber damals war Steinbrück ja auch noch nicht  Kanzlerkandidat.

Nach dem Fehlstart des Kandidaten, nach der leidigen Debatte um Honorare und Gastauftritte in der Finanzwirtschaft soll dieser Sonntag ein Neubeginn sein. Endlich soll es wieder um die Sache gehen, um Inhalte. Was einigermaßen paradox ist, da dieser Sonntag doch einzig dazu dient, den Kandidaten zu feiern. Kein  Parteitag könnte personalisierter sein als dieser. Im Falle Steinbrück bedeutet typgerechte Personalisierung aber auch: Zurückhaltung.

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