SPD: Ein bisschen gewonnen und fast alles verloren

ThemaWahlen 2017

KommentarSPD: Ein bisschen gewonnen und fast alles verloren

von Max Haerder

Rot-Grün ist so fern wie nie. Es gibt sogar schon einige in der SPD, die still auf die absolute Mehrheit der Union hoffen. Die Alternative Große Koalition ist für viele Genossen an der Basis gerade keine Alternative.

Die Party in Berlin war im Grunde schon vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Um 18 Uhr, zur ersten Prognose, geht nur ein einziges Mal ein Jubel durch die SPD-Parteizentrale: in dem Moment, als der Balken der FDP unter der 5-Prozent-Marke bleibt. "Nicht zufriedenstellend"' stöhnt das saarländische Vorstandsmitglied Heiko Maas.

Süß-sauer, so nennt die ersten Prognosen der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. Ehrlich müsste man sagen: sehr sauer. Die Genossen gewinnen zwar ein bisschen dazu, aber wegen bröckelnder Grüner ist ein Machtwechsel mit Rot-Grün nicht mal mehr ein Glimmen am Horizont. Nach einem engagierten Wahlkampf muss die SPD bilanzieren, dass sie Angela Merkel in die Nähe der absoluten Mehrheit getrieben hat.

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Freytags-Frage Wer hat Angst vor der großen Koalition?

Union und SPD wollen die große Koalition verhindern. Möglich aber, dass sie dennoch kommt. Gut für Deutschland wäre dieses Szenario wahrscheinlich nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich mit Peer Steinbrück Quelle: dpa

Auf offener Bühne geben sich der Kanzlerkandidat und der Parteivorsitzende enttäuscht, erschöpft und versöhnlich. Lange hatten sie zuvor auf der Vorstandsetage zusammengesessen. Peer Steinbrück hat immerhin ein paar Stimmen dazugewonnen und nummerisch eine zweite Schmach wie 2009 verhindert. Und Sigmar Gabriel muss nach Lage der Dinge nicht fürchten, dass sein Wunschkandidat jetzt sein eigenes Problem wird. "Du bist ein Pfundskerl", ruft Gabriel in den Saal. Steinbrücks Kopf pulsiert dabei sichtbar vor Rührung.

Wahrscheinlich darf Gabriel nun SPD-Chef bleiben. "Wer sollte es auch machen?", meint einer aus dem Parteivorstand. Etwas mehr als 25 Prozent sind historisch ein sehr maues Ergebnis, aber keine Katastrophe, die sofort nach einem Königsmörder verlangen würde.

Wie sehr die SPD sich aber trotzdem als Verlierer des Abends fühlt, wird deutlich, wenn man dem einen oder anderen Abgeordneten zuhört. Vielleicht wäre eine absolute Herrschaft Merkels gar nicht das Schlimmste, sinniert an diesem Abend einer. Die SPD könnte Opposition pur bieten und Wunden lecken.

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Reicht es nicht für Merkel, Ironie des Abends, stehen den Genossen aber erst recht schwierige Wochen bevor. Wieder Juniorpartner in einer Koalition mit einer kraftstrotzenden Union ist eine Vorstellung, die gerade an der Basis verhasst und gefürchtet ist. Die SPD-Linke hat deshalb schon angefangen, die inhaltlichen Preise für ein mögliches Bündnis ziemlich hochzutreiben. Aber die Erfahrung aus der Großen Koalition von 2005 bis 2009 hallt in der Partei noch immer traumatisch nach. Wenn die SPD-Spitze beim Parteikonvent am Freitag für diese Option werben will, dann muss sie sehr gute Argumente vorbringen.

Alle Fragen nach Schwarz-Rot enden bei Sozialdemokraten am Wahlabend bei der Floskel, der Ball liege jetzt bei Frau Merkel. Wenn das kein Grund zum Trauern ist.

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