SPD legt in Forsa-Umfrage zu: Merkel und Martin Schulz gleichauf

SPD im Umfragen-Hoch: Angela Merkel und Martin Schulz gleichauf

, aktualisiert 08. Februar 2017, 08:17 Uhr
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Martin Schulz und Angela Merkel im Gespräch.

Der Aufwind nach der Nominierung von Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten beflügelt die Partei weiter. Auch im Wahltrend des Meinungsforschungsinstituts Forsa legte die SPD deutlich zu und Martin Schulz steht stark da.

Die SPD befindet sich nach der Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten weiter im Aufwind. In dem am Mittwoch veröffentlichten Wahltrend des Meinungsforschungsinstituts Forsa für "stern" und RTL springen die Sozialdemokraten erstmals seit Oktober 2012 wieder über die 30-Prozent-Marke auf nun 31 Prozent. Das sind fünf Punkte mehr als in der Vorwoche.

Anders als im für "Bild" erstellten Insa-Wahltrend vom Montag überholt die SPD aber in der Forsa-Erhebung noch nicht die Union. Allerdings verlieren CDU und CSU einen Prozentpunkt auf 34 Prozent. Bundeskanzlerin Angela Merkel büßt zudem fünf Prozentpunkte an Zuspruch ein. Mit 37 Prozent liegt sie im direkten Duell nur noch gleichauf mit Schulz, der vier Prozentpunkte gutmachte.

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Der rasante Aufschwung der SPD in Umfragen überrascht selbst langjährige Wahlkampfmanager, die durch alle Höhen und Tiefen gegangen sind. "So heftig, wie das in den letzten Tagen abgelaufen ist, habe ich das noch nicht gesehen", sagt Kajo Wasserhövel. Der 54-Jährige war viele Jahre rechte Hand des einstigen SPD-Chefs Franz Müntefering und leitete die Bundestagswahlkämpfe 2005 und 2009. Er fühlt sich an die Schlussphase des Wahljahres 2005 erinnert, als Kanzler Gerhard Schröder die Wahl gegen seine Herausforderin Angela Merkel auf den letzten Metern fast noch für sich entschied. "Damals kam in eine über längere Zeit betonierte Stimmungslage Bewegung", sagt Wasserhövel. Das sei nun ähnlich. Von einem Strohfeuer geht er nach eigenen Worten nicht aus: "Das ist schon eine fundamentale Veränderung der Stimmungslage."

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Der designierte SPD-Kanzlerkandidat und Parteichef Martin Schulz. Quelle: dpa

In den zwei Wochen seit der Festlegung auf Martin Schulz als Kanzlerkandidat schießt die SPD in einer Umfrage nach der anderen nach oben. Das Insa-Institut meldete am Montag, die SPD habe mit 31 Prozent CDU und CSU überrundet. Generalsekretärin Katarina Barley findet das "total klasse". Im Gespräch mit Twitter-Nutzern sagt sie: "Das ist auch auf Martin Schulz zurückzuführen, aber nicht nur."

Forsa-Cheff Güllner: eher ein "Gabriel-Freude-Effekt"

Forsa-Chef Manfred Güllner ist überzeugt, dass der Höhenflug vor allem dem Verzicht Sigmar Gabriels auf Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz geschuldet ist. "Das Wichtigste ist, dass Gabriel nicht mehr da ist", sagte Güllner zu Reuters. "Gabriel hat nichts mehr in Richtung Zuversicht vermitteln können. Das ist eher ein Gabriel-Freude-Effekt als ein Schulz-Effekt." Ex-Wahlkampfmanager Wasserhövel drückt es zurückhaltender aus: "Es hat Potenzial gegeben, das sich in andere Richtungen bewegt hat, solange die Führungsfrage nicht überzeugend entschieden war."

Der Meinungsforscher und der Wahlstratege sind sich auch einig, dass die SPD im Bund mit 20 bis 22 Prozent in Umfragen unterbewertet gewesen sei. "Ein Teil dieses Aufwuchses ist daher auch eine Art Normalisierung", sagt Wasserhövel. Zudem könne die Person Schulz punkten: "Er kommt an, überzeugt und gewinnt Vertrauen." Darüber hinaus gebe es offensichtlich ein größeres Potenzial von Wählern, die Veränderung wollten. "Inwieweit da auch schon Merkel-Verdruss mitschwingt, weiß ich nicht. Aber mit Merkel werden keine starken positiven Erwartungen nach vorne verbunden."

Güllner sieht den "Normalwert" der SPD im Bund bei 25 bis 26 Prozent. "Das dürfte auf jeden Fall mit Schulz gehalten werden können. Ob er dann die Werte über 30 Prozent halten kann, ist noch nicht ausgemacht." Zurzeit stiegen die Kompetenzwerte für die SPD nicht. Die Wähler müssten einer Partei aber zutrauen, dass sie die Probleme angehe. "Das ist im Augenblick noch nicht passiert. Wenn es Schulz gelingt, auch die Kompetenzwerte nach oben zu bringen, hat er eine Chance."

Nicht zu unterschätzen ist der Wert der Umfragen für die Motivation der Wahlkämpfer. "Da wird sehr, sehr viel Kraft gerade frei. Das hat ein ganz eigenes Momentum", ahnt der langjährige Wahlkampfleiter Wasserhövel. "Bei der SPD ging immer die Furcht um: Wie schlimm kann es werden? Jetzt ist die Diskussion eher: Da ist richtig was drin."

Generalsekretärin Barley - ohnehin eine Frohnatur - nutzt die Umfragen, um einer Festlegung auf Koalitionen auszuweichen. "Im Moment sieht's ja so aus als würden wir stärkste Kraft. Das ist gut", sagt sie im Twitter-Video. "Dann nehmen wir die Koalitionsangebote entgegen und sehen zu, dass wir möglichst mit anderen Parteien als den Schwarzen eine Mehrheit kriegen."

Portrait Wer ist eigentlich Martin Schulz?

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SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz zeigt 2014 bei einer Wahlparty der Sozialdemokraten mit dem Daumen nach oben. Quelle: dpa

Die Einschätzungen von Forsa-Chef Güllner indes könnten diese Zuversicht dämpfen. Der Anstieg in den Umfragen speise sich vor allem aus dem Lager der Unentschlossenen oder potenziellen Nichtwähler. Entscheidend sei, dass Schulz einen größeren Teil der fast zehn Millionen Wähler zurückgewinnen müsse, die die SPD im Vergleich zu 1998 verloren habe: "Die kommen überwiegend aus der politische Mitte, nicht von den Abgehängten. Die gewinnt Schulz nicht mit sozialer Gerechtigkeit. Für die Mitte ist soziale Gerechtigkeit nicht das zentrale Thema."

Aus Wasserhövels Sicht stehen die Chancen für die SPD indes so gut wie lange nicht mehr. Voraussetzung für einen erfolgreichen Wahlkampf sei, dass Person, Botschaften, Programm und Organisation zueinander passten. "Da sehe ich zum ersten Mal seit langer Zeit sehr, sehr gute Voraussetzungen." Die Lethargie sei raus. Wasserhövel sieht auch Hinweise, dass die Sozialdemokraten Querschüsse aus den eigenen Reihen dieses Mal vermeiden wollen: "Ich sehe die Bereitschaft, sich nicht Knüppel zwischen die Beine werfen zu lassen bei irgendwelchen Nebenthemen. Das ist schon eine andere Situation, als wir es in den letzten beiden Bundestagswahlkämpfen hatten."

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