SPD-Kanzlerkandidat: Der glücklose Peer Steinbrück

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KommentarSPD-Kanzlerkandidat: Der glücklose Peer Steinbrück

von Max Haerder

Die jüngsten Umfragewerte für den SPD-Herausforderer sind miserabel. Kandidat und Programm wollen einfach nicht zueinanderfinden.

Wer Peer Steinbrück in den vergangenen Tagen und Wochen beobachtete, dem drängte sich Mitleid nicht sofort als erste Gefühlsregung auf. Der Kanzlerkandidat hat weder seine Fähigkeit zu ausgeprägter Selbstironie verloren noch seine Schlagfertigkeit. Auch wie ein Geschlagener sieht er wahrlich nicht aus. Diese Woche absolvierte Steinbrück entschlossen bis munter einen weiteren Teil seiner bis Mai dauernden Länderreise, traf sich in der Hauptstadt mit jungen Startup-Unternehmern, besuchte das Deutsche Theater und das Musiklabel Universal, stempelte SPD-Jubiläumsbriefmarken, und jettete zum französischen Präsident Francois Hollande. Der ist zwar selber gerade alles andere als ein vorzeigbarer sozialdemokratischer Aktivposten, aber was soll’s.

Wenn Steinbrück auf seinen Touren (stets begleitet von einem üppigen Pulk Journalisten und Kameraleuten) auf Menschen trifft, dürfte er nicht den Eindruck bekommen, auf verlorenem Posten zu kämpfen. Er wird beachtet und beobachtet, und wenn er abends zu seinem Wahlkampfauftritten namens „Klartext mit Peer Steinbrück“ einlädt, dann sind die Hallen voll (gerade mit Genossen), der Applaus meist warm (dank der Genossen) und seine Scherze sitzen (weil sie tatsächlich ganz gut sind).

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Er könnte sich also passabel fühlen. Wäre da nicht diese nachhaltige Wirkungslosigkeit, die seine Kampagne auf Schritt und Tritt begleitet. Keiner der von SPD-Wahlkampfstrategen bisher lancierten Vorstöße hat Steinbrück aus der Defensive gebracht. Nicht das Strategiepapier gegen Wohnungsnot, nicht die Solidarrente, auch nicht der Mindestlohn. Und als sich während der Zypern-Rettung kurz mal die Gelegenheit bot, der Krisenkanzlerin Angela Merkel schlechtes Management anzuheften, war es Instinktpolitiker und Parteichef Sigmar Gabriel, der als einzige SPD-Stimme vernehmbar war. Der Kanzlerkandidat? Untergetaucht.

Er muss sich also – hinter der Fassade des wackeren Kämpfers –  in Wahrheit miserabel fühlen. Die jüngsten Zahlen des ARD-Deutschlandtrends tragen nur dazu bei: Nur 32 Prozent der Wähler sind mit Steinbrücks Arbeit zufrieden, der schlechteste Wert seit – Achtung! – 2005.  Merkel hingegen verzeichnet 68 Prozent Zustimmung. Und im imaginären Direktwahlvergleich steht es 60 zu 25 Prozent für die Kanzlerin.

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Was für ein Kontrast: Steinbrück ist bei seiner Nominierung als Liebling der Medien und des ökonomisch aufgeklärten Bürgertums gestartet. Mittlerweile hat er sich dank zahlreicher rhetorischer Irrungen und dank eines nicht auf ihn zugeschnittenen Wahlprogramms zu einem Ritter von der traurigen Gestalt gewandelt. Der Kandidat gefällt sich punktuell als aufrechter Streiter gegen den Populismus (Steuern rauf, keine Bafög-Erhöhung, Euro-Haftungsunion), vor allem aber schimmert immer wieder das Bemühen durch, Inhalte zu verteidigen, die Steinbrück bestenfalls für suboptimal halten dürfte.

In Niedersachsen habe die SPD trotz eines populären CDU-Spitzenkandidaten (David McAllister) siegen können. Trotz eines mäßigen Wahlkampfes. Trotz eines blassen eigenen Spitzenmannes. Das ist Mut-Parole, die derzeit überall bei Sozialdemokraten zu vernehmen ist: Was in Hannover geht, kann auch in Berlin klappen. Nur überzeugt klingt es nicht.

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