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SPD-Kanzlerkandidat: Steinbrück steht vor einer fast unlösbaren Mission

von Cornelia Schmergal

Viele Manager erwärmen sich für Peer Steinbrück. Der Kanzlerkandidat der SPD schätzt die klare Sprache und brilliert durch ökonomische Analysen. Doch die Basis bleibt auf Abstand.

Die Grünen stoßen mit ihrer Idee eines fleischlosen Tags in den Kantinen auf Widerspruch. Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte sich im Zuge eines Wahlkampfauftritts im BR-Fernsehen von seinem Wunschpartner Grüne mit dem ironischen Satz distanziert: "Die haben noch nicht mitgekriegt, dass es jetzt um die Wurst geht."

Bild: dpa

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Hoch oben, in der achten Etage des Deutschen Gewerkschaftsbundes, stehen die Zeichen auf Neuanfang. Der DGB hat renoviert. An den Wänden des Sitzungssaales glänzt die Lackfront weißer Einbauschränke. In der Mitte des großen Holztisches ruht eine Platte aus Milchglas. Das Oval ist von unten beleuchtet. Wenn es dunkel ist, könnte man denken, ein Raumschiff sei gelandet.

Vielleicht hielten manche Gewerkschafter den Gast in ihrer Mitte am vergangenen Dienstag tatsächlich für eine Art Außerirdischen. Jedenfalls für keinen ihrer Art. Peer Steinbrück zählt nicht zu den regelmäßigsten irdischen Gästen in der Berliner DGB-Zentrale. Doch nun sitzt er ein paar Stockwerke unter dem neuen Sitzungssaal, vor sich ein Glas mit der Aufschrift: „Wir sind für die Menschen da. DGB.“

Wenn Steinbrück jetzt nicht auch für die Menschen da sein müsste, für die Wähler vor allem, wäre er wohl nicht hier. An diesem Nachmittag wollen die Vorsitzenden der Arbeitnehmerlobby und die Spitze der ehemaligen Arbeiterpartei ergründen, welche Gemeinsamkeiten sie noch haben. Schließlich naht die Wahl. Eine Woche zuvor hatte Steinbrück noch gar nicht auf der Gästeliste gestanden. Dann rief ihn seine Partei zum Kanzlerkandidaten aus. Und nun muss er sich etwas Mühe geben.

Steinbrücks Positionen im WiWo-Check

  • Griechenland

    Ein drittes Hilfspaket für Athen schließt Steinbrück inzwischen nicht aus. Das Land dürfe nicht aus der Währungsunion ausgeschlossen werden. 2011 liebäugelte der SPD-Politiker mit Euro-Bonds, heute ist er zurückhaltend.

    Note: mangelhaft

  • Bankenregulierung

    Steinbrücks Finanzmarktkonzept wirbt für die Trennung von Universalbanken in einen Investmentteil und das klassische Kreditgeschäft. Großbanken sollen einen gemeinsamen Rettungsfonds finanzieren, für Risiken selbst haften. Die meisten anderen Vorschläge sind politisch längst in der Mache.

    Note: befriedigend

  • Agendakurs

    Kaum ein SPD-Politiker stand öffentlich so wacker zu Hartz-Reformen und Sozialstaatsumbau wie Steinbrück. Doch hält er Kurs? Inzwischen plädiert auch er für einen gesetzlichen Mindestlohn und strengere Regeln für Zeitarbeit.

    Note: befriedigend

  • Rentenstreit

    Steinbrück will verhindern, dass die Beiträge für Beschäftigte und Arbeitgeber zu hoch steigen. Eingriffe in das Rentenniveau lehnt er ab. Krach mit der Parteilinken nimmt er bislang in Kauf.

    Note: gut

  • Steuerkonzept

    Die SPD will den Spitzensatz bei der Einkommensteuer erhöhen, die Abgeltungsteuer heraufsetzen, die Erbschaftsteuer verschärfen, die Vermögensteuer wieder einführen: Grundsätzlich unterstützt Steinbrück das Steuerkonzept der SPD.

    Note: mangelhaft

  • Mittelstand

    Kleine und mittlere Unternehmen will er vor neuen Lasten schützen, gerade bei der Vermögensteuer. Parteibeschlüsse will Steinbrück immer auf ihre Mittelstandstauglichkeit überprüfen.

    Note: gut

Pragmatische Gewerkschaft

Beim Schachspiel mit Helmut Schmidt hat er einmal verraten, dass er früher bei der IG Metall Mitglied war, aber „eines Tages den Kanal voll hatte, für sozialdemokratische Positionen immer wieder von denen verbal verprügelt zu werden“. Daher wechselte Steinbrück zur pragmatischsten aller Gewerkschaften, der IG BCE. An diesem Tag aber sitzt er IG-Metall-Boss Berthold Huber und DGB-Chef Michael Sommer gegenüber.

Er muss hören, wie die Gewerkschafter die SPD drängen, die Rente mit 67 auszusetzen und das Rentenniveau einzufrieren. Und damit gleich zwei Sozialreformen auf einmal rückabzuwickeln. Teilnehmer berichten, der SPD-Mann habe dabei sogar die Contenance bewahrt. Aber in einer Runde mit Managern hätte er sich vielleicht etwas heimischer gefühlt.

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