SPD: Münte gut, Partei gut

Bild vergrößern

Neuer SPD-Chef: Der Optimismus hat selbsthypnotische Züge

Die Sozialdemokraten haben ihren alten Parteivorsitzenden zurück. Mit ihm trauen sie sich inzwischen sogar zu, die Bundestagswahl zu gewinnen.

Soll bloß niemand mehr schreiben, seine Anzüge würden schlabbern. Oder dass er seine Form noch nicht ganz wiedergefunden habe, nach all den schweren Monaten, oder dass er schmaler geworden sei. Inzwischen sitzt der graue Dreiteiler perfekt, und wenn der Anzug nicht neu ist – dann hat sich Franz Müntefering wieder in Hochform gebracht. Er hat sich auf dem Laufband gequält, klar, sich über Wochen gestählt, gewiss. Aber vor allem macht er nun wieder eines: Politik. Und da halte er es wie Hannah Arendt, sagt Müntefering selbst. Die habe einmal geschrieben, dass Politik angewandte Liebe zum Leben sei.

Nun ist „Münte“, wie ihn seine Parteifreunde nennen, wieder da. Und wie haben sie ihn vermisst: Am Samstag haben die Genossen Franz Müntefering auf einem Sonderparteitag zum neuen SPD-Chef gekürt. Riesengroß sind die Erwartungen: Er soll dafür sorgen, dass die SPD Regierungspartei bleibt, er soll die Linke mit der Agenda-Politik versöhnen und vor allem soll er Frank-Walter Steinmeier im nächsten Jahr zum Kanzler machen. Kurz: Müntefering soll die SPD retten. Wundersam daran ist, dass die Partei ihm all das zutraut.

Anzeige

Dabei haben sich die Zustimmungswerte für die SPD kaum verbessert. Bei der bayrischen Landtagswahl hatte die SPD das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren; sie verharrt im Umfragetief. Doch die Sozialdemokratie dürstet nach Optimismus, den Müntefering bedient. Nur einen zerknitterten Stichwort-Zettel und ein paar Sätze in Stakkato braucht er, um einen SPD-Saal zum Kochen zu bringen. Münte gut, Partei gut.

Schon einmal führte Müntefering die SPD – und schaffte es damals nicht, die Genossen hinter der Agenda 2010 zu einen. Aber heute scheint alles anders. Wenn der neue Parteichef sagt, dass er angetreten ist, die „Meinungsführerschaft“ für die SPD zurückzuerobern, dann jubeln die Sozialdemokraten frenetisch. Bei Kurt Beck hätten sie sich halbtot gelacht. Wenn Franz Müntefering verkündet, dass die Luft voller sozialdemokratischer Ideen hänge, dann muss ihm die CDU neidvoll zustimmen. Die Finanzkrise hat in Deutschland eine Debatte über die Rolle des Staates entfacht – genau dies ist sein originäres Thema.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%