SPD-Parteitag: Die SPD setzt auf vereinte Kraft

SPD-Parteitag: Die SPD setzt auf vereinte Kraft

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Die frisch gewählte SPD-Kandidatin für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen: Hannelore Kraft.

von Konrad Fischer

Auf dem Parteitag der SPD in Nordrhein Westfalen herrscht Euphorie. Die SPD verlässt sich im Wahlkampf allein auf die Popularität ihrer Spitzenkandidatin. Diese schmalspurige Strategie könnte für den Sieg reichen.

Immer auf die Kleinen. Es ist nicht Norbert Röttgen, Angela Merkel oder sonst ein Vertreter des politischen Gegners, den sich die Sozialdemokraten im bundespolitisch richtungweisenden Wahlkampf in NRW als Feindbild aussuchen. Sondern die schwäbische Hausfrau.

An diesem Samstag trifft sich die SPD in Düsseldorf zum außerordentlichen Parteitag und gibt dabei auch die inhaltliche Richtung für den Wahlkampf vor: Wer spart besser? „Die schwäbische Hausfrau kann nur deshalb erfolgreich sparen, weil ihr Mann das Geld vom Daimler mit nach Hause bringt“, ruft Sigmar Gabriel den Genossen in seiner Eröffnungsrede zu.

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Sparen ohne anderswo zu investieren, das macht aus seiner Sicht keinen Sinn. In die gleiche Kerbe schlägt die NRW-Spitzenkandidatin: „Was die CDU im Bund tut“, sagt Hannelore Kraft, „ist als würde die schwäbische Hausfrau das Geld zum Schuldenabbau ihren Kindern aus der Tasche ziehen.“ Die Masse jubelt, Schwaben ist gerade weit weg. Fast so weit wie die Vorstellung einer Niederlage.

Die SPD ist gut drauf an diesem Samstag und das liegt nicht nur an der launigen Rede des Bundesvorsitzenden. So urteilt Gabriel über den FDP-Spitzenmann Christian Lindner, seine Erfahrungen in Politik und als Unternehmer glichen sich: „Entweder das Geld ist weg oder die Wähler.“ Vor Lindners politischer Karriere liegt ein erfolgreicher Versuch als Internet-Unternehmer.

In 20 Sekunden wird Kraft zur Spitzenkandidatin gewählt

Doch solche Kalauer sind fast nicht nötig, um die Genossen zu begeistern, denn von der ersten Minute eint sie ein Gefühl: Siegesgewissheit. Das liegt vor allem an ihrer Spitzenkandidatin. Schon als Hannelore Kraft ans Mikrofon tritt, brandet Jubel auf. Diese Stimmung hält. Dass Krafts Rede sich vor allem durch überraschende Themenwechsel und die Aneinanderreihung von Altbekanntem auszeichnet, danken die Genossen ihr mit Begeisterung. Sie muss nur die Stimme heben, schon klatscht die Masse.

Am Ende brauchen die Delegierten nach minutenlangem Jubel nur 20 Sekunden, um Kraft einstimmig zur Anführerin zu bestimmen. Vor der Abstimmung ruft einer: „Ihr könnt ruhig weiterklatschen, hebt nur kurz eure Karten.“

In dieser Popularität liegt die wohl größte Hypothek, an der sich die Opposition in NRW abarbeiten muss. Inhaltlich gibt es eine ganze Reihe von Punkten, wo sie die Regierung attackieren kann. Insbesondere der propagierte Sparwille mündet jenseits von Forderungen an den Bund selten in konkreten Vorschlägen. Doch bisher perlt das an Kraft ab. Die Umfragewerte sind überragend, ihre persönliche Popularität erst recht. Und das obwohl die CDU mit Norbert Röttgen einen ihrer Beliebtesten ins Rennen schickt, der schon den Posten als Landesvorsitzender keinem Hinterzimmerentscheid, sondern einem direkten Votum der Parteimitglieder zu verdanken hat. Dagegen haben die meisten von Krafts SPD-Ministern alles andere als einen guten Job gemacht haben, im besten Falle sind sie blass geblieben.

Unangreifbar wie Rau - Landesmutter wollte sie nie sein

Doch all das scheint positiv auf die Marke Kraft einzuzahlen. Der Ministerpräsidentin ist es in ihrer nur 20-monatigen Amtszeit gelungen, eine präsidiale Aura um sich zu legen. Den Begriff der „Landesmutter“ hat sie nie gemocht und doch ist es ihr anders als ihren SPD-Vorgänger Peer Steinbrück oder Harald Schartau gelungen, an die bestimmte und dennoch mitfühlende Art anzuknüpfen, die einst Johannes Rau so unangreifbar machte.

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In ihrer Düsseldorfer Rede dankt Kraft der Opposition für den Schulkompromiss, die Genossen klatschen brav. Sie erzählt davon, dass die schrecklichen Ereignisse der Loveparade ihr bis heute „jeden Tag nahe gehen“. Gebannt lauschen die Delegierten. Sie bekennt sich dazu, gemeinsam mit der CDU die Schuldenbremse in die Verfassung aufzunehmen, kein Widerspruch.

Wahrscheinlich würden die Delegierten sogar klatschen, wenn sie jetzt Norbert Röttgen als Mitglied ihres Wahlkampfteams vorstellen würde. Sie würden es vielleicht sogar glauben.

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