SPD-Parteitag: Sigmar Gabriel kämpft gegen Angela Merkel – und seine Partei

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AnalyseSPD-Parteitag: Sigmar Gabriel kämpft gegen Angela Merkel – und seine Partei

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Gabriel will die arbeitende Mitte für sich gewinnen, seine Partei zögert noch.

von Max Haerder

Mit nur 74,3 Prozent wird Sigmar Gabriel als SPD-Vorsitzender wiedergewählt. Der wahrscheinliche Kanzlerkandidat will die arbeitende Mitte für sich gewinnen und die Wirtschaft nicht verschrecken – doch die SPD zögert.

Seine Tochter. Kurz vor Ende einer langen, sehr langen Rede kommt Sigmar Gabriel noch einmal auf seine Tochter zurück. Zu Beginn hatte er schon davon gesprochen, ob seine Kinder noch in der freien, wohlhabenden friedlichen Welt aufwachsen könnten, die ihm seinen Werdegang ermöglicht habe. Das war kalkuliert. Doch was er zum Schluss erzählt, steht nicht in seinem Redemanuskript. Er kommt spontan darauf, als es beim Signalwort Kanzleramt Applaus der Delegierten im Saal gibt. Genauer gesagt: Als der SPD-Chef noch einmal das bekräftigt, was er längst Wochen zuvor über gewogene Medien lanciert hat: Dass er nämlich gedenkt, künftig vom Kanzleramt aus zu regieren. Dass er Kanzler werden will.

Das wisse doch jeder, sogar sein eigenes Kind. "Wie lange musst Du noch zu Angela Merkel fahren?", habe Gabriels dreieinhalb-jährige Tochter ihn also gefragt, als er sich von ihr am Bett in Goslar in Richtung Berlin verabschiedete. Und seine Antwort war: "Keine Angst, nur noch bis 2017."

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Mit Pathos und Lautstärke

Diese Anekdote, leise vorgetragen, passt zu Gabriels Auftritt beim Parteitag in Berlin. Weil er eine selten kämpferische, dafür häufig nachdenkliche Rede hält. Weil sie immer wieder sehr persönlich, aber kaum aufputschend ist. Gabriel kann Pathos und Lautstärke sehr weit aufdrehen, wenn er will und es für geboten hält, aber diesmal hält er sich sehr zurück. Es seien ernste Zeiten, sagt er gleich zu Beginn seiner Rede. Er bezieht dies auf die Weltlage, aber es gilt - natürlich - auch für die Lage der SPD. Und seine eigene.

Die Sozialdemokraten sind höchst erfolgreich in der großen Koalition. Umso mehr harren zwei große Fragen ihrer Beantwortung: Wozu soll die Partei eigentlich den Kanzler stellen? Was würde das schließlich noch ändern? Glaubt man den Umfragen lautet die doppelte Replik der Wähler: erstens, unnötig -  und, zweitens, nichts. Merkel könne doch bleiben und weiter SPD-Politik machen.

Ergebnis schlechter als 2013 Gabriel als SPD-Chef bestätigt

Die SPD hat Sigmar Gabriel als SPD-Chef bestätigt. Allerdings war das Ergebnis schlechter als zwei Jahre zuvor.

Nach seiner Wiederwahl zum Parteivorsitzenden: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel beim Bundesparteitag der SPD. Quelle: dpa

Gabriel nimmt sich mehr als anderthalb Stunden Redezeit, um seine Gegen-Argumente auszuführen. Er beginnt mit der internationalen Politik. Es gäbe bei der Frage eines Bundeswehreinsatzes in Syrien keinen "Hurra-Patriotismus" mit der SPD, lobt er. Stattdessen verspricht er der Basis einen Mitgliederentscheid, sollte das Mandat ausgeweitet werden müssen. Das ist klug und taktisch zugleich.

Auch die Flüchtlingspolitik nimmt wie erwartet breiten Raum ein. Dazu passt die Verve, mit der Gabriel gegen Pegida, AfD und Front National rhetorisch zu Werke geht. Und die Wärme und Herzlichkeit, mit der er "die Alltagshelden der Integration", die Ehrenamtlichen überall im Land, würdigt.

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