SPD: Peer Steinbrück kämpft nur noch für sich selbst

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SPD: Peer Steinbrück kämpft nur noch für sich selbst

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück scheint bis heute nach einer überzeugenden Antwort zu suchen.

von Max Haerder

Der SPD-Kanzlerkandidat war auf dem besten Wege, ein gut verdienender, allseits gehörter Elder Statesman zu werden. Stattdessen wurde er Kanzlerkandidat der SPD. Seitdem kämpft ein Mann verbissen um die Wiederherstellung seines Rufs.

An diesem Leipziger Vormittag im Mai ist selbst der Himmel ein Genosse, und da draußen sonnt sich jemand genüsslich in der eigenen Bedeutung. Nach und nach rollen die Limousinen vor, Referenten reißen Türen auf, Hannelore Kraft steigt aus, Olaf Scholz, Altkanzler Gerhard Schröder, sie alle schreiten auf ihn zu. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes erweist ihm die Ehre, Hände werden geschüttelt, hier und da gibt es Umarmungen oder gar einen kleinen Scherz. Kurz vor Schluss kommt die Bundeskanzlerin, dann erscheint der Bundespräsident und - als Ehrengast - Frankreichs Präsident Francois Hollande. Immer mittendrin im Pulk ein vor Stolz glühender Gastgeber, der wichtigste Mann der SPD - Sigmar Gabriel.

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Peer Steinbrück steht zur gleichen Zeit nur wenige Meter Luftlinie entfernt ziemlich allein in einem Treppenaufgang des Gewandhauses. Nur eine knappe Handvoll Leute aus seiner Entourage stehen um ihn herum, alle anderen Gäste schauen lieber runter durch die Glasscheibe, Promis gucken. "Wollt ihr auch 'nen Kaffee?", fragt Steinbrück in die kleine Runde. Beim 150-Jahre-Jubiläumsfest der SPD, das kurz darauf beginnen wird, hat immerhin Hannelore Kraft die Gnade, ihn kurz in ihrer Begrüßungsrede erwähnen. Das war’s. Die Show machen andere. So wenig Bedeutung war selten.

In jenem Frühsommer 2013 muss Peer Steinbrück ganz stark sein. Er steht vor den rauchenden Trümmern dessen, was mal seine Kanzlerkandidatur sein sollte. Um das Ausmaß der Katastrophe ganz zu ermessen, muss man allerdings noch ein Stück weiter zurückgehen. Ende 2011, ein Jahr vor der Kandidatur, ist der beliebteste Politiker des Landes im ZDF Politbarometer nicht etwa Angela Merkel, sondern er. Altkanzler Helmut Schmidt stellt ihm im selben Herbst öffentlich per SPIEGEL das Tauglichkeitszeugnis aus ("Er kann es"). Damals sieht es wirklich so aus, als müsse Steinbrück - wenn er denn wollte - gar nicht am Zaun des Kanzleramtes rütteln, um reinzukommen, sondern einfach nur zur offenen Tür hereinspazieren. Wer den Steinbrück des ersten Halbjahres 2013 daneben stellt, glaubt nicht, dass es sich um dieselbe Person handelt.

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Das vorläufige amtliche Endergebnis – hier sehen Sie, wie die politische Stimmung im Land ist.

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Am kommenden Sonntagabend, nach einer langen Wahlnacht, wird Peer Steinbrück seine Berliner Wohnung in der Torfstraße im Wedding betreten und den ganzen Zirkus ein für alle Mal hinter sich lassen. Die Demütigungen, die Häme, die eigenen Fehler. Er war Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Bundesfinanzminister, er hat Deutschland gemeinsam mit Angela Merkel souverän durch die Lehman-Krise gesteuert. Zwischenzeitlich aber gab es in der Öffentlichkeit nur noch das Bild vom Tölpel, vom arroganten Deppen. Kanzler kann er wohl nicht mehr werden, aber den Respekt, den wollte er zurück und den hat er mittlerweile zurück. Tür zu, Ende.

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