Vielleicht liegt es daran, dass das Drama um die frühere hessische SPD-Vorsitzenden, Andrea Ypsilanti bei den Saar-Genossen kaum eine Rolle spielt. Nicht, dass sich die SPD als Volkspartei von dem Vertrauensverlust erholt hätte. Mitnichten. Doch im Saarland probt sie dennoch die Umarmung der Linken – und niemand schreit mehr auf. Gegen Rot-Rot, das zeigt sich hier, lässt sich kaum noch Stimmung machen. Die Linke falle in der Krise zwar durch „Sprachlosigkeit, Interpretationsunfähigkeit und Mobilisierungsschwäche“ auf, sagt der Parteienforscher Franz Walter, der die Irrungen der linken Parteien schon länger verfolgt. Da Ähnliches aber auch über die SPD zu sagen wäre, liegt die Zusammenarbeit nahe.
Wenn es so kommt, ist das auch das Werk von Heiko Maas. Eigentlich hat der saarländische SPD-Spitzenkandidat bislang nur eines ausgeschlossen: Oskar Lafontaine zum Ministerpräsidenten zu wählen. Den Linken billigt er allenfalls den Status eines Juniorpartners zu, mehr nicht. Doch ansonsten vermittelt Maas bei seinen Auftritten durchaus das Gefühl, dass er sich die Linke als Mehrheitsbeschaffer vorstellen könnte. Selbst den verblassten, aber immer noch prominenten SPD-Linken Ottmar Schreiner hat er dafür gewonnen und in sein Schattenkabinett berufen. Maas selbst, jung und agil, von seinem Auftreten her eher nicht der klassische SPD-Linke, kann davon nur profitieren.
Schulden durchaus vorstellbar
"Ein Abend mit Heiko Maas“ steht auf den Plakaten, ein bisschen soll es sein wie bei amerikanischen Townhall-Meetings. Die Bürger sollen kommen und Fragen stellen, manche haben sie bereits vorab im Internet eingereicht. Durch alle 52 Kommunen tourt Maas mit diesem Programm. Knapp die Hälfte hat er bereits absolviert. Auch heute, im sanft gedimmten Licht einer Saarbrücker Berufsschulaula, kritisiert er die Bildungspolitik und redet sich in kontrollierte Rage. Studiengebühren? Abschaffen, sagt Maas. Ganztagsschulen? Ausbauen. Wie alles finanzieren? Wenn es sein muss, über Schulden.
Nichts, was Oskar Lafontaine nicht auch unterschreiben würde. In der Landespolitik fällt eben das dickste politische Geröll der Linken weg: die Abschaffung von Hartz IV, die Ablehnung des Lissabon-Vertrages, überhaupt die Außenpolitik. „Wir wählen den Kandidaten mit den meisten Stimmen“, sagt Lafontaine im Mainzer Filmhaus. Er wird kaum Peter Müller meinen. Es ist seine Handreichung an die alte Partei. Und Heiko Maas sagt, die Koalitionsfrage beantworte sich „nach der Wahl“. Er schließe jedenfalls nichts aus.
Der Boden ist bereitet. Einige Kilometer weiter, beim Püttlinger Frühlingsfest, liegen schon mal kleine rote Geschenk-Päckchen auf den Tischen, es ist Saatgut für Helianthus annuus, die Rote Sonnenblume. „Aussaat zwischen März und Mai“ steht auf der Rückseite, „Blütezeit: Juli bis Oktober“. Man erntet, was man sät. Die SPD hat Sinn für Symbolik, das muss man ihr lassen.










