SPD: Sigmar Gabriel ist wild entschlossen

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SPD: Sigmar Gabriel ist wild entschlossen

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Parteichef Sigmar Gabriel bringt die Mitglieder hinter sich.

von Max Haerder und Konrad Fischer

Je näher der Mitgliederentscheid über die Große Koalition rückt, desto klarer wird: Parteichef Sigmar Gabriel dürfte daraus als einzige Führungsfigur hervorgehen.

Der Widerstand ist zartblau und schnell zu übersehen. „Wer hat uns erneut verraten? Spezialdemokraten!“, hat jemand mit blasser Kreide auf das Pflaster vor dem Hamburger Curio-Haus gekritzelt. „Mindestlohn für alle Ja-Sager ab sofort!“ steht ein paar Schritte weiter und „Verstand statt GroKo“. Fünf Minuten anständiges Schmuddelwetter hätten schon gereicht, um diesen Protest einfach hinwegzuspülen.

Die zwei angesprochenen Spezialdemokraten, SPD-Chef Sigmar Gabriel und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, dürften die Malereien ohnehin nicht gesehen haben, als sie in ihren Limousinen anrauschten. Im Saal wurden sie vergangenen Dienstagabend von 900 Genossen mit wohlwollendem Applaus empfangen. Nur auf die Idee von Standing Ovations, die Gabriel zuletzt in der Bundestagsfraktion entgegenbrandeten, kommt in Hamburg dann doch keiner.

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Berlin, das schwarz-rote Geschacher und nächtliche Ringen um den letzten Spiegelstrich, all das ist hier erst einmal weit weg und erklärungsbedürftig. Genauso erklärungsbedürftig wie in Bremen, Alfeld, Kamen, Nürnberg, Greifswald und allen anderen Städten, in die Spitzengenossen ausgeschwärmt sind, um möglichst vielen ihrer 473.000 Mitglieder den tiefroten Koalitionsvertrag aus der Hauptstadt nahezubringen. Die Basis hat bis Mitte Dezember das allerletzte Wort, ob die große Koalition wirklich kommt.

In Hamburg stimmt der mit absoluter Mehrheit regierende Scholz die Mitglieder gewohnt nüchtern auf den Vorsitzenden ein. „Wir sind nicht gewählt worden, um nichts zu tun“, das ist schon sein leidenschaftlichster Satz. Die ganze SPD hätte gern mehr Stimmen für ihr gutes Programm bekommen, beendet Scholz wenig später seine Begrüßung. „Ham wir aber nich.“ Man kann nicht sagen, dass der Saal danach glüht vor Begeisterung.

Pathos und Polemik

Sigmar Gabriel dürfte das nur recht sein. Sein Redetalent ist bekannt, aber nach diesem Vorspiel kann er wirklich glänzen. Mindestlohn, Rente, Tarifverträge, Frauenquote – Wirtschaftsverbände und Ökonomen wenden sich mit Grausen ab, die SPDler in Hamburg hingegen klatschen sich bei seiner langen Aufzählung der Erfolge langsam warm. Der Vorsitzende gibt den verständnisvollen Parteipsychologen, den Polemiker, die Pathosmaschine oder den Kämpfer, je nach Bedarf. Herbert Wehner sei seinerzeit tätlich angegriffen worden, als er 1966 die erste große Koalition einging, erzählt Gabriel, aber sie habe schließlich in der Kanzlerschaft des verehrten Willy Brandt gemündet. Er erwähnt das, um mit der beliebten Katastrophen-Lesart der Jahre 2005 bis 2009 aufzuräumen, die besagt, dass eine Liaison mit der Union nur im Wahldebakel enden könne. Von wegen: „Es steht eins zu eins“, ruft Gabriel. Der SPD-Chef hinterlässt keinen Zweifel, dass er wild entschlossen ist, seine Mannschaft in Führung zu schießen.

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