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SPD-Wahlkampf: Vielleicht geht ja noch was

06. September 2013
Peer Steinbrück Quelle: dpaBild vergrößern
Peer Steinbrück Quelle: dpa
von Max Haerder

Nach dem TV-Duell hoffen die Sozialdemokraten auf eine Wende im Land. Darauf, das überhaupt endlich da draußen über Wahlkampf gesprochen wird. Eine Woche unterwegs mit der SPD – immer auf der Suche nach dem Wähler.

Montagmorgen, 02. September

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Der frühe Wahlkämpfer fängt den Wähler, zumindest hoffen sie das im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Wahlkampfzentrale. Es ist noch nicht mal zehn Stunden her, seit sich Angela Merkel und Peer Steinbrück im TV-Studio am Ende ihres Duells die Hand gegeben haben, als Andrea Nahles, die Generalsekretärin, an einem etwas trüben Morgen an der U-Bahn-Station Hallesches Tor steht und Pendlern rot bedruckte Din-A4-Flyer in die Hände drückt.

„TV-Duell – Gerechtigkeit macht stärker – ARD-Umfrage zeigt: Steinbrück gewinnt gegen Merkel“ steht auf den in Nachtschicht gedruckten Zetteln. Auf der Rückseite drei knallige Wahlversprechen der Genossen: Mindestlohn, Mietpreisbremse, Kitaausbau.

Überall in der Stadt stehen jetzt SPD-Wahlhelfer auf Straßen oder an Bahntreppen und versuchen, den eigenen Spin unter die Leute zu bringen. Dass die Umfragen bei ZDF und RTL gestern Abend etwas weniger pro Steinbrück waren? Egal, einfach ausblenden. Wahlkampf ist nicht die Zeit für Differenzierung.

Dienstagmorgen, 3. September

Reichstag, Generaldebatte zur „Situation in Deutschland“, letzter Sitzungstag der Legislaturperiode. Und noch einmal Duell Kanzlerin gegen Kandidat, diesmal im parlamentarischen Rahmen. Monatelang hat Steinbrück vergebens versucht, sich auf Augenhöhe mit Merkel zu heben, nun endlich, nach dem respektablen Fernsehauftritt ist er soweit. Das mag zu spät sein, um noch ins Kanzleramt einzuziehen, aber Steinbrück hat sich offenbar aller Zweifel und Grübeleien entledigt, ob er selbst, die Medien oder sonst jemand Schuld hat an den versemmelten Anfangsmonaten. Mund abputzen, kämpfen - hätte Franz Müntefering vielleicht gesagt.

Steinbrück geht bekanntlich eine Spur akademischer an die Sache heran. Und so enthält seine Replik auf die Rede der Kanzlerin sogar ein Zitat von Jürgen Habermas. Der Philosoph hatte Merkel vorgeworfen, ihr fehle der „normative Kern“. Das ist zwar schön gesagt, passt aber nur zu gut zu Steinbrücks Wahlkampfrhetorik, die gerne mit den analytischen Besteck auf der Metaebene der Probleme herumoperiert. Volksnah ist etwas anderes.

Immerhin gelingt dem Herausforderer ein neuer, hübscher Satz, der es in fast alle Onlineportale und Zeitungen und später auch ins „heute journal“ schaffen wird: „Sie sind die Architektin der Macht; aber Sie sind nicht die Architektin des Landes.“

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