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SPD-Wahlkampf: Vielleicht geht ja noch was

von Max Haerder

Nach dem TV-Duell hoffen die Sozialdemokraten auf eine Wende im Land. Darauf, das überhaupt endlich da draußen über Wahlkampf gesprochen wird. Eine Woche unterwegs mit der SPD – immer auf der Suche nach dem Wähler.

Peer Steinbrück Quelle: dpa
Peer Steinbrück Quelle: dpa

Montagmorgen, 02. September

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Der frühe Wahlkämpfer fängt den Wähler, zumindest hoffen sie das im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Wahlkampfzentrale. Es ist noch nicht mal zehn Stunden her, seit sich Angela Merkel und Peer Steinbrück im TV-Studio am Ende ihres Duells die Hand gegeben haben, als Andrea Nahles, die Generalsekretärin, an einem etwas trüben Morgen an der U-Bahn-Station Hallesches Tor steht und Pendlern rot bedruckte Din-A4-Flyer in die Hände drückt.

„TV-Duell – Gerechtigkeit macht stärker – ARD-Umfrage zeigt: Steinbrück gewinnt gegen Merkel“ steht auf den in Nachtschicht gedruckten Zetteln. Auf der Rückseite drei knallige Wahlversprechen der Genossen: Mindestlohn, Mietpreisbremse, Kitaausbau.

ANGELA MERKEL - Kampf um dritte Kanzlerschaft
Die CDU-Chefin kämpft bei der Wahl am 22. September um ihre dritte Kanzlerschaft. Ins Amt kam Angela Merkel 2005 an der Spitze einer großen Koalition aus Union und SPD. Seit 2009 führt sie ein Bündnis mit der FDP, das sie erklärtermaßen fortsetzen will. An die Spitze ihrer Partei gelangte die vorherige Generalsekretärin im Jahr 2000 im Zuge des CDU-Spendenskandals - nachdem sie sich scharf von Altkanzler und Ex-Parteichef Helmut Kohl distanziert hatte.

Als Parteivorsitzende hat die heute 59-Jährige der CDU eine programmatische Modernisierung verordnet. Grundsatzpositionen wie die Wehrpflicht und das Ja zur Atomkraft wurden aufgegeben, auch in der Familien- und Bildungspolitik änderte sich der Kurs - zum Leid des konservativen Flügels. In die Politik kam die ostdeutsche Physikerin in der Wendezeit. Sie wurde Vizesprecherin der ersten demokratisch gewählten DDR-Regierung und später unter Kohl zunächst Frauen-, dann Umweltministerin. Mitglied des Bundestags ist sie bereits seit 1990.

Bild: dpa

Überall in der Stadt stehen jetzt SPD-Wahlhelfer auf Straßen oder an Bahntreppen und versuchen, den eigenen Spin unter die Leute zu bringen. Dass die Umfragen bei ZDF und RTL gestern Abend etwas weniger pro Steinbrück waren? Egal, einfach ausblenden. Wahlkampf ist nicht die Zeit für Differenzierung.

Die Grünen wollen nach der Bundestagswahl einen fleischlosen Tag in Kantinen einführen. Der Vorschlag wabert schon eine ganze Zeit lang durch die Partei und wurde schon mehrmals scharf kritisiert. So verglich beispielsweise der CDU-Politiker Josef Rickfelder im Januar 2013 den "Veggie-Day" in Kantinen und Schulen mit dem Eintopftag der Nationalsozialisten und nannte ihn eine "Gängelung der Bürger", gegen die man sich wehren müsse.

Trotzdem wollen die Grünen nach der Bundestagswahl den "Veggie-Tag" einführen, an dem in Kantinen und Mensen ausschließlich vegetarisch und vegan gekocht werden soll.

„Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren“, sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast. Mit dem Vegetariertag will die Partei den Fleischkonsum der Bundesbürger senken. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Politiker so in das Privatleben der Bürger einmischen (wollen).

Bild: dpa

Dienstagmorgen, 3. September

Reichstag, Generaldebatte zur „Situation in Deutschland“, letzter Sitzungstag der Legislaturperiode. Und noch einmal Duell Kanzlerin gegen Kandidat, diesmal im parlamentarischen Rahmen. Monatelang hat Steinbrück vergebens versucht, sich auf Augenhöhe mit Merkel zu heben, nun endlich, nach dem respektablen Fernsehauftritt ist er soweit. Das mag zu spät sein, um noch ins Kanzleramt einzuziehen, aber Steinbrück hat sich offenbar aller Zweifel und Grübeleien entledigt, ob er selbst, die Medien oder sonst jemand Schuld hat an den versemmelten Anfangsmonaten. Mund abputzen, kämpfen - hätte Franz Müntefering vielleicht gesagt.

Steinbrück geht bekanntlich eine Spur akademischer an die Sache heran. Und so enthält seine Replik auf die Rede der Kanzlerin sogar ein Zitat von Jürgen Habermas. Der Philosoph hatte Merkel vorgeworfen, ihr fehle der „normative Kern“. Das ist zwar schön gesagt, passt aber nur zu gut zu Steinbrücks Wahlkampfrhetorik, die gerne mit den analytischen Besteck auf der Metaebene der Probleme herumoperiert. Volksnah ist etwas anderes.

Immerhin gelingt dem Herausforderer ein neuer, hübscher Satz, der es in fast alle Onlineportale und Zeitungen und später auch ins „heute journal“ schaffen wird: „Sie sind die Architektin der Macht; aber Sie sind nicht die Architektin des Landes.“

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 06.09.2013, 18:24 UhrNeuanfang

    "Vielleicht geht ja noch was"

    Für die AfD bestimmt!

    Leute, bitte alternativ wählen gehen.

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