Spionageskandal: Jagd auf die Kronjuwelen

Spionageskandal: Jagd auf die Kronjuwelen

von Florian Zerfaß

Der Mittelstand ist das optimale Opfer für Spione. Warum gerade kleinere Unternehmen aufwachen müssen – und was sie tun können, um sich wenigstens ein bisschen zu schützen.

Die schwarzen Helikopter gaben Rätsel auf. Mehrmals hatten Mitarbeiter sie über dem Firmengelände gesichtet. Ein Kennzeichen trugen sie nicht. Wer waren die Insassen? Was wollten sie? Ausgerechnet bei einem kleinen Mittelständler? Die Geschichte kursiert derzeit auf den Fluren des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), sie wird vom Verband offiziell bestätigt, aber nur ohne Nennung des betroffenen Unternehmens. Denn sie ist hoch brisant: Kurz nachdem die Helikopter aufgetaucht waren, so heißt es beim VDMA weiter, wurde das Unternehmen vom Bundesnachrichtendienst darüber informiert, dass  die Firma ins Visier amerikanischer Geheimdienste geraten sei.

 

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Längst nicht jeder Angriff auf Firmengeheimnisse ist so spektakulär, im Gegenteil, meist kommen die Spione lautlos und unbemerkt. Doch die Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden werfen seit Monaten ein grelles Schlaglicht auf die düsteren Aktivitäten der Know-How-Jäger. Typisch an der Helikopter-Geschichte ist vor allem das Ziel – denn ob staatliche Geheimdienste, Konkurrenzfirmen oder ganz gewöhnliche Kriminelle: In Mittelständlern finden sie oft die optimalen Opfer.  

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Ungeschützte Ideenschmieden

Es fehlt an Vielem. An Wissen darüber, wer die Angreifer sind. Wie sie vorgehen. Wie man sich dagegen schützen kann. Vor allem aber fehlt es meist schon am Bewusstsein, wie real die Gefahr ist. „Es ist erschreckend, wie sich gerade Mittelständler in Sicherheit wiegen“, sagt der Frankfurter Klaus-Dieter Matschke, ein früherer Kriminaloberrat, der heute Firmen in Sicherheitsfragen berät. „Sie glauben, sie seien zu klein, zu wenig relevant, zu unbedeutend. Das führt dann dazu, dass die kleinen, innovativen Ideenschmieden – und von denen haben wir Tausende! – so gut wie gar nicht geschützt sind.“

Ein gefundenes Fressen für Wissensdiebe. Und eine Leichtfertigkeit, über die Walter Opfermann nur den Kopf schütteln kann. Er ist Referatsleiter Spionageabwehr/Wirtschaftsschutz beim Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg, sein Handwerk hat er in den 1980er Jahren gelernt, damals war die Welt noch einfach. Die Gegner saßen in Moskau und Ost-Berlin. Heute sitzen sie überall. „Im Kalten Krieg haben wir von befreundeten und gegnerischen Nachrichtendiensten gesprochen“, sagt Opfermann, „seit 1990 sprechen wir nur noch von fremden Diensten. Wir haben eine 360 Grad-Perspektive.“ Heißt: Jeder kann jetzt Gegner sein.

Weltmarktführer-Paradoxon

Und jeder kann Ziel sein. Auch im Mittelstand, der in Opfermanns Operationsgebiet, in Baden-Württemberg, besonders stark ist. Dort ist ein merkwürdiges Paradoxon entstanden. Viele schwäbische Mittelständler sind stolz auf ihre globale Technologieführerschaft, besetzen als Weltmarktführer ihre Nischen – und dennoch glauben sie, für ausländische Know-How-Jäger nicht interessant zu sein?

„Das ist grotesk“, sagt Opfermann. „Viele Mittelständler machen weit mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland. Sie freuen sich, wie begehrt ihre Produkte im Ausland sind, aber sie ignorieren, dass ihr Wissen damit auch begehrt ist. Wer 85 Prozent seines Umsatzes im Ausland macht und sich nicht intensiv um den Schutz seiner Daten kümmert, der muss sich fragen, ob sein Geschäftsmodell zukunftsfähig ist.“

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