Sportwetten: "Gut und gern 400 Millionen Euro Steuereinnahmen"

Sportwetten: "Gut und gern 400 Millionen Euro Steuereinnahmen"

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Sportwetten-Tippzettel

Bund und Länder sollten nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes den Markt für Sportwetten dringend liberalisieren, fordert der Kieler Ökonomie-Professor Ulrich Schmidt. Das hilft dem Fiskus - aber auch im Kampf gegen Spielsucht, sagt er im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Redakteur Peter Steinkirchner.

WirtschaftsWoche: In welcher Größenordnung sind dem Bund wegen des staatlichen Glücksspielmonopols Steuern entgangen?

Ulrich Schmidt: Dem Bund sind seit Jahren Steuern dadurch entgangen, dass private Wettanbieter vergrault worden sind. Sie müssen eins sehen: Weniger als fünf Prozent des Wettumsatzes von rund acht Milliarden Euro werden in Deutschland legal beim staatlichen Anbieter Oddset getätigt, der große Rest läuft über andere Anbieter im Internet und unterliegt keiner Besteuerung.

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Wo könnte der Fiskus zugreifen?

Wenn man nun in der Folge des Urteils des Europäischen gerichtshofs in Deutschland den Markt reguliert öffnen würde, müssten alle Anbieter, die in Deutschland tätig werden, eine Lizenz erwerben und damit auch Abgaben zahlen.

Welche Steuermodelle sind dabei denkbar?

Dazu gibt es zwei Modelle: Entweder man setzt die Steuer schon bei den Wetteinsätzen an oder man besteuert den Rohertrag, was aus meiner Sicht für alle Beteiligten die bessere Variante wäre. Man schaut also, wie viel das Unternehmen an Einsätzen eingenommen hat, wie viel hat es an Gewinnen ausgezahlt, die Differenz ist der Rohertrag und den würde man besteuern. Davon würden alle Beteiligten profitieren: Der Wettanbieter könnte dem Teilnehmer eine höhere Quote ausschütten, das macht ihn attraktiv für die Teilnehmer, macht also in der Summe vermutlich höhere Umsätze, was zu höheren Steuereinnahmen führen würde und gleichzeitig käme er zu einer höheren Gewinnmarge. Das Unternehmen zahlt außerdem auch nur dann, wenn es Gewinn erzielt.

Bei dem anderen Modell müsste es dagegen sogar Steuern zahlen, wenn es Verluste macht.

Wie hoch könnten die Steuereinnahmen nach dem Modell sein?

Das liefe auf einen dreistelligen Millionenbetrag hinaus - bei einem geschätzten Marktvolumen von acht Milliarden Euro und einer angenommenen Marge der Wettanbieter in Höhe von zehn Prozent kommen die Wettanbieter auf einen Ertrag von 800 Millionen Euro. Besteuert man das mit der Hälfte, kämen gut und gern 400 Millionen Euro Steuereinahmen heraus. Und da ist eine mögliche Regulierung eines anderen ebenfalls sehr großen Marktes noch nicht berücksichtigt – Online-Poker. Hier sollen die Umsätze noch höher liegen als bei den Sportwetten. Es wäre nur konsequent, wenn im Zuge einer Neuordnung des Glücksspiels in Deutschland dieser Markt gleich mit reguliert würde.

Wird denn das Thema Online-Poker von den Ländern nun ebenfalls angegangen?

Ich befürchte nicht. Aber die Diskussion dazu geht jetzt los. Klar ist:  So wie bislang kann es ja nicht weitergehen. Der Staat wollte in der Vergangenheit schlicht die Steuereinnahmen maximieren, deshalb haben sie das Monopol bei Sportwetten geschaffen und Automatenspiele und Pferdewetten weiter zugelassen. Das hat das EuGH nun zurecht bestraft.

Mit seinem Urteil hat der EuGH zugleich klargemacht, dass Automatenspiele nicht weniger süchtig machen als Sportwetten.

Ja klar, die machen sogar noch viel mehr süchtig. Hier ist wirklich eine stärkere Regulierung gefragt – und das gilt  auch für die Online-Angebote: Im Moment werden doch 95 Prozent der Online-Wetten bei völlig unregulierten Anbietern getätigt. Wenn man den Markt nun liberalisiert, könnte man die Anbieter auch regulieren und Wetten mit besonders hohem Suchtpotenzial – etwa Live-Wetten während eines laufenden Fußballspiels – verbieten. Das ist der Bereich mit dem höchsten Suchtpotenzial – und wenn die Politik wirklich etwas gegen Spielsucht unternehmen wollte, dann müsste sie die Gelegenheit nutzen, hier regulierend einzugreifen.

Wollen wir wetten, wie im kommenden Frühjahr, wenn sich die Länder einigen wollen, die deutsche Wett- und Lotto-Landschaft aussieht? Worauf setzen Sie?

Ich rechne fest mit einer regulierten Liberalisierung. Der Gesetzentwurf von Schleswig-Holstein, der neben dem Fortbestand des stattlichen Lotto-Monopols eine staatlich kontrollierte Lizensierung  von Sportwettenanbietern, geht absolut in die richtige Richtung.  

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