Sprachexperte Funk: "Firmen sollten Flüchtlingen Deutschkurse anbieten"

ThemaBildung

InterviewSprachexperte Funk: "Firmen sollten Flüchtlingen Deutschkurse anbieten"

Bild vergrößern

Hermann Funk lehrt "Deutsch als Fremdsprache" an der Universität Jena. Bild: Nowroth

von Maximilian Nowroth

Deutschen Unternehmen entgehen Aufträge, weil Mitarbeiter fehlen, die viele Fremdsprachen sprechen. Doch die meisten Flüchtlinge sind mehrsprachig – Firmen müssen das nur nutzen, sagt Sprachprofessor Hermann Funk.

WirtschaftsWoche: Herr Funk, wie gut sprechen Flüchtlinge Deutsch, wenn sie bei uns ankommen?

Hermann Funk: Leider gibt es keine gesicherten Daten. Aber ich kann Ihnen aus meinen Erfahrungen sagen: Die meisten fangen sprachlich bei Null an.

Anzeige

Reichen die bisherigen Maßnahmen der Politik aus, um Deutschunterricht für Flüchtlinge zu fördern?
Klares Nein! Es gibt leider immer noch kein Gesamtkonzept von der Bundesregierung, geschweige denn eines zur berufssprachlichen Integration. Warum fragt keiner nach dem Nutzen der Fremdsprachen, die jetzt mit den Flüchtlingen nach Deutschland kommen? Das kann ein großer Gewinn für Deutschland sein, auch wirtschaftlich.

Zur Person

  • Hermann Funk

    Der 62-Jährige ist Inhaber des Lehrstuhls für "Methodik und Didaktik Deutsch als Fremd- und Zweitsprache" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist der berufsbezogene Fremdsprachenunterricht. Darüber hinaus ist er wissenschaftlicher Koordinator des Erfahrungsaustauschrings Fremdsprachenausbildung in der Wirtschaft (ERFA Wirtschaft Sprache).

Wie das denn?
Viele deutschen Unternehmen haben seit Jahren ein Problem: Sie können Aufträge aus dem Ausland nicht annehmen, weil ihnen Mitarbeiter fehlen, welche die benötigte Fremdsprache sprechen können. Europäischen Mittelständlern entgehen deshalb zahlreiche Aufträge. Wir reden von einem Gesamtverlust für die europäische Wirtschaft von rund 100 Milliarden Euro pro Jahr! Das zeigt eine Studie im Auftrag der EU-Kommission.

Diese Zahlen sind aus dem Jahr 2006.
Ja, das müsste man heute noch mal erheben. Wichtig ist aber der Hinweis: Unternehmen fehlt es an Mehrsprachigkeit.

Woran liegt das?
Kaum ein Unternehmen erfasst die Fremdsprachenkenntnisse seiner Mitarbeiter systematisch. Die Dax-Konzerne, mit denen ich zusammenarbeite, wissen aus den Personalakten einiges über die Kompetenzen ihrer Angestellten. Aber die Betriebsräte sperren sich zumeist dagegen, die Mehrsprachigkeit zu erfassen. Aus Datenschutzgründen.

Deutsch für Flüchtlinge – 5 Tipps von Sprachexperte Hermann FunkVideo abspielen
Deutsch für Flüchtlinge – 5 Tipps von Sprachexperte Hermann Funk

Wie könnten Flüchtlinge, etwa aus Syrien, deutschen Unternehmen helfen?
Viele von ihnen sind zwischen 25 und 40 Jahren alt und sprechen neben ihrer Heimatsprache gutes Englisch – das sind schon mal zwei Sprachen. Wenn dann noch Deutsch dazu kommt, haben Firmen einen sprachlich hochqualifizierten Mitarbeiter, der bei global tätigen Unternehmen Karriere machen kann.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%