Staatsdiener: Beamtenbund warnt Länder vor Blockade in Tarifrunde

Staatsdiener: Beamtenbund warnt Länder vor Blockade in Tarifrunde

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Peter Heesen

von Bert Losse

Der Chef des Beamtenbundes, Peter Heesen, über die Tarifrunde bei den Ländern - und die Personalsorgen der Staatsdiener.

WirtschaftsWoche: Herr Heesen, wer bei Google das Suchwort „Beamtenwitze“ eingibt, erhält in 0,3 Sekunden 56.700 Einträge. Ihre Klientel hat offenbar immer noch ein Imageproblem.

Heesen: Ja, das Vorurteil des faulen Sesselfurzers, der mit Ärmelschonern hinter irgendwelchen Schaltern hockt, lässt sich nicht ausrotten. Mit der Realität hat das aber nichts mehr zu tun. Und wenn es um konkrete Berufsgruppen geht, ist das Ansehen der Beamten ausgezeichnet. Wir haben bei Forsa eine Umfrage in Auftrag gegeben, die zeigt, dass etwa Feuerwehrleute, Polizisten und Lehrer in der Beliebtheitsskala weit oben stehen. Was nicht heißt, dass ich über gute Beamtenwitze nicht lachen könnte. Der kürzeste geht so: „Geht ein Beamter zur Arbeit...“

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In der Krise galt der öffentliche Dienst vielen Berufsanfängern als sicherer Hafen. Erschwert der Aufschwung nun die Personalrekrutierung, weil alle wieder in die Privatwirtschaft wollen?

Ja. Noch nachhaltiger aber wirkt sich der demografische Wandel aus, da der öffentliche Dienst im Vergleich zur Privatwirtschaft völlig überaltert ist. In den kommenden zehn Jahren werden wir fast 20 Prozent der Beschäftigten verlieren. Das sind rund 700.000 Menschen, die ersetzt werden müssen. Wir konkurrieren künftig noch stärker als bisher mit der Wirtschaft um die guten Leute.

Man könnte ja ein paar Stellen einsparen.

Wo denn? Da gibt es nicht mehr viel Spielraum. 1993 arbeiteten im öffentlichen Dienst 5,3 Millionen Menschen – heute sind es nur noch 3,6 Millionen.

In welchen Bereichen fehlen Fachkräfte?

Prekär ist die Personalsituation vor allem im IT-Bereich und bei Ingenieuren und Technikern. Allein im Bundesverteidigungsministerium gibt es derzeit 750 unbesetzte Technikerstellen. Auch im Umweltschutz und bei den Berufsschulen fehlt es dramatisch an Nachwuchs. Wir haben da ein echtes Problem...

...das die Gewerkschaften am liebsten über deutlich höhere Löhne lösen möchten. Ist das angesichts der angespannten Haushaltslage nicht illusorisch?

Nein. In der im Februar startenden Tarifrunde für die Länder wollen wir drei Prozent mehr Lohn und einen Sockelbetrag von 50 Euro, was insgesamt rund fünf Prozent ausmacht. Das ist nun wirklich keine ökonomische Horrorzahl – vor allem nicht im Vergleich zu den deutlich höheren Forderungen mancher Industriegewerkschaften. Wie man hört, hat der Verhandlungsführer der Länder, der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring, in seinem Landeshaushalt bereits eine Lohnerhöhung von zwei Prozent eingeplant. Wir werden uns irgendwo dazwischen treffen.

Auf Länderebene ist die Durchschlagskraft der Gewerkschaften begrenzt. Müssen Sie nicht fürchten: Die Gewerkschaften rufen zum Streik – und keiner merkt’s?

Nein. Denken Sie an die Universitätskliniken oder den Winterdienst. Auch in den Rechenzentren der Finanzämter arbeiten Tarifangestellte. Es dürfte keinen Finanzminister freuen, wenn plötzlich keine Einnahmen mehr reinkommen, weil Steuerbescheide liegen bleiben. Das soll jetzt aber keine Drohung sein. Streiks machen keinen Spaß und kosten uns Geld. Ich würde mich freuen, wenn wir schon in der ersten Verhandlungsrunde am 4. Februar in medias res gehen.

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