Bild: APPlatz 10: Saudi Arabien
Saudi-Arabien ist die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2010 622 Milliarden US-Dollar. 2010 bezifferte sich das BIP pro Kopf auf 24.200 US-Dollar.
Das Land ist als weltgrößter Erdölproduzent einerseits von der Entwicklung auf dem Erdölmarkt stark abhängig, kann aber durch seine riesigen Reserven äußere Abflüsse abmildern. So ist es Saudi-Arabien möglich, Ausschläge des Ölpreises durch Erhöhung oder Verminderung seiner aktuellen Fördermenge zu dämpfen oder – wie im Falle Iraks oder Libyens – Produktionsausfälle anderer Lieferanten aufzufangen.
Saudi-Arabien erwirtschaftete in den letzten Jahren regelmäßig Überschüsse. 2010 konnte das Land den Rekordbetrag von über 300 Milliarden Euro verbuchen. Saudi-Arabien finanziert damit einen aufgeblähten öffentlichen Sektor, der die hohe Arbeitslosigkeit (derzeit rund 15 Prozent) bekämpfen soll.
Das reale Wirtschaftswachstum dürfte laut dem Auswärtigen Amt im Jahr 2011 bei 6,8 Prozent gelegen haben. Die Privatwirtschaft spielt im Verhältnis zum staatlichen Öl- und Petrochemiesektor eine kleine Rolle, wuchs vergangenes Jahr aber immerhin um 8,3 Prozent.
Die britische Bank HSBC hat in einer Zukunftsprognose berechnet, wie die Welt im Jahr 2050 aussehen könnte. Demnach wird Saudi-Arabien in den kommenden vierzig Jahren im Durchschnitt um 3,775 Prozent wachsen. Das ist der zehnbeste Wert in dem Ranking. 2050 wäre Saudi-Arabien die 21. größte Volkswirtschaft der Welt (derzeit Rang 23).
Bild: dpa-tmnPlatz 9: Russland und der Iran
Dank erneut hoher Ölpreise und einer stark steigenden Konsumnachfrage ist das russische BIP im Jahr 2011 laut amtlicher Statistik um 4,3 Prozent gewachsen. Für die kommenden drei Jahre sagen die HSBC-Experten Wachstumsraten in ähnlicher Größenordnung voraus. Sie gehen davon aus, dass Russland bis 2050 durchschnittlich um 3,875 Prozent wächst. Damit würde das Riesenreich in der Liste der größten Volkswirtschaften der Welt von Rang 17 (2010) auf Rang 15 steigen.
Ebenfalls eine durchschnittliche Wachstumsrate von 3,875 Prozent bis 2050 prophezeit die britische Großbank dem Iran. Im Jahr 2011/2012 betrug das Bruttoinlandsprodukt Schätzungen zufolge circa 480 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und Kfz-Industrie. Die Inflationsrate wird von offizieller Seite mit 22,5 Prozent angegeben, tatsächlich liegt sie bei über 30 Prozent. Die Arbeitslosenrate beträgt offiziellen Angaben zufolge 11,8 Prozent.
Bild: dpaPlatz 8: Thailand
Die Aufgaben der Regierung unter Premierministerin Yingluck Shinawatra waren enorm: Die Investoren sollten nach den katastrophalen Überschwemmungen Ende 2011 wieder Fuß im Land fassen. Dabei steht die Wirtschaftspolitik mit dem Ziel eines "Wachstums für alle" im Vordergrund. 2010 hatte die thailändische Wirtschaft – unbeeindruckt von innenpolitischen Konflikten – mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 7,8 Prozent einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Hauptgrund dafür war die stark anziehende Exportnachfrage aus den Hauptabnehmerländern (die ASEAN-Staaten, Japan, China, EU, USA).
Die Wachstumsbilanz für 2011 wurde dagegen bedingt durch die Flutkatastrophe mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von über zehn Prozent im letzten Quartal erheblich beeinträchtigt. Über 830 Fabriken mit über 440.000 Beschäftigten in export- und wertschöpfungsintensiven Branchen (v.a. Automobilsektor, Elektrotechnik und Elektronik) waren durch die Flut direkt betroffen. Auch die Landwirtschaft gehörte zu Hauptleidtragenden.
Die Chancen für einen Wiederaufschwung im Jahr 2012 stehen indes gut. Wachstumsprognosen internationaler und nationaler Einrichtungen gehen übereinstimmend davon aus, dass 2012 mindestens ein Wachstum von 5,5 bis über 6 Prozent erreichbar ist.
Die HSBC prognostiziert, dass Thailand bis 2050 im Durschnitt um 3,9 Prozent pro Jahr wächst. Das Land wäre dann 2050 auf Rang 22 der größten Volkswirtschaften der Welt (2010: Rang 29).
Bild: APPlatz 7: Kolumbien
Kolumbiens Wirtschaft wuchs zwischen 2004 und 2007 durchschnittlich um 6,2 Prozent. Im Zuge der internationalen Wirtschaftskrise sank das Wachstum 2008 auf 2,5, im Jahre 2009 auf 0,4 Prozent. 2010 konnte sich die kolumbianische Wirtschaft wieder erholen und ein kräftiges Wachstum von 4,4 Prozent erreichen; auch 2011 wuchs die Wirtschaft mit 4,9 Prozent kräftig. Insgesamt ist Kolumbien auch im regionalen Vergleich gut durch die Krise gekommen.
Motoren der Wirtschaft waren die Inlandsnachfrage und die hohen ausländischen Direktinvestitionen. Über mehrere Jahre hinweg belebten überdies steigende Rohstoffpreise das Wachstum. Starke Zuwächse verzeichneten die Industrieproduktion, der Bausektor, Transport und Telekommunikation, Handel und Tourismus.
Das rasante Wachstum wird laut HSBC weitergehen. Bis 2050 wird Kolumbien jährlich im Durchschnitt um 4,2 Prozent wachsen. Das Land kann bis 2050 Platz 25 der größten Volkswirtschaften der Welt erklimmen.
Bild: dpaPlatz 6: Indonesien
Indonesien weist seit mehreren Jahren hervorragende makroökonomische Daten auf – 6,5 Prozent Wirtschaftswachstum 2011; Prognose 2012: 6,3 Prozent – und stellt einen der größten attraktiven Binnenmärkte Südostasiens dar. In Kernbereichen der Wirtschaft hält der Staat noch Monopole oder der Privatsektor konkurriert mit Staatsunternehmen. Es gibt allerdings Bestrebungen, diese Monopolstrukturen aufzubrechen. So wurden Ende 2010 bzw. Anfang 2011 die ersten Staatsunternehmen – der Stahlproduzent Krakatau Steel und die indonesische Fluggesellschaft GARUDA – an die Börse gebracht.
Indonesien ist reich an mineralischen Rohstoffen wie Erdgas, Kohle, Öl, Zinn, Nickel, Kupfer, Bauxit oder Gold. Seit Ende 2004 ist Indonesien aufgrund fallender Ölförderung Nettoölimporteur; im Bereich Erdgas und Kohle dagegen ist Indonesien Nettoexporteur.
Indonesien besitzt große Holzvorkommen und exportiert Agrarprodukte wie Kautschuk, Palmöl (weltgrößter Exporteur), Kakao (drittgrößter Exporteur), Tee, Kaffee und Tabak. Wichtig sind zudem die personalintensive Textil-, Bekleidungs- und Schuhindustrie sowie die Möbelherstellung.
Zwei Drittel der Wirtschaftsleistung werden im informellen Sektor erbracht und die Landwirtschaft stellt nach wie vor einen dominierenden Faktor in der indonesischen Wirtschaft dar.
Bis 2050 kann Indonesien mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 4,35 Prozent rechnen. Indonesien könnte demnach 2050 Rang 16 der größten Volkswirtschaften der Welt einnehmen.
Bild: REUTERSPlatz 5: Türkei
Die türkische Wirtschaft hat sich von den Auswirkungen der globalen Finanzkrise 2009 trotz massiver Konjunktureinbrüche (BIP-Wachstum: -4,7 Prozent) relativ schnell erholt. Im Jahr 2010 legte die Türkei mit 8,9 Prozent das größte Wirtschaftswachstum nach China hin. In den ersten neun Monaten von 2011 erzielte das Land am Bosporus mit 9,6 Prozent sogar das größte Wirtschaftswachstum vor China.
Vor allem in der Westtürkei sind Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen mit rund 25 Prozent zum BIP bei. Größten Anteil am BIP (circa 60 Prozent) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von knapp zehn Prozent zum BIP. Diese wird vor allem im geringer entwickelten Osten und Südosten betrieben, wo die auch Infrastruktur noch ausbaufähig ist.
Bis 2050 wird die Türkei weiter rasant wachsen. Laut HSBC kann die Türkei mit einem jährlichen Anstieg des BIPs um 4,375 Prozent rechnen und zur elftgrößten Volkswirtschaft der Welt mutieren.
Bild: dpaPlatz 4: Ägypten
Der politische Transformationsprozess in Arabien ist noch nicht abgeschlossen. Als Konsequenz hat Ägypten, das Ursprungsland der Jasmin-Revolution, die erforderlichen wirtschaftspolitischen Anpassungsmaßnahmen noch nicht umgesetzt. Die Wirtschaft weist nur sehr geringes Wachstum auf, notwendige Investitionen werden aufgeschoben und die Währungsreserven sind innerhalb eines Jahres um zwei Drittel geschrumpft.
Ägypten ist noch immer das nach Südafrika am stärksten industrialisierte Land Afrikas. Haupteinnahmequellen bleiben weiterhin die Förderung und der Export von fossilen Energieträgern (Erdöl und Erdgas), der Tourismus sowie die Rücküberweisungen der ägyptischen Arbeiter im Ausland. Ferner ist der Sueskanal ein einträglicher Devisenbringer.
Sollte sich die politische Situation beruhigen, stehen die Zeichen für einen Aufschwung gut. Laut HSBC wird Ägypten bis 2050 um durchschnittlich 5,075 Prozent pro Jahr wachsen. Ägypten könnte im Ranking der größten Volkswirtschaften der Welt auf Rang 19 steigen.
Bild: dpaPlatz 3: China
Überraschung: China wird bis 2050 seine Spitzenposition als dynamischste Volkswirtschaft der Welt nicht verteidigen können. Die Experten der HSBC gehen davon aus, dass das Reich der Mitte in den kommenden Jahrzehnten durchschnittlich um 5,15 Prozent wächst.
China hat im Jahr 2010 Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft überholt und wird voraussichtlich im Jahr 2012 zur größten Handelsnation der Welt noch vor den USA aufsteigen. Mittlerweile hat China ein durchschnittliches Pro-Kopf-Inlandsprodukt von 5424 US-Dollar (2011) und bleibt damit das größte Schwellenland allerdings mit großen regionalen und sozialen Entwicklungsunterschieden.
Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Zuwachsraten zwar zurückgegangen, doch meldet die Volksrepublik mit 10,3 Prozent im Jahr 2010 und prognostizierten 9,2 Prozent im Jahr 2011 (IWF) wieder beeindruckende jährliche Wachstumsraten.
Die wichtigsten Exportgüter sind: elektronische Erzeugnisse, Textilien und Bekleidung, Elektrotechnik, Maschinen und chemische Erzeugnisse.
Bild: REUTERSPlatz 2: Malaysia
Malaysia ist ein Schwellenland, das sich erfolgreich vom Rohstofflieferant zum Industriestandort mit im Durchschnitt mittleren Einkommen entwickelt hat. Nachdem die Wirtschaft 2009 um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft war, wurde 2010 mit 7,2 Prozent beachtliches Wachstum verzeichnet. Damit knüpfte Malaysia wieder an den wirtschaftlichen Aufschwung der Jahre vor der Weltwirtschaftskrise an. Das Wachstum kühlte im ersten Halbjahr 2011 wieder etwas ab, so dass nun um die fünf Prozent Wachstum für 2011 erwartet werden. Die Arbeitslosigkeit fiel 2010 von 3,7 Prozent auf 3,2 Prozent.
Malaysia ist nach Indonesien der weltweit zweitgrößte Produzent und Exporteur von Palmöl. Nach Thailand und Indonesien ist Malaysia drittgrößter Produzent und Exporteur von Kautschukprodukten, zusammen liefern die drei Länder 80 Prozent der Weltnachfrage.
Bis 2050 dürfte China nach HSBC-Meinung im Durchschnitt um 5,325 Prozent wachsen und in der Liste der größten Volkswirtschaften der Welt den 20. Platz einnehmen.
Bild: dapdPlatz 1: Indien
Indien gehört mit seinem Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent (2011) zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften der Welt. Bei derzeit 1,2 Milliarden Einwohnern wird es bis zur Mitte des Jahrhundert voraussichtlich nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Erde sein, sondern auch mit seinem Bruttoinlandsprodukt nach China und USA an dritter Stelle liegen.
Trotz hoher Wachstumsraten bleibt Indien mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von nur 1270 US-Dollar und enormen Defiziten in der sozialen Infrastruktur weiterhin ein Entwicklungsland. Rund 30 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Kopf/Tag und etwa 70 von weniger als 2 US-Dollar.
Als wesentlicher Grund für die mittel- bis längerfristig hohen Wachstumsprognosen wird gemeinhin die sogenannte „Demographische Dividende“ angeführt (Geburtenrate sinkt nur langsam). Der Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren wird bis 2026 auf 68,4 Prozent steigen.
Indien wird laut HSBC um durchschnittlich 5,5 Prozent wachsen und zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen (Rang 8 im Jahr 2010). Zum Vergleich: Deutschland wird bis 2050 nur um durchschnittlich 1,475 Prozent im Jahr wachsen und vom vierten auf den sechsten Rang der größten Volkswirtschaften der Welt abrutschen.
Platz 10: Saudi Arabien
Saudi-Arabien ist die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Jahr 2010 622 Milliarden US-Dollar. 2010 bezifferte sich das BIP pro Kopf auf 24.200 US-Dollar.
Das Land ist als weltgrößter Erdölproduzent einerseits von der Entwicklung auf dem Erdölmarkt stark abhängig, kann aber durch seine riesigen Reserven äußere Abflüsse abmildern. So ist es Saudi-Arabien möglich, Ausschläge des Ölpreises durch Erhöhung oder Verminderung seiner aktuellen Fördermenge zu dämpfen oder – wie im Falle Iraks oder Libyens – Produktionsausfälle anderer Lieferanten aufzufangen.
Saudi-Arabien erwirtschaftete in den letzten Jahren regelmäßig Überschüsse. 2010 konnte das Land den Rekordbetrag von über 300 Milliarden Euro verbuchen. Saudi-Arabien finanziert damit einen aufgeblähten öffentlichen Sektor, der die hohe Arbeitslosigkeit (derzeit rund 15 Prozent) bekämpfen soll.
Das reale Wirtschaftswachstum dürfte laut dem Auswärtigen Amt im Jahr 2011 bei 6,8 Prozent gelegen haben. Die Privatwirtschaft spielt im Verhältnis zum staatlichen Öl- und Petrochemiesektor eine kleine Rolle, wuchs vergangenes Jahr aber immerhin um 8,3 Prozent.
Die britische Bank HSBC hat in einer Zukunftsprognose berechnet, wie die Welt im Jahr 2050 aussehen könnte. Demnach wird Saudi-Arabien in den kommenden vierzig Jahren im Durchschnitt um 3,775 Prozent wachsen. Das ist der zehnbeste Wert in dem Ranking. 2050 wäre Saudi-Arabien die 21. größte Volkswirtschaft der Welt (derzeit Rang 23).
Ein Hoch auf die deutschen Steuerzahler und Beschäftigten! Sie haben dem chronisch klammen Staat in den ersten sechs Monaten von 2012 ein seltenes Erlebnis beschert, nämlich schwarze Zahlen. Der Finanzierungssaldo des Staates betrug im ersten Halbjahr 2012 nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes plus 8,3 Milliarden Euro. Das ist das erste Mal seit 2007 – dem Jahr, als es in Deutschland, Europa und der Welt konjunkturell richtig brummte (und sich die Finanzkrise mit dem Fall der IKB-Mittelstandsbank abzeichnete).
Zustande gekommen ist der Überschuss des Staates dank praller Kassen der Sozialversicherungen, die ein Plus von 11,6 Milliarden Euro erzielten. Die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden standen dagegen noch mit 3,3 Milliarden Euro in den Miesen. Dabei hat der Staat keineswegs gespart: Die Ausgaben stiegen im ersten Halbjahr vielmehr noch um 0,8 Prozent. Nein, den Überschuss verdanken wir allein höheren Steuereinnahmen (plus 3,8 Prozent) und höheren Sozialversicherungsbeiträgen (plus 2,8 Prozent).
Bild: dpaBunte Möhren für 230.000 Euro
Der Bund der Steuerzahler kritisierte jetzt die Zucht von bunten Bio-Möhren auf Kosten des Staates. „Das ist eine Liebhaberei, die nicht zu rechtfertigen ist“, sagte der Leiter der Abteilung für Haushalts- und Finanzpolitik, Matthias Warneke bei einem Besuch des Versuchsfelds in Bernburg bei Magdeburg. Der Bund - und damit der Steuerzahler - fördert die Zucht neuer farbiger Sorten mit einer Summe von 230.000 Euro.
Derzeit würden 50 Prozent aller Möhren in Deutschland importiert, verteidigte Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens das Projekt. Mit der Förderung solle der Selbstversorgungsgrad erhöht werden.
Bild: dpaComputer-Monitore für 150.000 Euro
Das Bundesinnenministerium hat unter dem Projekttitel „Green IT“ für 150.000 Euro 606 stromsparende Computermonitore beschafft. Die verbrauchen jetzt pro Jahr 13.400 KWh weniger Energie als die ausgesonderten Monitore. Macht eine jährliche Stromersparnis von rund 2.500 Euro.
Nach schlappen 60 Jahren haben sich also die neuen Monitore amortisiert. Nun, nicht ganz. Denn weil die 150.000 Euro aus dem kreditfinanzierten Konjunkturpaket II stammen, verursachen die neuen Monitore jährliche Zinskosten in der Größenordnung von 5.000 Euro, also doppelt so viel, wie die Stromersparnis einbringt.
Bild: dpaParkplätze für 20 Millionen Euro
Wie teuer Parkplätze im Extrem doch sein können, zeigt die Hansestadt Bremen. Im Jahr 2005 wurde im Zuge der Neubauplanung einer Straßenbahnlinie der vierspurige Ausbau der Schwachhauser Heerstraße – zwei je Fahrtrichtung – beschlossen, um den dortigen Verkehrsfluss zu verbessern.
Damit verbunden war auch die Verbreiterung des sog. „Concordia-Tunnels“, die Ende 2010 nach vier Jahren Bauzeit abgeschlossenen wurde. Die Gesamtkosten lagen bei rund 20 Millionen Euro, die zu je einem Drittel vom Bund, der Deutschen Bahn und der Stadt Bremen getragen wurden. Allerdings wird einer der durch die Tunnelerweiterung gewonnenen Fahrstreifen als Parkplatz und nicht für den fließenden Autoverkehr genutzt.
Bild: AP2,5 Millionen Euro für eine viel zu frühe Sanierung
In Berlin könnte man sich über unnötige Sanierungskosten ärgern: Für 2,5 Millionen Euro muss die Fassade der Landesvertretung Brandenburg und Mecklenburg–Vorpommern (hier ein Modell) erneuert werden – zehn Jahre nach Fertigstellung.
Gründe sind das Material, die konstruktive Befestigung und die nicht dauerhafte Abdichtung der Fugen zwischen den Fassadenplatten. Die international renommierten Planer hatten eine vorgehängte Fassade mit großen, fast schwarzen, Schieferplatten entworfen.
Bild: ZBFehleinschätzung kostet mehrere Millionen
Die Landeshauptstadt Schwerin ließ sich von einem Planungsbüro für den Ersatzneubau der Aubachbrücke Kosten in Höhe von 961.000 Euro ermitteln. Aufgrund dieser Entwurfsplanung schrieb sie im Jahr 2004 den Brückenbau aus. Den Zuschlag erhielt einer der größten Baukonzerne Deutschlands. Doch einige Monate nach Zuschlagserteilung präsentierte der Konzern eine Ausführungsplanung, die so gar nicht mit den Plankosten zusammen passte.
Bald darauf kam das eingeschaltete Rechnungsprüfungsamt der Stadt kam dann auch zu dem Ergebnis, dass die ausgeschriebene Entwurfsplanung unzureichend war. Mehr als 40 Nachträge mussten durch die Verwaltung. Nach Fertigstellung der Brücke trudelte im Jahr 2008 die Schlussrechnung ein: Gesamtbaukosten von über 3,2 Millionen.
Bild: dapdDas Doppelte für eine Schulmensa
In Berchtesgarden musste eine neue Mensa für das erst vor sieben Jahren errichtete Schulgebäude war infolge der Einführung des achtjährigen Gymnasiums erforderlich geworden. Zu Beginn der Planung schätzte man die Kosten des Mensa-Neubaus auf 650.000 Euro. Doch wurde man schnell eines Besseren belehrt und musste etwa durch Berechnungsfehler deutliche Kostensteigerungen hinnehmen.
Allein der Einbau einer teureren Vollküche anstatt einer sogenannten Austeilküche verursachte Mehrkosten in Höhe von rund 70.000 Euro. Nach Fertigstellung der Mensa betrugen die Gesamtbaukosten 1,367 Millionen Euro. Der Steuerzahler wurde also mit mehr als dem Doppelten der geschätzten Kosten zur Kasse gebeten.
Bild: dpaEine Millionen Euro für leerstehende Wohnungen
Im Zuge der Erweiterung des Airbus-Geländes in Hamburg wurden insgesamt 48 Grundstücke zwischen den Jahren 2000 und 2006 im benachbarten Dorf Neuenfelde aufgekauft und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA zur Verwaltung übertragen. Von den insgesamt 86 Wohnungseinheiten stehen aber seit 2004 rund zwei Drittel leer, weil der Hamburger Senat auf eine Vermietung verzichtete. Der Grund: Man befürchtete, dass neue Mieter gegen die Lärmbelastung vor der Haustür klagen könnten.
Ein für 8.600 Euro in Auftrag gegebenes Lärmgutachten kam dann aber zum Ergebnis, dass die Belastung durch Starts und Landungen der Flugzeuge die zulässigen Grenzwerte nicht überschreite. Klagen wären also als unbegründet abgewiesen worden. Nun will der neue Senat rund 6,8 Millionen Euro in die Sanierung der leer stehenden Häuser stecken, um sie wieder vermieten zu können. Der Leerstand hat durch entgangene Mieteinnahmen und den zeitweise engagierten Objektschutz rund eine Millionen Euro gekostet.
Bild: dpa/dpaweb1,8 Millionen für den Abriss eines Neubaus – und einen Neubau
Um einen möglicherweise drohenden Lizenzverlust für das Eishockeyteam der „Augsburger-Panther“ in der Profiliga DEL zu verhindern, sollte das 1963 erbaute Curt- Frenzel-Eisstadion für rund 16 Millionen Euro grundlegend saniert werden. Der Umbau ging aber gehörig schief: Man hatte schlechthin die Stufen der Tribünen zu flach angelegt. Es kam, wie es kommen musste: Die Sicht auf das Spielgeschehen auf dem Eis war teils katastrophal und schlichtweg inakzeptabel. Die Fans schauten in erster Linie auf den Kopf ihres Vordermanns.
Die einzige Möglichkeit das zu beheben: Abriss der verpfuschten Tribünen und Neubau. Rund 1,8 Millionen Euro zusätzlich kostet die Nachbesserung des misslungenen Tribünenumbaus. Weitere 190.000 Euro kommen gleichsam als Beschleunigungszuschlag hinzu, um den Saisonstart der „Augsburger-Panther“ im Stadion nicht zu gefährden.
Bild: dpa/dpawebEin Schulklavier für 70.000 Euro
Die Firma Steinway & Sons, „Maßstab für höchste Qualität seit 155 Jahren“, so die Eigenwerbung, dürfte mit ihren Flügeln und Klavieren vielen Musikliebhabern ein Begriff sein. Und zugleich ein finanziell unerschwinglicher Traum. Es sei denn, man hat das Glück, Schüler oder Lehrer der Wentziger-Schulen mit Musikprofil in Freiburg zu sein. Dort entstand eine neue Mensa/Aula als multifunktionaler Veranstaltungsraum, der von drei Schulen genutzt wird. Für diesen kalkulierte man dann einen Etat für die Erstausstattung.
Da die Schulen aber bereits seit vielen Jahren ein Musikprofil haben, verfügen sie auch über eine entsprechend gute Ausstattung im Fachbereich Musik, so die Auskunft der Schulen. Weitere Einrichtungsgegenstände und Materialien wurden beschafft, und es blieb anscheinend noch Geld übrig. Für den „Restbetrag“ entschied man sich für eine besondere Verwendung: den Kauf eines gebrauchten Steinway & Sons-Flügels der Baureihe D. Kostenpunkt: 71.250 Euro. Für das Amt für Schule und Bildung ein durchaus nachvollziehbarer Kauf, denn „gute Ausbildung benötigt eine gute Ausstattung“, so das Amt. Auch die Schule selbst hält den Kauf auch unter wirtschaftlichen Aspekten für sinnvoll.
Bild: photothek.netStatt Ersparnis wurde es teuer
Wenige Tage nach Schlüsselübergabe für den Neubau des Bundesumweltministeriums in Berlin rückten die Bauarbeiter wieder an. Um den geplanten Einzugstermin halten zu können, der sich durch Probleme im Bauablauf verzögerte, hatte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in der Schlussphase des Baus entschieden, den Sockel des Erdgeschosses sowie das Vestibül mit einem einfachen, aber auch schnell aufzubringendem Kalkzementputz zu versehen.
Was Kosten spart, kann den Steuerzahler eigentlich nur freuen – sollte man denken. Dumm nur, dass es das BBR nicht für nötig hielt, sich vorab mit dem Architekten über die Planänderung zu verständigen. Der Architekt zog vor Gericht, um der Eigenmächtigkeit des Bundesamts Einhalt zu gebieten. Und er hatte Erfolg. Das Gericht erließ eine einstweilige Verfügung. Bis dahin waren bereits 65.000 Euro verbaut. Alles musste rückgängig gemacht werden. Am Ende kostet die Eigenmächtigkeit des BBR 110.500 Euro.
Bunte Möhren für 230.000 Euro
Der Bund der Steuerzahler kritisierte jetzt die Zucht von bunten Bio-Möhren auf Kosten des Staates. „Das ist eine Liebhaberei, die nicht zu rechtfertigen ist“, sagte der Leiter der Abteilung für Haushalts- und Finanzpolitik, Matthias Warneke bei einem Besuch des Versuchsfelds in Bernburg bei Magdeburg. Der Bund - und damit der Steuerzahler - fördert die Zucht neuer farbiger Sorten mit einer Summe von 230.000 Euro.
Derzeit würden 50 Prozent aller Möhren in Deutschland importiert, verteidigte Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens das Projekt. Mit der Förderung solle der Selbstversorgungsgrad erhöht werden.
Das heißt, die gute Konjunktur hat Deutschland das – leider viel zu seltene – Glück eines etwas mehr als ausgeglichenen Staatshaushalts beschert. Genauer gesagt ist es die gute Konjunktur des vergangenen Jahres, die sich nun in höheren Lohn-, Körperschaft- und Gewerbesteuern sowie höheren Renten- und Krankenkassenbeiträgen niederschlägt. Derzeit aber krebst Deutschland konjunkturell wieder nur knapp über den Nulllinie, stemmt sich die Wirtschaft gegen den Abwärtstrend in den kriselnden Euro-Ländern. das Glück in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung könnte also nur von kurzer Dauer sein – so wie im Jahr 2007, als die globale Finanzkrise über uns hereinbrach.
Dann könnte sich rächen, dass der Staat wirklich nicht gespart und damit keinen eigenen, aktiven Beitrag zur Gesundung der Staatsfinanzen geleistet hat. Dabei hätte gerade der Bund nach den gewaltigen Konjunkturpaketen von 2008/2009, als die deutsche Staatsverschuldung um rund zehn Prozentpunkte auf über 80 Prozent des BIP kletterte, eigentlich in folgenden Superaufschwung kräftig sparen müssen, um die Verschuldung wieder nach unten zu drücken. Doch dafür fehlten offenbar die Kraft und der Mut.
So können wir uns heute vielleicht nur kurz über den gesamtstaatlichen Überschuss freuen und müssen gleichzeitig bangen, dass uns die Euro-Krise (vielleicht ein Zusammenbruch Griechenlands) nicht wieder heftig zurückwirft und zu einem neuen Schuldenschub führt. Das aber wäre dramatisch. Eine Staatsverschuldung von noch einmal zehn Prozentpunkten mehr, also dann 90 Prozent, würde unweigerlich dazu führen, dass auch Deutschland seine bisher erstklassige Bonität verlöre und in einen ähnlichen Abwärtsstrudel aus hohen Zinslasten und schwächelnder Konjunktur geraten wie die jetzigen Krisenländer.
Das Schlimmste an der guten Nachricht heute wäre, wenn sich die Ausgabenpolitiker durch den kleinen Überschuss nun angespornt fühlten, einmal mehr zusätzliche Leistungen der öffentlichen Hand gewähren zu wollen. Ideen dafür schwirren schon reichlich durch den politischen Raum, von höheren Zuschüssen für Offshore-Windparks bis zu einer Zusatzrentenleistung.















