Staatsschulden: Wachsen und inflationieren oder Bankrott gehen

Staatsschulden: Wachsen und inflationieren oder Bankrott gehen

Bild vergrößern

Eine irische Ein-Euro-Münze. Irland hat es geschafft sich in der Hoffnung auf Besserung kaputt zu sparen

Die Welt ist ein Kartenhaus voller Schulden. Eine Rückzahlung dieser Schulden auf normalem Wege ist eine Illusion. Viele Ökonomen glauben, dass es ohne Schuldenabbau keine Stabilisierung der Staatsfinanzen gibt. Dies ist ein schlimmer Irrtum, der zu einer noch größeren Schuldenkrise führt. Ein Gastbeitrag von Vermögensverwalter Eckart Langen v.d. Goltz.

Der Zustand der Weltwirtschaft heute ist vergleichbar mit dem eines Unternehmens, das eine Milliarde Euro Umsatz macht und vier Milliarden Euro Schulden hat. Zum Schuldenabbau braucht diese Firma dringend höhere Einnahmen. Dies kann entweder durch eine Steigerung des Umsatzes oder durch eine Erhöhung der Preise erreicht werden. Gelingt das nicht, geht dieses Unternehmen im normalen Wirtschaftsleben Bankrott.

Ein ähnliches Schicksal droht einem überschuldeten Staat. Zum Schuldenabbau bleibt ihm im Regelfall nichts anderes übrig, als die Steuern zu erhöhen und die Ausgaben zu senken. Diese Maßnahmen schwächen letztlich die Konjunktur, was zu geringeren Steuereinnahmen und damit zu noch größeren Staatsdefiziten führt.

Anzeige

Irland ist ein Musterbeispiel des Kaputtsparens. 2009 galt Irland bei einer Staatsverschuldung von rund 60 Prozent zum BIP als Musterland. Die Sparanstrengungen führten dazu, dass Irland heute mit etwa 100 Prozent zum BIP verschuldet ist. Die dortige Bankenkrise wird jetzt die Staatsverschuldung noch stärker ansteigen lassen. Griechenland, Spanien und Portugal teilen ein ähnliches Schicksal.

Kein Schuldenabbau durch Sparen

Die EU-Kommission fordert eine Verdoppelung der Sparanstrengungen. Doch durch rigoroses Sparen wird es zu keinem Schuldenabbau kommen. Die 30er Jahre sind ein Paradebeispiel dafür. Kurz vor der Depression haben die Wirtschaftsexperten wie heute einen Abbau der Staatsdefizite sowie höhere Zinsen zur Bekämpfung der Inflation gefordert. Die Folgen: 30 Prozent Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen, Bankpleiten, Börsencrashs und eine Verdoppelung des Schuldenberges.

Erst der Zweite Weltkrieg, so sinnlos und menschenverachtend er auch war, führte ungewollt aus der Großen Depression heraus. Die Regierung der USA war durch den Krieg gezwungen, ihre Staatsdefizite innerhalb von nur vier Jahren um heute nahezu unvorstellbare 300 Prozent vom BIP auszuweiten. Selbst diese riesigen Staatsdefizite verursachten in den Kriegsjahren und danach weder einen Staatsbankrott noch eine Währungsreform. Die Experten, die das damals behaupteten, haben sich vollkommen geirrt. Genauso werden sich die Ökonomen heute irren, wenn sie Staatsdefizite und größere Aufkäufe von Staatsanleihen ablehnen.

In den USA sank die Staatsverschuldung von 1945 bis 2003 von 120 Prozent auf weniger als 40 Prozent des BIP. Inflation und Wachstum haben die USA in simpler Weise vor der Überschuldung gerettet. Der Grund ist einfach. Das gesamtwirtschaftliche Volkseinkommen ist im Verhältnis zu den Staatsschulden wesentlich stärker gestiegen. Die meisten Experten vergessen das, wenn sie heute vom Sparen reden und das Schuldenmachen verteufeln.

Die internationalen Verschuldungsprobleme lassen sich nicht mit den klassischen Sparmethoden lösen. Etwas Inflation verkraften wir leichter als eine neue Weltwirtschaftskrise. In der nächsten stärkeren Rezession würde die Schere zwischen dem volkswirtschaftlichen Gesamteinkommen und den Schulden noch weiter auseinandergehen. Der Preis für die Rettung der Weltwirtschaft wäre dann irgendwann kaum mehr zu bezahlen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%