Stadtwerke: Schwer verkalkuliert

ThemaEnergiewende

Stadtwerke: Schwer verkalkuliert

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Gasturbine ohne Leistung: Die konventionellen Kraftwerke hinterlassen tiefe Spuren in den Bilanzen der Stadtwerke, die eigentlich von der Energiewende profitieren wollten.

von Andreas Wildhagen

Nun werden auch die einstigen Fans der Energiewende zur Verlierern und bringen eine Verlängerung der Laufzeit für Atommeiler ins Spiel.

Er nahm sich genau 90 Minuten Zeit, um das ganze Elend der Energiewende in blühenden Farben präsentiert zu bekommen. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) versammelte die Regional-Versorger-Elite vor zwei Wochen in seinem Düsseldorfer Büro, um sich im Detail über die Verluste einst stolzer Kraftwerksbesitzer zu informieren. Dabei legte er den verdutzten Energiemanagern nahe, sich vor allem den erneuerbaren Energien zuzuwenden und dabei die konventionellen Kraftwerke nicht außer Acht zu lassen.

Geht beides? Offenbar hängt der Minister einem frommen Wunsch nach und weiß selbst nicht mehr weiter. Ziemlich frustriert verließ hernach Sven Becker, Chef des Stadtwerkeverbunds Trianel aus Aachen, zu dem 54 Stadtwerke in Deutschland gehören, die Runde. Das vorherrschende "Strommarktdesign", ließ er im besten Kaderwelsch verlauten, entziehe den Gas- und Kohlekraftwerken die wirtschaftliche Basis.

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Gleich nach dem Beschluss der Bundesregierung zum Ausstieg aus der Atomkraft vor gut zwei Jahren sahen sich die Stadtwerke als die Gewinner gegenüber den großen Versorgern E.On, RWE und EnBW mit ihren Atommeilern. Doch diese Einschätzung hat sich gewandelt. Mehr als 50 deutsche Stadtwerke sowie Stadtwerksverbünde schreiben zurzeit mit ihren herkömmlichen fossilen Kraftwerken rote Zahlen, die langfristig tiefe Spuren in den kommunalen Haushalten zu hinterlassen drohen.

Der Grund: Der Solar- und Windstrom überflutet dank seiner Vorfahrtsrechte vor herkömmlichem Strom die Netze. Das zwingt nicht nur Gas-, sondern auch Kohlekraftwerke, von den möglichen rund 8500 Stunden im Jahr nur etwa 300 bis 500 Stunden zu laufen.

Damit machen nicht nur E.On und Co., sondern auch die Stadtwerke Verluste. Auch für sie gilt, dass ein Kohlekraftwerk für einen wirtschaftlichen Betrieb rund 1500 Stunden im Jahr Strom produzieren muss, mindest dreimal so lang wie viele zurzeit. Zudem müsste ein Steinkohlekraftwerk, wäre es denn ausgelastet, mindestens 40 Euro pro Megawattstunde Strom erlösen. Der viele Ökostrom hat den Preis für kurzfristig absetzbaren Strom an der Leipziger Strombörse in den vergangenen zwölf Monaten aber von 60 Euro auf 35 Euro für Lieferung 2014 gedrückt. "Der Branche wird regelrecht der Boden unter den Füßen weggezogen", sagt Trianel-Chef Becker.

Das ganze Drama, das die Energiewende nun auch bei den Stadtwerkern auslöst, lässt sich exemplarisch im westfälischen Lünen beobachten. Trianel hat dort für 1,4 Milliarden Euro ein Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von 750 Megawatt gebaut. Die Anlage läuft gerade im Probebetrieb und soll im September oder Oktober ans Netz gehen. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass Lünen ein Zuschussgeschäft wird. Für das Geschäftsjahr 2014 erwartet Trianel-Chef Becker einen Verlust in Höhe von 100 Millionen Euro. Die Anlage werde nicht die Kapitalkosten verdienen können.

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