Stanislaw Tillich: Islam gehört nicht zu Sachsen

Stanislaw Tillich: Islam gehört nicht zu Sachsen

, aktualisiert 25. Januar 2015, 12:20 Uhr

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat der Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel widersprochen, der Islam gehöre auch zu Deutschland. Er teile diese Auffassung nicht.

Muslime seien in Deutschland willkommen und könnten ihre Religion ausüben. „Das bedeutet aber nicht, dass der Islam zu Sachsen gehört", sagte Tillich. Von den muslimischen Verbänden forderte er, sich klarer vom islamistischen Terror zu distanzieren. Die Menschen hätten Angst vor dem Islam, weil Terrorakte im Namen des Islam verübt würden. Die muslimischen Verbände könnten den Menschen diese Ängste nehmen, wenn sie klar formulierten, dass es sich um einen Missbrauch ihrer Religion handele. „Das wäre ein überzeugender Beitrag, die Ängste in diesem Land zu reduzieren“, betonte Tillich.

Die islamkritische Pegida-Bewegung in Dresden geht in dieser Woche nicht montags, sondern bereits am heutigen Sonntag auf die Straße. Die selbsternannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) versammeln sich auf dem Theaterplatz vor der Semperoper zu ihrer inzwischen 13. Kundgebung. Auf dem benachbarten Schloßplatz treffen sich Gegendemonstranten. Am Montag vor zwei Wochen hatte Pegida nach Polizeiangaben etwa 25.000 Menschen auf die Straße gebracht, so viele wie noch nie. In der vergangenen Woche waren wegen einer islamistischen Terrordrohung gegen den inzwischen zurückgetretenen Pegida-Chef Lutz Bachmann alle Veranstaltungen in Dresden abgesagt worden.

Nun zog Pegida die ursprünglich für Montag angekündigte Kundgebung vor, um Zusammenstöße mit Gegendemonstranten zu vermeiden, wie es hieß. Vor allem aber ist für diesen Montag unter dem Motto „Offen und bunt - Dresden für alle“ ein Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit mit Künstlern wie Herbert Grönemeyer angekündigt. Pegida-Anhänger sollten sich „dieses kostenlose kulturelle Großerlebnis nicht entgehen lassen müssen“, erklärten die Pegida-Organisatoren.

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Demo Pegida - das Aufbegehren der Mitte

In Dresden begehren Montag für Montag Menschen auf, die sich mehrheitlich zur Mitte der Gesellschaft zählen. Die Politik hat sie in den vergangenen Jahren vergessen – mit schwerwiegenden Folgen.

Teilnehmer einer Demonstration des Bündnisses Pegida in Dresden Quelle: imago

SPD-Chef Sigmar Gabriel nahm am Freitagabend überraschend an einer Diskussionsveranstaltung mit Pegida-Anhängern im Stadtmuseum Dresden teil. „Ich finde, mit den Menschen müssen wir besser in Kontakt kommen“, sagte der Vizekanzler, der seine Teilnahme als rein privat deklarierte. „Reden ist das Einzige, was man in der Demokratie machen kann.“ Kein Interesse habe er aber an einem Dialog mit den Organisatoren von Pegida, betonte Gabriel.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lehnte einen Dialog mit den Pegida-Verantwortlichen ab. „Ich rede mit Menschen, die enttäuscht sind, Sorgen haben und sich benachteiligt fühlen, so wie das viele andere Politiker auch tun. Aber ich habe keine Lust, mit den selbst ernannten Funktionären zu sprechen“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Pegida schade dem Bild Deutschlands in der Welt. Der Historiker Heinrich August Winkler forderte „eine offensive und keine schönrednerische Auseinandersetzung“ mit Pegida. „Wir haben es mit einer Bewegung zu tun, die altdeutsche Vorbehalte gegen die westliche Demokratie in einer Weise konserviert, wie wir es bis zum Herbst 2014 nicht mehr für möglich gehalten haben“, sagte er dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

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In Freiburg demonstrierten überraschend rund 20 000 Menschen gegen Pegida. Zu den Protesten am Freitagabend hatte ein 28-Jähriger über das Soziale Netzwerk Facebook aufgerufen. Organisationen, Parteien und die Stadt schlossen sich an. Pegida selbst spielt im Südwesten bislang kaum eine Rolle. Im Nordrhein-Westfalen demonstrierten am Samstag in Hagen bis zu 1000 Menschen gegen Pegida. Aggressiv war die Stimmung beim ersten Aufmarsch der selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes“ (Pegada) in Erfurt. Laut Polizei standen sich am Samstag rund 1000 Anhänger und 600 Gegendemonstranten gegenüber. Pegada ist kein offizieller Pegida-Ableger. Antifaschistische Gruppen und Parteien bewerten Pegada als „kruden Zusammenschluss“ von Neonazis, Verschwörungstheoretikern und gewaltbereiten Hooligans.

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