Steinbrück unbeliebter als Westerwelle: Der Macker hat ausgedient

KommentarSteinbrück unbeliebter als Westerwelle: Der Macker hat ausgedient

von Cornelia Schmergal

Auch das noch. Peer Steinbrücks Beliebtheitswerte sind unter die von Außenminister Guido Westerwelle gerutscht. Warum die beiden ein gemeinsames Schicksal teilen.

Vielleicht sollten die beiden sich einfach mal auf ein Fläschchen 4,99-Euro-Pinot-Grigio treffen. Peer Steinbrück und Guido Westerwelle könnten dann gemeinsam darüber sinnieren, was da eigentlich schief läuft. Warum sie in der Liste der beliebtesten Politiker so weit hinten liegen, obwohl sie doch selbst von sich – um es mal vorsichtig anzudeuten - nicht gänzlich unüberzeugt sind.  Warum der Umfragebürger, das undankbare Wesen, ihre wohlgepflegten Ecken und Kanten nicht zu schätzen weiß. Warum der Wähler seine Sympathie stattdessen an Politiker verschenkt, die kalkuliert farblos daherkommen. An Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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An Verteidigungsminister Thomas de Maizière. An Finanzminister Wolfgang Schäuble. An SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Man darf davon ausgehen, dass SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück und Außenminister Westerwelle zusammen keine Antwort finden würden. Vermutlich auch nicht bei einem teureren Wein. Sie sind so etwas wie die letzten Macker in der Politik. Allerdings scheinen die Wähler mit dem Macker an sich nicht mehr viel anfangen zu können.

Nach den neuesten Zahlen des ARD-Deutschlandstrends sind mit Steinbrücks Arbeit derzeit nur 36 Prozent der Bundesbürger zufrieden.  Westerwelle kommt immerhin auf 40 Prozent. Nur zum Vergleich: Die Arbeit der Kanzlerin schätzen 65 Prozent. Und vermutlich könnten die wenigsten begründen, warum das so ist. Ihre Antwort hätte etwas mit Vertrauen zu tun. Mit Seriosität. Mit der gelangweilten Beständigkeit, die die Kanzlerin ausstrahlt. Dass Steinbrücks Werte nun sogar unter die Westerwelles abrutschten, der lange Zeit als Zerrbild des unbeliebten Politikers mit Seriositätsdefizit  herhielt, wird ihn schmerzen. Aber er wird sich in guter Gesellschaft fühlen. Schon aus Trotz. Oder soll er sich jetzt auch noch alle Ecken und Kanten abstoßen?

Sowohl Westerwelle als auch Steinbrück sind mit einer gehörigen Portion Hybris gesegnet. Dass Westerwelle einst das Wahlziel „18“ (Prozent) unter seine Schuhsohlen schrieb und im Guidomobil die Spaßrepublik erobern wollte, hat der Umfragebürger vermutlich längst vergessen. Dass er aber kurz nach der Bundestagswahl eine „spätrömische Dekadenz“ in der Debatte um höhere Hartz-IV-Sätze diagnostizierte, verzieh man ihm nicht. Es mangelte dem frühen Westerwelle an politischer Empathie, am Willen, den gesellschaftlichen Mainstream  in seine Reden zu übernehmen. Man kann darin eine echte Haltung erkennen – oder mangelnde politische Urteilsfähigkeit. Darin unterscheidet er sich nicht von Steinbrück. Erst, seit Westerwelle sich mit pointierten Provokationen zurückhält, stabilisieren sich seine Umfragewerte wieder.

Steinbrück selbst unterstellen inzwischen auch überzeugte SPD-Anhänger einen Hang zur Dekadenz. Da wäre nicht nur die Debatte um bezahlte Vorträge oder um das mickrige Kanzlergehalt, in der Steinbrück nicht erkennen wollte, dass er zwar inhaltlich im Recht sein, sich aber trotzdem unglaubwürdig machen kann. Als er zu Protokoll gab, dass er eine Flasche Pinot Grigio für 4,99 Euro nie trinken würde, kam ihm nicht in den Sinn, dass er seine eigene Klientel mit kleineren Einkommen brüskieren könnte. Die galligen Reaktionen scheinen ihn bis heute zu amüsieren. Oder anders: Er versteht sie nicht. Auch darin ist er Westerwelle ähnlich.

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Steinbrück selbst sagt, dass jeder Kanzlerkandidat einmal durch die „Eierschleifmaschine“ gejagt werde. Und dass er selbst dazu nicht bereit sei. Er gefällt sich als Macker, auch wenn der nicht mehr in die Zeit passt. . Immerhin einen Trost gibt es – für Westerwelle und für Steinbrück. Auf der Beliebtheitsliste steht wenigstens FDP-Chef Rösler noch schlechter da. Und dem hätte nun wirklich niemand Ecken und Kanten unterstellt.

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