Stephans Spitzen: Empört euch!

kolumneStephans Spitzen: Empört euch!

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Eine junge Frau demonstriert gegen Vorratsdatenspeicherung.

Kolumne von Cora Stephan

Warum lässt die Vorratsdatenspeicherung die Deutschen kalt? Weil sie Realisten sind? Weil sie längst resigniert haben? Oder weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, sich über anderes aufzuregen?

Niemand soll uns nachsagen, dass wir nicht täglich für Gleichheit und Gerechtigkeit kämpfen, und ja: manchmal sogar für die Freiheit! Im Weltmaßstab nimmt sich das allerdings manchmal etwas armselig aus. Über dumme Herrenwitze etwa regt frau sich hierzulande mordsmäßig auf: Empört euch gegen den alltäglichen Sexismus! Wenn aber anderswo Frauen ihrer Rechte, ihrer Freiheit, ihres Lebens beraubt und unter schwarzen Gewändern unsichtbar gemacht werden, hakt Multikultimensch das unter kulturelle Besonderheiten ab.

Ähnlich der fulminante Kampf gegen Homophobie, der sich hierzulande besonders jenen annimmt, die bei „Ehe für alle“ nicht gleich applaudieren. Dass Männer, die Männer lieben, anderswo gelyncht oder staatlicherseits gehängt werden, eignet sich offenbar nicht für eine ähnlich lautstarke Kampagne. Ist ja auch erheblich schwieriger. Wir bevorzugen „Empörung leichtgemacht.“

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Stephans Spitzen Ehe für alle?

Das irische Votum pro Homo-Ehe erhitzt die Gemüter. Vor allem die katholische Kirche protestiert; sie hat keinen Anspruch, die Ehe zu definieren. Bleibt die eigentliche Frage. Wozu braucht es die Ehe?

Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft Quelle: dpa

Irgendwie jedenfalls ist die Empörung ungleich verteilt. Gut möglich, dass das Publikum ermattet ist, weil es sich über so furchtbar viele Sachen aufregen muss, wenn es moralisch sauber bleiben will. In Sachen Vorratsdatenspeicherung etwa herrscht weitgehend abgeklärte Hinnahme. Warum? Ist es uns egal, dass Telekommunikationsdienste unsere Verbindungsdaten speichern, egal, ob es einen konkreten Verdacht gibt oder nicht? Ist es uns wurscht, ob man unsere Aktivitäten im Internet verfolgt? Sind wir naiv, weil wir als Social-Media-Fans sowieso jeden persönlichen Mist der Öffentlichkeit zugänglich machen?

Es gehört zur Freiheit, nicht alles verraten zu müssen

Oder sind viele einfach nur abgestumpft? Denn was eigentlich weiß der Staat noch nicht über uns - der Weg zum gläsernen Bürger ist wahrlich nicht mehr sonderlich weit. Vor allem das Finanzamt weiß mehr über die Steuerzahler, als all jenen lieb sein kann, die den Steuerstaat für eine Krake halten, die auch da ihre Saugnäpfe ansetzt, wo sie nichts zu suchen hat. Mich erstaunt immer wieder, wie sehr sich das Wort „Steuersünder“ durchgesetzt hat: als ob es eine Sünde sei, dem Staat etwas vorzuenthalten – wo es doch, im Gegenteil, langsam sündhaft wird, wie Politiker mit dem Geld der Bürger umgehen. Reden wir gar nicht erst von den Kostenkratern der Großbauten in öffentlichem Auftrag. Vor allem die Eurorettungspolitik der Kanzlerin ist mittlerweile nichts anderes als Veruntreuung von Steuergeldern, und das auch noch am Parlament vorbei. 

Es gehört zur persönlichen Freiheit, dem Staat nicht alles verraten zu müssen. War man da hierzulande früher empfindlicher? Was gab es einst für einen Aufstand, als man in der alten Bundesrepublik zur Volkszählung rief! Vielleicht erinnert sich noch der eine oder die andere an die 1987 um sich greifenden Hysterie: Jungdemokraten und Grüne orchestrierten eine gewaltige Kampagne, Orwells 1984 war die Bibel aller Volkszählungsgegner.

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