Stephans Spitzen: Flüchtlingsdebatte: Wer ist gut, wer ist böse?

kolumneStephans Spitzen: Flüchtlingsdebatte: Wer ist gut, wer ist böse?

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Willkommensgrüße am neuen Erstaufnahmeeinrichtung in Rendsburg in Schleswig-Holstein. 800 Flüchtlinge sollen in der provisorischen Einrichtung untergebracht werden.

Kolumne von Cora Stephan

Gefühl schlägt Ratio. Wie auch immer die Debatte um Flüchtlinge weitergehen mag, diese Erkenntnis steht bereits fest: Die Politik will dem Bürger weismachen, wer gut und wer böse ist. Dieser Politikansatz ist infantil.

Ein Busfahrer aus Erlangen lebt „Willkommenskultur“ vor und Claus Kleber erzählt davon unter Tränen live im Fernsehen. War der ZDF-Moderator wirklich gerührt oder hat er nur nah am Wasser gebaut? Eigentlich sollte uns das egal sein, denn beides ist nicht von Nachrichtenwert: Weder das Innerste eines Fernsehmoderators noch die normal guten Umgangsformen eines Chauffeurs. Im von Gefühlen gesteuerten und befeuerten öffentlichen Diskurs über Flüchtlinge und Migranten aber wird Claus Kleber nun als guter Deutscher gefeiert.

Gefühle gelten schon längst als die angesagte Währung in politischen Angelegenheiten, nicht die Ratio, zu der man angesichts der Größe dieses oder anderer Probleme raten möchte. Doch die Karte Vernunft sticht nicht. Griechenland soll „gerettet“ werden, um jeden Preis. Wer nicht als gefühlskalter Zahlenmensch gelten will, sollte den lieber verschweigen. Auch das Weltklima bedarf einer kostspieligen Rettungsaktion, egal, ob es gerettet werden muss oder gerettet werden kann – die Politik menschlichen Größenwahns sieht sich gottvatergleich als allzuständig.

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Das gleiche gilt für „Flüchtlinge“, mittlerweile der Oberbegriff für alle, die aus welchen Gründen auch immer nach Deutschland wollen, das ihnen als Paradies auf Erden vorgegaukelt wird, voll von grundguten hilfsbereiten Menschen – was ja im wesentlichen sogar zutrifft.

Siehe unser Busfahrer, der Claus Kleber so öffentlichkeitswirksam rührte. Ein Mann, der auf Englisch „Menschen aus aller Welt“ über sein Bus-Mikrofon willkommen hieß. Eine Ikone der Menschlichkeit. Bis sich eine Reporterin etwas näher mit dem Mann beschäftigte. Und siehe da: der rettende Engel trägt scheinbar teuflische Züge. Seine Großtat sieht sich geschmälert durch zweifelhafte Vorlieben: der Kerl hat auf Facebook den Daumen für die AfD gehoben und die Kanzlerin daran erinnert, dass sie zuerst ans eigene Volk zu denken habe, bevor sie andere „rettet“. Potzblitz! Wir haben es also nicht mit einem Guten, sondern mit einem Rechten zu tun! Immerhin hat unsere Reporterin den Mann wenigstens in einem Punkt dazu gebracht, abzuschwören: was sein „like“ für die AfD betrifft.

„Rechts“ ist heute nicht mehr nur die Bezeichnung für jenen Raum, den die CDU unter Angela Merkel weit offen gelassen hat, sondern für all jene, die als Schmuddelkinder vom Diskurs ausgeschlossen werden sollen. In Wahlkampfzeiten wird mit diesem Etikett der politische Gegner desavouiert, doch mittlerweile soll auch der „Normalbürger“ damit auf die geltende politische Linie eingeschworen werden, die sich weitgehend mit der unserer GroKo deckt. Und so finden sich Kritiker der chaotischen Asylpolitik der Bundesregierung mit ihrer Armada von Nebelwerfern auf die Seite jener Kriminellen gestellt, die vor Asylbewerberheimen randalieren oder sie gar anzünden – das müssen ja Rechte sein, selbst wenn die ermittelnden Behörden noch keine Täterkenntnis haben.

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