Stephans Spitzen : Im Mustopf der Konsensdemokratie

kolumneStephans Spitzen : Im Mustopf der Konsensdemokratie

Kolumne von Cora Stephan

Die Reaktionen auf die Pegida-Bewegung zeigen, wie es um die Konsensdemokratie bestellt sind. Doch wo Floskeln gedrechselt werden, wächst der Geist des Widerspruchs.

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Gegner der "Pegida"-Bewegung am 05.01.2015 auf dem Sendlinger-Tor-Platz in München.

Einige Götter des Feuilletons mögen das zwar anders sehen, aber das journalistische Gewerbe ist auch nur Menschenwerk. Auch hier sitzt man im Mustopf - nämlich bei den Kollegen. Und mit denen ist man schneller einig als mit den fernen Lesern, denen man eh nicht über den Weg traut.

Kurzum: Journalisten schreiben, insbesondere in Zeiten wie diesen, in denen das Zeitungsgeschäft kriselt, für jene, deren Wohlwollen sie benötigen: für ihresgleichen. Für ein Milieu also, das eher städtisch und intellektuell orientiert ist und wo man, wie bekannt ist, politisch eher zu Rotgrün neigt.

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Doch woanders kennt man das auch, diesen Gruppendruck, der Teamarbeit so fruchtlos macht: ein Konsens ist schnell erreicht und alle, die anders und anderes denken, halten sich lieber zurück, damit sie beim Kantinenessen nicht allein sitzen. Das mag für manch einen fürchterlicher sein als der Zorn der Leser.

Von dem gibt es derzeit reichlich: „Lügenpresse, halt die Fresse“ wird nicht nur in Dresden skandiert, auch die Leserkommentare sind selten zimperlich. Das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Presse scheint tief erschüttert zu sein.

Doch dass sie eben nicht „gleichgeschaltet“ sind, die Medien, zeigt sich gerade jetzt, in den Wochen, in denen es um „Pegida“ geht. Der Mechanismus ist nicht unvertraut: Im ersten Affekt hörte sich das Urteil in den Medien tatsächlich irgendwie ähnlich an, die meisten folgten den lautesten Vorbetern, man sah in den Demonstranten Pöbel und Nazipack oder, nicht weniger verächtlich, zu kurz gekommene Ossis mit „Ängsten“.

Dann kamen die Clowns und mischten die festgefahrenen Fronten auf. Und endlich begann das Nachdenken und Einlenken, wagten sich die ersten aus dem Mustopf heraus, hinein in die unergründliche Masse der Demonstranten, um sie zu erforschen. Und siehe da: Man entdeckte Probleme, die unsere politischen Floskeldrechsler gern überspielen.

Demo Pegida - das Aufbegehren der Mitte

In Dresden begehren Montag für Montag Menschen auf, die sich mehrheitlich zur Mitte der Gesellschaft zählen. Die Politik hat sie in den vergangenen Jahren vergessen – mit schwerwiegenden Folgen.

Teilnehmer einer Demonstration des Bündnisses Pegida in Dresden Quelle: imago

Wer möchte, dass Gesetze eingehalten werden wie das Asylrecht, das für Menschen, denen es nicht zuerkannt wird, Abschiebung vorsieht; wer Flüchtlingen Hilfsbereitschaft anbietet, aber in seiner kleinen Gemeinde nicht fünfzig, sondern nur zehn glaubt verkraften zu können; wer zwischen „Ausländern“ unterscheidet, mit denen sich bestens zusammenleben lässt, und jenen, die mit Anmaßung und Anspruchshaltung das Klima vergiften, ist weder rechts noch Ausländerfeind, sondern hat zumindest ein Gespür für das Drama, das sich in Europa abspielt.

Wer sich vor einer „Islamisierung“ fürchtet, liest über Gründe dafür jeden Tag in der Zeitung. Islamistische Terroristen schlachten Menschen, die nicht des rechten Glaubens sind. Und muslimische Lobbyisten befinden unter dem Beifall toleranter Gutwilliger, welche Gepflogenheiten hierzulande zu unterlassen sind, weil sie die Rechtgläubigen beleidigen könnten.

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