Stephans Spitzen: Nachrichten aus dem Diskurs-Funkloch

kolumneStephans Spitzen: Nachrichten aus dem Diskurs-Funkloch

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Wolfgang Herles, ehemaliger Fernsehjournalist bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Kolumne von Cora Stephan

Der langjährige Fernsehjournalist Wolfgang Herles rechnet in seinem neuen Buch mit dem Mainstreamjournalismus ab und hat Recht damit, wenn er schreibt, dass den Medien die Diskurskultur abhanden kommt.

Für manch einen ist die Pensionierung ein Verlust: dem einen der Verlust der Bedeutung, dem anderen der Verlust des Maulkorbs – befreit vom Druck, pietätvoll den Mund zu halten, solange man jeden Monat sein Gehalt empfängt. Wolfgang Herles, über vierzig Jahre lang Fernsehjournalist bei den Öffentlich-Rechtlichen, ist so ein Befreiter. Sein neues Buch benennt, wovon er sich offenbar ohne Abschiedsschmerz löst: vom Gebührenfernsehen, das nur nach der Quote schielt; von Fernsehpromis, die vor allem gefallen wollen; von einem Mainstreamjournalismus, der an seinem eigenen Konformismus erstickt. Seine Abrechnung wartet allerdings nicht mit Klatsch und Tratsch oder mit Anekdötchen persönlicher Kränkung auf, sondern mit einer These, die entschieden weiter streut:

„Dem Quotenwahn der Sender entsprechen Politiker, die auf Stimmungen setzen statt auf Überzeugungen.“

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Stimmungs- und Gefühlspolitik gibt es hierzulande nicht erst seit gestern; insbesondere in der Sarrazin-Debatte hatte sich ein eigenartiger Hang vieler Politiker offenbart, Gefühle vorzuzeigen, da Zahlen und Statistiken ja „kalt“ und „unmenschlich“ seien. Gewiss: „Die gefühlte Not ist meist größer als die messbare.“ Und Emotionen ersparen Argumente.

Man möchte Herles nicht widersprechen, wenn er das Bemühen von Politikern und Fernsehanstalten, die Bürger nicht zu beunruhigen und sie in konfliktfreie Zonen zu betten, für eine zunehmend infantilisierte Gesellschaft verantwortlich macht, in der es nur noch „menschelt“, weshalb die Friseurin aus Bautzen dann die Mindestlohndebatte abzudecken hat.

Die Bürger wollen es ja nicht anders? Für viele mag das zutreffen. Für andere nicht, die das alles gründlich leid sind: die Talkshows mit den ewiggleichen Gesichtern und dem abgekarteten Spiel der Scheindebatte – alle gegen einen Außenseiter. Die Ekelshows und volkstümlichen Galas. Die öden Fernsehserien und artigen Unterhaltungssendungen.

Den Medien- und Politikverdrossenen im Lande dürfte Herles These einleuchten: sie sind in der Tat wahlweise erschöpft, gelangweilt und misstrauisch, wittern gleichgeschaltete „Lügenpresse“ und unterdrückte Nachrichten, für die man auch noch Zwangsgebühren zahlen muss, ob man nun am Angebot interessiert ist oder nicht.

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