Stephans Spitzen: Neue Narren braucht das Land

kolumneStephans Spitzen: Neue Narren braucht das Land

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Die Fastnachtszüge der Narren halten die Mächtigen zu Demut an.

Kolumne von Cora Stephan

Karneval gehört zur deutschen Kultur - zumindest in weiten Teilen der Republik. Aber die goldenen Zeiten der Narren scheinen vorbei zu sein. Spätestens, seit eine Terrorwarnung den Braunschweiger Karnevalsumzug stoppte.

Da marschieren sie unter Geschrei und Gebrüll, die Eingeborenen, machen bei Alkohol und Schweineohren tagelang Plätze und Straßen unsicher und behaupten auch noch, sie verteidigten damit die deutsche Kultur. Doch jetzt ist unerschrockenen Kräften gelungen, dem Pöbel nachhaltig Paroli zu bieten: Nachdem eine staatlich alimentierte weltoffene Gemeinschaft die Dresdner zur Räson gebracht hat, ist nun auch den Braunschweigern Ruhe als die erste Bürgerpflicht verordnet: deutsche Kultur hin oder her, der Karneval fällt aus, ein paar Islamisten wollen es so. Tusch und Alaaf.

Ja, wenn das so weiter geht, gehört bald auch ein deutsches Traditionsgut wie die all-jährliche Narretei zu den versunkenen Kulturgütern, und es soll frohsinnslose Lumpen im matschegrauen Norden geben, die das noch nicht einmal bedauern.

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Doch in den Hochburgen des Karnevals zeigt man sich widerspenstig und lässt einen Aufschrei durch die Straßenzüge gehen: „Wir lassen uns die Narrenfreiheit nicht nehmen!“ Der diesjährige Favorit ist der Mainzer Guddi Gutenberg, der sich über „diese elenden Gestalten“ der IS noch nicht einmal lustig macht: „Ich glaube nicht, dass Allah sich die Zeit nimmt, sonne Arschlöcher nochmal zusammenzusetzen. Je suis Charlie.“ Und Tusch.

Anschlag auf "Charlie Hebdo" Ein Attentat auf unsere Freiheit

Nach dem Attentat auf "Charlie Hebdo" wird deutlich: Wer das Recht auf Meinungs- und Satirefreiheit auf die Theorie reduzieren will, hat es schon abgeschafft. Wir sollten es nicht so weit kommen lassen.

Demonstration für die Pressefreiheit vor dem Place de la Republique in Paris Quelle: dpa

Doch die Sache ist ernst. Angesichts der Absage des Karnevalsumzugs Braunschweig erkennt CDU-Mann Jens Spahn spät, aber immerhin, eine „neue Qualität. Islamistischer Terror beginnt unseren Alltag zu verändern.“ Richtig: Die Spaßbremsen sind mitten unter uns und trotzen im Karneval sogar dem Vermummungsverbot. Deutsche Narren leben gefährlich. Alaafchen.

Doch wann hatten es Narren schon mal leicht? Die Ahnen glaubten sie mit dem Teufel im Bunde, sie wurden als verfolgte Minderheit geköpft, gevierteilt, aufs Rad geflochten oder auf den Scheiterhaufen gestellt. Im besseren Fall musste der Narr eine mit Schellen besetzte Narrenkappe tragen, damit ihn alle schon von weitem erkannten - vergleichbar den Schellen, die Katzen tragen müssen, damit die Mäuse gewarnt sind. Hier kommt die Wahrheit! Ab in die Löcher!

Erst zivilisierteren Kreisen wie einigen klugen Monarchen ist es gelungen, das Ungezähmte zu integrieren: der Hofnarr ist die Inkarnation königlicher Weisheit.

Denn was braucht ein Herrscher, wenn er die frommen Lügen der Höflinge satt hat? Richtig: Einen, der ihm die Meinung geigt, der die Wahrheit sagt, jedenfalls soweit er sie kennt, ohne Rücksicht auf Verluste. Einen, der ihn darauf hinweist, dass auch er nur ein armes Sünderlein ist, alles andere als unfehlbar. Und dass Macht und Ruhm vergänglich sind. Der Narr hält die Mächtigen zu Demut an.

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