Stephans Spitzen: Was die SPD aus ihrer Geschichte lernen kann

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kolumneStephans Spitzen: Was die SPD aus ihrer Geschichte lernen kann

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Darf man die Genossen von heute im Sinne von Otto Wels ehrlos nennen?

Kolumne von Cora Stephan

Es ist gewiss unfair, einer vom stürmischen Flattern des Mantels der Geschichte soeben in den freien Fall gedrückten Partei wie der SPD ihre heroische Geschichte vorzuhalten. „Aus der Geschichte lernen“ ist, nicht nur für das derzeitige Führungspersonal, eine ziemliche Zumutung.

Sie sind ja noch nicht einmal mehr ein schwacher Abklatsch der sozialdemokratischen Heiligen des 19. und 20. Jahrhunderts.
August Bebel und Wilhelm Liebknecht hatten ein Handwerk gelernt, bevor sie Berufspolitiker wurden. Rudolf Hilferding war Arzt – und Theoretiker des „Finanzkapitals“ nur nebenbei. Selbst Ferdinand Lassalle, alles andere als ein Prolet, dürfte noch eine gewisse Kenntnis gehabt haben von der Klientel, die er vertrat.

Gewiss: Da gab es das unablässige und einigermaßen verschrobene Ringen um die richtige Theorie und den entsprechend abgeleiteten Weg zur Revolution, das die alte Sozialdemokratie in heutigen Augen seltsam abgehoben erscheinen lässt. Doch noch die absurdeste Theoriedebatte offenbarte den Wunsch nach Wissen und Bildung, dem Zauberwort der damaligen Zeit. Wer jemals das Marxsche "Kapital" gelesen hat, weiß, was sich Menschen mit eher magerer Schulbildung damit abverlangt haben.

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Mit voller Kraft ins Nirgendwo Solche Sozialdemokraten braucht niemand mehr

Die Fortschrittsidee der Sozialdemokratie hat sich erledigt. Denn ihre alte Klientel fürchtet nichts so sehr wie die Veränderung. Wenn der Fortschritt noch eine Zukunft hat, dann ist er grün.

Vorwärts? Bewegen die Sozialdemokraten in Europa sich in die richtige Richtung? Quelle: Getty Images

Trotz all der Hindernisse, die Bismarck und Wilhelm II. ihr in den Weg legten, begann im 19. Jahrhundert die atemberaubende Erfolgsgeschichte der Partei, die bald zur mächtigsten Gruppierung unter den europäischen Sozialisten wurde. Ihre Wirkung beruhte weit weniger auf ihrer Ideologie, als ihre führenden Köpfe glaubten, doch durchaus auf der Kraft des Wortes. Man nutzte den Reichstag als Verstärker und die Parteizeitung „Vorwärts“ als Lautsprecher. Der Marxismus und seine richtige Interpretation dürften das Publikum dabei weniger interessiert haben als die unablässige und handfeste Kritik an der Regierung. Damit wurde die SPD 1912 mit 34,8 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Was für ein Erfolg angesichts einer Wahlbeteiligung von fast 85 Prozent!

In ihren Reichstagsreden und im „Vorwärts“ schafften Sozialdemokraten eine Gegenöffentlichkeit, zum Beispiel in der „Kolonialfrage“. Die deutsche Öffentlichkeit erfuhr zuverlässig von jeder Schandtat, die Leute wie etwa Carl Peters fernab von Berlin begingen. Das zwang die Reichsregierung dazu, sie aus dem Verkehr zu ziehen.

SPD Eine Partei, die ihre Geschichte verspielt

Nur noch 20 Prozent der Deutschen würden laut einer neuen Umfrage SPD wählen. Wer Klientelpolitik macht, darf sich über Klientelergebnisse eben nicht wundern.

Hannelore Kraft (SPD) Quelle: dpa

Das machte die alte SPD stark: Persönlichkeiten, die ein wenig mehr vom Leben wussten als das, was man während einer Ochsentour durch Parteigremien erlebt – und ihre unkorrumpierbare Oppositionshaltung. War die Billigung der Kriegskredite 1914 also ihr Sündenfall? Ja und nein. Für August Bebel war das zaristische Russland der erzböse Feind, gegen den selbst der alte Herr noch das Gewehr in die Hand nehmen wollte. Bei allem Misstrauen der Reichsregierung gegenüber: auch in der SPD sah man sich von Feinden umzingelt und hielt die Zustimmung für patriotische Pflicht. Vaterlandslose Gesellen waren die deutschen Sozialdemokraten nie.

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