Stephans Spitzen: Was wir von Günter Schabowski lernen können

Stephans Spitzen: Was wir von Günter Schabowski lernen können

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Pressekonferenz am 09.11.1989. Schabowski, damals Mitglied des Politbüros des ZK der SED, gibt die Öffnung der Grenze bekannt.

von Cora Stephan

Die Spitzen der DDR glaubten einst, ihr Land werde ewig existieren. Doch dann ließ der nun verstorbene Günter Schabowski den tönernen Riesen mit einem Windhauch stürzen. Was wir daraus lernen können.

Wie gehen Staaten unter? Manche mit ziemlich viel Knall und Pulverdampf und einige mit einem Wimmern - oder mit ein paar Worten, mit stockender Stimme vom Zettel abgelesen, acht Minuten lang, 30 Ähs: „Nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich.“

Günter Schabowski ist tot. Er war es, der am 9. November 1989 die Worte verlesen hat, mit denen der antifaschistische Schutzwall zum Einsturz gebracht wurde. Zu seiner Ehre sei gesagt, dass er einer der wenigen war, die öffentlich bereut haben, Diener eines Staat gewesen zu sein, der seine Bürger einsperrte. Und dass er, wie alle anderen am Endspiel Beteiligten, nicht wusste, was er da tat.

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Schließlich konnte sich niemand vorstellen, dass die DDR jemals untergehen könnte. Vor allem übrigens die Westdeutschen nicht. „Lebenslüge“, hatte Willy Brandt die Hoffnung auf Wiedervereinigung 1984 genannt. „Opportunistisch und widerwärtig“ fand der sozialdemokratische Vordenker Peter Glotz diesen Gedanken noch im Oktober 1989. Joschka Fischer wollte das Wiedervereinigungsgebot aus dem Grundgesetz streichen, Oskar Lafontaine nannte die Idee eines vereinigten Deutschland kurz vor Weihnachten 1989 „historischen Schwachsinn“.

Ex-SED-Funktionär Günter Schabowski gestorben

Er schrieb Weltgeschichte - mit wenigen Worten auf einer Pressekonferenz. Günter Schabowski löste damit den Mauerfall aus. Nun ist der einstige SED-Funktionär gestorben.

Günter Schabowski gestorben Quelle: dpa

Zwei Monate bevor die Mauer fiel, am 13. September 1989,  schickte der SPD-Vorstand ein Telegramm an die SED-Führung, in dem die SPD beteuerte, sie werde in „Abgrenzung vom nationalistischen Wiedervereinigungspathos“ an der Existenz zweier deutscher Staaten festhalten.

Der 9. November war ein großes Missverständnis. Die ständige Ausreise von DDR-Bürgern solle nicht mehr über Drittstaaten wie Ungarn erfolgen, hatte die Sowjetunion gefordert. Die DDR selbst ließ durch die Ausreise der in die Tschechoslowakei Geflüchteten über Dresden tausendfache Grenzverletzungen zu. Die SED erhoffte sich nun von einer Lockerung der Ausreisebestimmungen Millionenbeträge von der Bundesrepublik. So etwas hatte bislang immer geklappt. Doch dann ging der schöne Plan schief.

Der antifaschistische Schutzwall fiel mit einem Wimmern. Jahre zu spät? Denn die DDR war spätestens seit den 60er Jahren ein soziales Experiment geworden, das sich nicht selbst tragen konnte. Ohne die Unterstützung durch die Sowjetunion und vor allem durch die Bundesrepublik hätte sich das staatsähnliche Gebilde weit früher aufgelöst. Die neue ökonomische Politik Walter Ulbrichts steckte Ende der 60er Jahre in einer tiefen Krise, die Sowjetunion lieferte nicht, was man in der DDR brauchte, weshalb Ulbricht schon damals an eine wirtschaftliche Konföderation mit der Bundesrepublik dachte. Das aber stieß auf den erbitterten Widerstand in der SED und der  KPdSU.

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