_

Steuer: Finanzämter werden Kurzarbeiter zur Kasse bitten

von Cornelia Schmergal (Berlin)

Finanzämter werden Kurzarbeiter nachträglich zur Kasse bitten. Die Bundesregierung sieht sich außerstande einzugreifen.

Die Zahl der Kurzarbeiter ist Quelle: dpa
Die Zahl der Kurzarbeiter ist im Maschinenbau mit mehr als 90.000 Betroffenen am größten. Quelle: dpa

In der Krise gilt die Kurzarbeit als Wundermittel. Unternehmen behalten ihre Fachkräfte, die Mitarbeiter ihren Job. Rund 1,4 Millionen Beschäftigte arbeiten derzeit kurz. Doch vielen von ihnen dürfte die nächste Steuererklärung eine unangenehme Überraschung bescheren: Das Finanzamt wird eine satte Nachzahlung fordern.

Anzeige

Betriebsräte haben das Bundesarbeitsministerium in den vergangenen Wochen schon auf das Ärgernis hingewiesen. Doch auch zusammen mit Steuerrechtlern aus dem Finanzressort konnten die Ministerialen keine Lösung finden. Das Problem gilt in der Bundesregierung als „unlösbar“.

Schuld ist das komplizierte deutsche Steuerrecht. Für die ausgefallene Arbeitszeit überweist die Bundesagentur für Arbeit jedem Kurzarbeiter 60 Prozent (bei Kinderlosen) beziehungsweise 67 Prozent (bei Eltern) des entgangenen Nettolohns. Dieses Kurzarbeitergeld selbst ist zwar steuerfrei — es erhöht allerdings die Belastung des restlichen Einkommens.

Mit der Steuererklärung steigt der Steuersatz

Das Verfahren ist einigermaßen umständlich: In jedem Monat überweist der Arbeitgeber allen Kurzarbeitern den verbliebenen Anteil ihres Lohnes. Steuern, die auf diesen Anteil anfallen, führt er direkt an das Finanzamt ab. Dabei wird das Kurzarbeitergeld zunächst ignoriert. Gibt der Beschäftigte am Jahresende aber seine Steuererklärung ab, dann überprüft das Finanzamt rückwirkend auch andere Einkünfte. So stellt es fest, ob zu viel oder zu wenig Steuern gezahlt wurden.

Wenn die Finanzbeamten nun den Einkommensteuersatz ermitteln, der tatsächlich auf den verbliebenen Lohn angewendet wird, addieren sie zum Lohn auch das Kurzarbeitergeld. So kommt es, dass der individuelle Steuersatz steigt. Fachleute nennen dies Progressionsvorbehalt.

Je höher das Einkommen, desto höher auch die Nachzahlung. Ein verheirateter Arbeitnehmer mit zwei Kindern und einem regulären Bruttolohn von 30.000 Euro (ohne Kurzarbeit), der nur noch 50 Prozent seiner Arbeitszeit leistet, müsste rund 200 Euro an Steuern nachzahlen. Das haben die Steuerexperten des Software-Dienstleisters Datev errechnet. Bei einem regulären Bruttolohn von 60.000 Euro und nur halber Arbeitszeit klettert die Nachzahlung auf rund 1300 Euro.

35 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.11.2009, 18:05 UhrAnonymer Benutzer: trailor85

    ist doch richtig, was man da macht. Einerseits wollen alle die bierdeckel-Variante, wo man einfach nur .....% vom Einkommen als Steuer bezahlt. Aber man schreit auf, wenn Überstundenzuschläge drunter fallen oder Lohnersatzleistungen den Steuersatz erhöhen. Alles nach der Devise: "Zünde das Haus meines Nachbarn an, aber verschone mein Eigenes"

  • 21.09.2009, 22:03 UhrAnonymer Benutzer: global

    @RRR recht hat er, es gibt aber dennoch einige reichere und viele ärmere Länder, die ihre Einwohner als Menschen, nicht nur als "deckige Steuerhinterzieher" behandeln, die es auszupressen gilt um gnadenlos weiter der eigenen Verschwendungssucht zu fröhnen. Und an dieser Willkür und ignoranz liegt es, das die Menschen die Diktatur der behörden zunehmend satt haben. Wir lachen dümmlichen über das Mittelalter und sind fiskalisch schon lang wieder dort angekommen. Gemeines Wortgut wie "beitreibung" hingegen blieb in D.-land sogar stets aktuell unter roten wie schwarzen Regierungen.

  • 21.09.2009, 15:33 UhrAnonymer Benutzer: lafleur

    im Normalfall droht dem Arbeitnehmer keine Nachzahlung. Die Progression verhindert vielmehr lediglich eine Erstattung. Denn wer nur monatsweise arbeitet, zahlt den Lohnsteuer nach dem Steuersatz, als würde er das ganze Jahr so weiterarbeiten - tut das aber nicht und kriegt bei der Veranlagung eine Erstattung. Durch die Einbeziehung des Kurzarbeitergeldes in die Progression wird diese Erstattung verhindert.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.