Steuer: Finanzämter werden Kurzarbeiter zur Kasse bitten

Steuer: Finanzämter werden Kurzarbeiter zur Kasse bitten

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Die Zahl der Kurzarbeiter ist im Maschinenbau mit mehr als 90.000 Betroffenen am größten.

Finanzämter werden Kurzarbeiter nachträglich zur Kasse bitten. Die Bundesregierung sieht sich außerstande einzugreifen.

In der Krise gilt die Kurzarbeit als Wundermittel. Unternehmen behalten ihre Fachkräfte, die Mitarbeiter ihren Job. Rund 1,4 Millionen Beschäftigte arbeiten derzeit kurz. Doch vielen von ihnen dürfte die nächste Steuererklärung eine unangenehme Überraschung bescheren: Das Finanzamt wird eine satte Nachzahlung fordern.

Betriebsräte haben das Bundesarbeitsministerium in den vergangenen Wochen schon auf das Ärgernis hingewiesen. Doch auch zusammen mit Steuerrechtlern aus dem Finanzressort konnten die Ministerialen keine Lösung finden. Das Problem gilt in der Bundesregierung als „unlösbar“.

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Schuld ist das komplizierte deutsche Steuerrecht. Für die ausgefallene Arbeitszeit überweist die Bundesagentur für Arbeit jedem Kurzarbeiter 60 Prozent (bei Kinderlosen) beziehungsweise 67 Prozent (bei Eltern) des entgangenen Nettolohns. Dieses Kurzarbeitergeld selbst ist zwar steuerfrei — es erhöht allerdings die Belastung des restlichen Einkommens.

Mit der Steuererklärung steigt der Steuersatz

Das Verfahren ist einigermaßen umständlich: In jedem Monat überweist der Arbeitgeber allen Kurzarbeitern den verbliebenen Anteil ihres Lohnes. Steuern, die auf diesen Anteil anfallen, führt er direkt an das Finanzamt ab. Dabei wird das Kurzarbeitergeld zunächst ignoriert. Gibt der Beschäftigte am Jahresende aber seine Steuererklärung ab, dann überprüft das Finanzamt rückwirkend auch andere Einkünfte. So stellt es fest, ob zu viel oder zu wenig Steuern gezahlt wurden.

Wenn die Finanzbeamten nun den Einkommensteuersatz ermitteln, der tatsächlich auf den verbliebenen Lohn angewendet wird, addieren sie zum Lohn auch das Kurzarbeitergeld. So kommt es, dass der individuelle Steuersatz steigt. Fachleute nennen dies Progressionsvorbehalt.

Je höher das Einkommen, desto höher auch die Nachzahlung. Ein verheirateter Arbeitnehmer mit zwei Kindern und einem regulären Bruttolohn von 30.000 Euro (ohne Kurzarbeit), der nur noch 50 Prozent seiner Arbeitszeit leistet, müsste rund 200 Euro an Steuern nachzahlen. Das haben die Steuerexperten des Software-Dienstleisters Datev errechnet. Bei einem regulären Bruttolohn von 60.000 Euro und nur halber Arbeitszeit klettert die Nachzahlung auf rund 1300 Euro.

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