
Möchte jemand Angela Merkel und Peer Steinbrück als Vampire sehen? In einem Internet-Comic ist das seit Kurzem möglich. Unter www.staatomat.de kommen die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister als Blutsauger durch die Tür geflogen, um sich kichernd und schmatzend am (Lohn-)Kuchen eines Arbeitnehmers zu delektieren. Am Ende flattern die beiden Vampire triumphierend davon, während der Arbeitnehmer traurig auf die verbliebenen Krümel auf dem Teller blickt.
Initiiert hat die Internet-Seite der Verband der Familienunternehmer (ASU). Seit einigen Wochen kann man sich hier online ausrechnen lassen, was von einer Lohnerhöhung netto übrig bleibt. Das Ergebnis dürfte in den meisten Fällen unerfreulich ausfallen. Rein rechnerisch haben die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr bis zum 8. Juli 2008, 7.57 Uhr, einzig und allein für den Staat und die Sozialkassen geschuftet, errechnete der Bund der Steuerzahler (BdSt). Und 2009 werden die Bundesbürger kaum früher für das eigene Portemonnaie arbeiten dürfen. Die Steuer- und Abgabenlast sinkt unter dem Strich nur in einer homöopathischen Dosis, viele Bürger zahlen sogar drauf. „Dass sich Leistung lohnt, kann die Masse der Erwerbstätigen kaum noch erkennen“, sagt BdSt-Ökonom Volker Stern.
Wie in den Vorjahren hat Stern exklusiv für die WirtschaftsWoche anhand von drei Musterhaushalten errechnet, wie sich alle Neuerungen im Steuer- und Abgabenrecht, die zum Jahreswechsel in Kraft getreten sind, auf das verfügbare Einkommen auswirken. Dabei berücksichtigte Stern nicht nur direkte Steuern und Sozialabgaben, sondern auch die gezahlte Mehrwertsteuer auf Konsumprodukte, spezielle Verbrauchsteuern (auf Benzin, Zigaretten, Strom, Heizöl) sowie Kommunalabgaben, etwa für Müllabfuhr und Abwasser. Grundlage für die Bewertung waren haushaltstypische Verbrauchs- und Konsummengen.
Bonbons für Arbeitnehmer
Ergebnis: Inklusive der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, die methodisch den individuellen Lohnkosten zugerechnet werden, überweist ein Doppelverdiener-Ehepaar aus Köln (zwei Kinder, Eigenheim) im kommenden Jahr 59,9 Prozent an Staat und Sozialkassen, 0,2 Punkte weniger als im Vorjahr. Bei einem Dresdner Ehepaar (ein Einkommen, zwei Kinder) sinkt die Quote um 0,5 Punkte auf 48,8 Prozent. Ein Singlehaushalt in Göttingen ist mit 64,5 Prozent seines Bruttolohns dabei (Vorjahr: 64,7 Prozent). Trotz der marginalen Verbesserung liegt die Belastung damit „weit über dem, was in den meisten anderen OECD-Staaten für vergleichbare Haushalte üblich ist“, kritisiert Ökonom Stern.













