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Steuergelder: Warum eigentlich sind öffentliche Bauten immer teurer als geplant?

von Konrad Fischer

Die Kosten schnellen in die Höhe, aus Millionen werden Milliarden. Egal ob Konzerthalle, Museum oder Bahnhof: Am Ende sind öffentliche Bauprojekte fast immer teurer als vorher geplant. Warum eigentlich?

Die Baustelle der Quelle: dpa
Die Baustelle der Elbphilharmonie. Die Kosten für dieses Projekt haben sich mit 500 Millionen verdreifacht Quelle: dpa

Geld solle keine Rolle spielen, hatte die Regierung von New South Wales angekündigt, als sie 1957 den Bau eines Opernhauses im Hafen von Sydney ausschrieb. Entsprechend locker nahm der Architekt Jörn Utzon die Sache. Er reichte nur eine grobe Skizze seiner visionären Idee eines Opernhauses ein, das einer halbierten Artischocke ähnelt. Zehn Millionen Dollar werde der Bau ungefähr kosten, in sechs Jahren sei er fertig, schätzte Utzon. Die Jury war begeistert, und Utzon legte los. Dabei hatte er sich noch keine Gedanken darüber gemacht, ob sich die Konstruktion überhaupt verwirklichen lassen würde. Mehrere Ingenieurteams verzweifelten am Bau der Dachelemente, nach einigen Jahren musste das gesamte Fundament abgetragen werden. Als die Oper nach 14 Jahren fertig wurde, hatte sie mehr als 100 Millionen Dollar gekostet.

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Sydney ist überall: Laut einer Studie der Universität Oxford, die 260 Großprojekte in Nordamerika und Europa untersuchte, werden neun von zehn öffentlichen Bauvorhaben teurer als geplant. Das gilt auch für Deutschland. Ob Transrapid, Stuttgarts neuer Hauptbahnhof, die Elbphilharmonie in Hamburg oder die U-Bahn in Köln – die Liste der Projekte, bei denen es zu Kostensprüngen kommt, ist lang.

Kostenfalle Baupreisindex

Die Träger rechtfertigen sich gern mit unvorhergesehenen Ereignissen: Da gehen Zulieferer pleite, Bodenprüfungen ziehen sich in die Länge oder die „Kühlfunktion“ der Elbe wird überschätzt. Die Argumente mögen zutreffen. Sie verschleiern aber strukturelle Probleme im Planungsprozess der öffentlichen Hand.

Eine häufige Kostenfalle ist der sogenannte Baupreisindex. Der wird vom Statistischen Bundesamt vierteljährlich veröffentlicht und gibt an, wie sich die Preise der wichtigsten Baumaterialien entwickeln. Tendenziell geht es wie bei den Konsumgüterpreisen stets nach oben, bei der Ausschreibung öffentlicher Projekte wird dies jedoch nicht einkalkuliert.

Die Bewerbungen der Firmen basieren auf dem zum Zeitpunkt der Ausschreibung aktuellen Wert. Das bedeutet, dass mit der Dauer eines Bauprojekts auch die Kosten steigen: Je später der Betonbauer die Schalung gießen kann, desto länger muss sein Chef warten, bis er den Zement bestellt – der Preis hat sich bis dahin vielleicht verdoppelt. Der Index verschleiert zudem die Preisvolatilität einzelner Rohstoffe. So sollte der Umbau des Stadions in Kaiserslautern ursprünglich 48,3 Millionen Euro kosten. Da der Stahlpreis in die Höhe schnellte, waren es am Ende gut 70 Millionen Euro.

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16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.12.2009, 17:33 UhrAnonymer Benutzer: www.das-bewegt-die-welt.de

    Hammerseite einfach klasse

    www.das-bewegt-die-welt.de

  • 31.08.2009, 15:17 UhrAnonymer Benutzer: polit-kritiker

    in der Schweiz ist übrigens gesetzlich vorgeschrieben, dass der ZWEiT-günstigste Anbieter bei öffentlichen Ausschreibungen den Zuschlag bekommt. So wird ein Preiskampf verhindert, der auf Kosten von Realitätsnähe bzw. Qualität geht. Anbieter bieten einfach realistisch und auf hohem Niveau an.
    ...aus dem Alpenstaat könnte sich Deutschland noch einiges abschauen...

  • 28.08.2009, 19:15 UhrAnonymer Benutzer: Daniel

    Gibt es die im Artikel referenzierte Studie zu lesen und was wurde da genau verglichen?

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