Steuern: So entsteht die Prognose zur Steuerschätzung

Steuern: So entsteht die Prognose zur Steuerschätzung

, aktualisiert 07. November 2017, 12:03 Uhr
von Kevin Knitterscheidt

Am Donnerstag legt der Arbeitskreis Steuerschätzung seine neue Prognose vor. Wie das politisch wichtige Zahlenwerk entsteht – und warum die Ökonomen oft zu tief liegen.

Das beschauliche Bad Muskau in der Oberlausitz war im Mai Ziel einer ökonomischen Gruppenreise. Auf Einladung des sächsischen Finanzministeriums ziehen rund 30 Ökonomen und Statistiker ins Hotel Fürst Pückler Park ein. Ihr Job war klar definiert: Sie mussten für den damals noch amtierenden Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine detaillierte Prognose erstellen, wie sich die Steuereinnahmen in Deutschland entwickeln werden. Und was die im Arbeitskreis Steuerschätzung (AKS) vereinten Experten dann vorlegen, ist mehr als ein Papier, das von der Politik (wie andere volkswirtschaftliche Gutachten) in der Schublade versenkt werden kann. Die Prognosen des AKS sind die Basis für den Haushaltsplan des Bundes für 2018 und für die mittelfristige Finanzplanung über die kommenden fünf Jahre. Selbst ihren jüngsten Kompromiss bei der Neuordnung des Länderfinanzausgleichs haben Bund und Länder auf Grundlage der Steuerschätzung getroffen.

Wer verbirgt sich hinter dem 1955 gegründeten Gremium, das stets hinter verschlossenen Türen tagt? Beteiligt sind Wissenschaftler von 27 Institutionen. Dazu zählen das Wirtschafts- und Finanzministerium, Kommunalverbände, die Bundesbank, der Sachverständigenrat, die fünf Wirtschaftsforschungsinstitute, das Statistische Bundesamt und die Finanzministerien der Länder.

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Dienstältestes Mitglied ist der Ökonom Heinz Gebhardt, der seit 30 Jahren das Essener RWI-Leibniz-Institut im AKS vertritt. Kontinuität sei wertvoll, sagte er: „Die meisten Steuerschätzer gehören dem Arbeitskreis über viele Jahre an und lernen sich und ihre Methoden kennen und einschätzen.“

Fast immer unterschätzt: Vorausgesagte und tatsächliche Steuereinnahmen (in Milliarden Euro). Für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Fast immer unterschätzt: Vorausgesagte und tatsächliche Steuereinnahmen (in Milliarden Euro). Für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Der Austausch beginnt traditionell bereits vor der dreitägigen Sitzung: Bei einem gemeinsamen Essen loten die Forscher am Abend ihrer Anreise mögliche Streitpunkte aus. Offiziell eröffnet wird die Sitzung dann am Dienstagmorgen von einem Vertreter des Wirtschaftsministeriums, der den Wirtschaftsausblick der Bundesregierung vorstellt. Diese Regierungsprognose bildet mit den aktuellen Aufkommen der Steuerarten die Grundlage für die Schätzvorschläge; ihre Schätzungen dazu mussten die Forscher eine knappe Woche vor der Sitzung beim Bundesfinanzministerium einreichen.

In der Wahl ihrer wissenschaftlichen Methoden sind die Forscher völlig frei. Für ihre Debatte bekommen sie vor Ort eine Übersicht sämtlicher Schätzvorschläge für jede Einzelsteuer. „Wer die Arbeitsweise des Arbeitskreises gut kennt, weiß schnell, welche Steuerarten wir in den nächsten Tagen ausführlicher diskutieren werden“, sagt Gebhardt.

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