_

Steuerreform: "Das ist keine Revolution"

von Mark Fehr

Die kommunale Einkommensteuer macht Sinn - doch das deutsche Steuerrecht braucht noch weitere Reformen, sagt der Finanzexperte Clemens Fuest im Gespräch mit wiwo.de.

Clemens Fuest
Clemens Fuest

wiwo.de: Professor Fuest, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die Kommunen an der Einkommensteuer beteiligen. Was halten Sie davon?

Anzeige

Fuest: Die Gemeinden sind bereits jetzt an der Einkommensteuer beteiligt – etwa 15 Prozent der Einnahmen fließen zurück an den Heimatort des Steuerzahlers. Davon merkt allerdings kein Bürger etwas, denn die Verteilung des Steueraufkommens läuft hinter den Kulissen der Behörden ab.

Sorgt der neue Schäuble-Plan für mehr Transparenz?

Das ist zu erwarten, denn die Kämmerer legen innerhalb einer Bandbreite lokal unterschiedliche Steuersätze fest. Dafür soll dann der ortsunabhängige Einkommensteuertarif sinken, um Zusatzbelastungen zu vermeiden. Entscheidend ist aber, dass die Bürger nun wissen, mit wie viel Steuergeld sie ihre Heimatgemeinde finanzieren.

Was hat man davon, das Geld ist doch weg – so oder so?

Das Geld ist eben nicht mehr automatisch weg, denn Gemeinden können ja auch sehr niedrige Steuersätze festlegen und so für Entlastung sorgen. Dadurch wird kommunale Politik endlich interessant. Bürgermeister können die Finanzpolitik mit konkreten Projekten verbinden, zum Beispiel: Wir erheben hohe Steuern und bauen davon einen Kindergarten oder eine Umgehungsstraße…

…oder es gibt Entlastungen aber dafür kein Schwimmbad.

Genau. Für die Wähler wird deutlich transparenter, was passiert, wenn sie im Kommunalwahlkampf dem einen oder dem anderen Kandidaten ihre Stimme geben. Die Politiker werden gezwungen, die finanziellen Konsequenzen ihrer Entscheidungen offen zu legen.

Droht jetzt ein Steuerwettbewerb?

Wettbewerb – auch im Steuerrecht – ist nichts Schlechtes. Einen Kampf besonders reicher Kommunen um Großverdiener darf es aber nicht geben. Dieser lässt sich dadurch verhindern, dass der Gemeindetarif ab einer bestimmten Einkommenshöhe in Form eines festen Durchschnittssatzes erhoben wird.

Also eine revolutionäre Reform?

Von einer Revolution kann man bei der kommunalen Einkommensteuer nicht sprechen. Es gibt noch weitere Großbaustellen im deutschen Steuerrecht. Als erstes gehört die komplizierte Gewerbesteuer abgeschafft; die Gemeinden bekommen zum Ausgleich ein Heberecht auf die Körperschaftsteuer. Die Umsatzsteuer braucht einen einheitlichen Prozentsatz, statt zahlloser Tarifermäßigungen.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.11.2010, 15:59 UhrAnonymer Benutzer: Helen

    @ Rumpelstilzchen

    ich glaube Du hast etwas vergessen. Die H4 zahlen gar keine Rechnungen. Deren Rechnungen werden von den "Reichen" bezahlt. "Reich" ist man ja in diesem Land schon ab einem monatlichen Einkommen von 3500 Euro. immer mehr von denen haben aber keine Lust mehr die Hälfte des Jahres zu buckeln um fremde Rechnungen der ach so bemitleidenswerten "Armen" und lebenslangen Müßiggängern dieses Landes zu finanzieren und verlassen deswegen das Land.

    ich finde es ja immer sehr amüsant wenn sich ausgerechnet Leute, die nichts erarbeiten und sich dem lebenslangen Müßiggang hingeben, über die Senkung von Geldgeschenken beschweren zu deren Finanzierung sie in keinster Weise beitragen und nur Kassierer sind, die sich lebenslang durchfüttern und die Lebenshaltungskosten finanzieren lassen.

    Die Reichen halten wenigstens das große Rad am Laufen, während sich´s die Armen und H4ler in ihrer alimentierten Armut bequem machen.

  • 08.11.2010, 10:41 UhrAnonymer Benutzer: Rumpelstilzchen

    Sinn macht eine kommunale Einkommensteuer mal wieder nur für die Reichen. Die leben in ihren Ghettos und muessen dann wenig Steuer bezahlen (jedenfalls in %). Die bewohner von sozialen brennpunkten mit vielen H4lern, Migranten usw. in den grossen Staedten sollen die Rechnung bezahlen. Man kann nur hoffen, dass der irrsinnige Vorschlag von Schäuble verfassungswidrig ist!

  • 06.11.2010, 11:59 UhrAnonymer Benutzer: hagen tunt

    Das Zuschlagsrecht wird dazu führen, dass die Minderheit der Steuerzahler auch noch in den Gemeinden von der Mehrheiten, die Umverteilungskoalitionen bilden, ausgenutzt wird. Der Wettbewerb kann es nicht richten, denn der wohlhabende Einwohner ist oft immobilienbesitzer und kann nicht einfach abwandern (der Mieter dagegen schon).

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.