Steuersünder, Reichensteuer: Das neue Bellen und Beißen der SPD

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Steuersünder, Reichensteuer: Das neue Bellen und Beißen der SPD

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Verschwörung gegen Steuersünder. Finanzminister Norbert Walter-Borjans und Hannelore Kraft

von Konrad Fischer, Christian Ramthun und Cornelia Schmergal

Minister Norbert Walter-Borjans hat den Ruf seines Hauses erweitert: Als Trutzburg im Kampf gegen den Steuerbetrüger, Heimstatt des Robin Hood der Steuerehrlichen. Mit Hannelore Kraft bildet er eine kongeniale Partnerschaft im SPD-Wahlkampf: Berlin schimpft auf Vermögende, NRW liefert die passenden Nachrichten dazu.

Lange stützte sich der besondere Ruf des Düsseldorfer Finanzministeriums vor allem auf das Menü der Behördenkantine. Fernab des Regierungsviertels der Landeshauptstadt im Stadtteil Pempelfort gelegen, strömen die beschlipsten Büroarbeiter aus den umliegenden Kanzleien und Unternehmensberatungen zuverlässig jeden Mittwoch ins Ministerium, der Currywurst wegen. Minister Norbert Walter-Borjans (SPD) wird zwar eine Schwäche für die Mantaplatte nachgesagt, den Ruf seines Hauses hat er um eine ganz andere Komponente ergänzt: Als Trutzburg im Kampf gegen den Steuerbetrüger, Heimstatt des Robin Hood der Steuerehrlichen.

Gerade wieder hat der Minister sich öffentlichkeitswirksam zum Kauf von Daten aus dem Besitz Schweizer Banken bekannt, gegen den erklärten Willen der Bundesregierung will er daran festhalten. Und er ist damit mehr als ein polternder Landesminister, der auf ein paar Millionen Euro für seinen hoch verschuldeten Haushalt hofft. Denn zwischen Berliner Willy-Brandt-Haus und Düsseldorfer Staatskanzlei ist abgestimmt: NRW liefert die schmerzhaften Bisse zum Gebell der Parteispitze.

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Was die SPD will - Beschlüsse des Parteitags

  • Eurokrise

    Die SPD fordert ein Aufbauprogramm für Krisenländer, statt sie kaputt zu sparen. Die deutsche Wirtschaft könnte sonst Märkte verlieren. Um die Verschuldung in EU-Staaten wie Griechenland zurückzufahren, soll es eine Regelung für Altschulden durch einen Schuldentilgungsfonds geben. Der europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) soll zu einem Europäischen Währungsfonds werden, um besser gewappnet zu sein gegen Finanzkrisen. Die EU soll einen Präsidenten bekommen, um besser und klarer entscheiden zu können.

  • Europa

    Die SPD will mehr Europa und Solidarität mit Schuldenstaaten. Aber unter strengen Auflagen: Krisenstaaten, die den Rettungsschirm beanspruchen, sollen ihre Souveränität in der Stabilitäts- und Finanzpolitik teilweise aufgeben. Die internationalen Finanzmärkte sollen an die Leine genommen werden und private Gläubiger stärker beteiligt werden, um Risiken vom Steuerzahler zu nehmen. Überall soll es eine Pflicht zum Schuldenabbau in den Haushalten geben.

  • Finanzen und Steuern (noch nicht beschlossen)

    Bezieher höherer Einkommen sollen mehr zur Kasse gebeten werden, etwa durch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent ab einem Einkommen von 100.000 Euro für Ledige (bisher rund 53.000)und 200.000 Euro für Verheiratete. Bekräftigt wird die schon 2009 beschlossene Forderung nach Wiedereinführung der 1996 abgeschafften privaten Vermögensteuer mit hohen Freibeträgen. Die Abgeltungssteuer für private Kapitaleinkünfte (Zinsen, Dividenden, Wertpapiere) soll von 25 auf 32 Prozent erhöht werden. Der Parteilinken ist das zu wenig.

  • Direkte Demokratie

    Die SPD plädiert erstmals für eine weitreichende direkte Bürgerbeteiligung bei wichtigen Sachfragen. Dazu sind auch Volksentscheide auf Bundesebene vorgesehen. Am Anfang soll es eine Volksinitiative an das Parlament geben. Stößt das Anliegen dort auf keine Zustimmung, kann ein Volksbegehren folgen.

  • Familie und Kinder

    Familien mit einem Monatseinkommen von unter 3000 Euro will die SPD deutlich besserstellen. Das Kindergeld von derzeit 184 Euro soll mit dem bisherigen Kinderzuschlag für Bedürftige (bis zu 140 Euro) zusammengefasst werden. Je nach Einkommen könnte dies auf einen Betrag pro Kind von bis zu 324 Euro monatlich hinauslaufen. Das Elterngeld soll langfristig ausgeweitet werden.

  • Bildung

    Geplant ist ein Rechtsanspruch auf Ganztagsangebote in Kitas und Schulen bis 2020. Die Investitionen für Bildung sollen auf 20 Milliarden Euro pro Jahr erhöht werden. Davon soll der Bund zehn Milliarden Euro übernehmen. Die andere Hälfte sollen die Länder nach Wiedereinführung der Vermögensteuer aufbringen.

  • Arbeit

    Die SPD will den Wert der Arbeit stärken und drängt auf mehr unbefristete, sozial abgesicherte Beschäftigungen. Um den Missbrauch von Minijobs einzudämmen, soll die Wochenarbeitszeit für solche Tätigkeiten auf zwölf Stunden begrenzt werden. Leiharbeiter sollen bei Löhnen mit den Stammbelegschaften gleichgestellt werden. Das Motto lautet: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“.

  • Rente

    Die SPD hält an der Forderung fest, den 2012 beginnenden Einstieg in die Rente mit 67 auszusetzen. Der Übergang in die Rente soll flexibler und die Teilrente ab 60 vereinfacht werden. Die Parteilinke wollte, dass das Niveau der Altersbezüge dauerhaft auf den heutigen Stand festgeschrieben wird. Gesetzlich ist bis 2030 die Absenkung von derzeit über 50 auf 43 Prozent gemessen am Einkommen während der Berufstätigkeit vorgesehen. Angenommen wurde ein Vorschlag, bis zum Frühjahr 2012 die Ergebnisse einer SPD-Kommission abzuwarten. Die SPD-Spitze hatte vor vielen Milliarden Euro an Mehrkosten und unrealistischen Versprechen gewarnt.

  • Gesundheit (noch nicht beschlossen)

    Mit der Bürgerversicherung will die SPD die unterschiedliche Versorgung von gesetzlich und privat Versicherten beenden. Alle Bürger sollen auf ihre Einkommen grundsätzlich einen Beitrag von etwa 7,6 (statt bislang 8,2) Prozent des Bruttolohns bezahlen. Zur Finanzierung der Kassen sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder zu gleichen Teilen beitragen. Dazu käme ein Steuerzuschuss. Ärzte sollen, unabhängig vom Kassenstatus, für jeden Patienten die gleiche Vergütung erhalten.

  • Energie und Umwelt

    Im Zuge der Energiewende will die SPD den Marktanteil der Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall binnen zehn Jahren auf unter 50 Prozent drücken und die Stadtwerke stärken. Zuschüsse zu Kraftwerksneubauten von bis zu 15 Prozent der Kosten sollen nur kleine und mittlere Versorger bekommen. Ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen soll den Verbrauch senken und das Klima schützen. Im Strombereich soll es bereits bis 2020 einen Anteil der Erneuerbaren Energien von 40 bis 45 Prozent geben.

  • Innen und Recht (noch nicht beschlossen)

    Wie die Grünen will auch die SPD das Wahlalter generell auf 16 Jahre senken. Die doppelte Staatsbürgerschaft soll zugelassen werden. Homosexuelle sollen im Adoptionsrecht gleichgestellt werden. Die maximale Aufbewahrungspflicht von Kommunikationsdaten soll von sechs auf drei Monate gesenkt werden. Ein NPD-Verbot ist bereits SPD-Beschlusslage.

  • Parteireform

    Die SPD-Mitglieder sollen künftig bei der Aufstellung von Kandidaten für öffentliche Ämter und Mandate oder bei der Wahl eines Vorsitzenden auf der jeweiligen Ebene mitentscheiden können. Der Vorstand wird von 45 auf 35 Mitglieder verkleinert, das Präsidium abgeschafft. Im Vorstand gilt eine Migrantenquote von 15 Prozent.

So entwickelt sich ein munteres Pingpongspiel. Kurz nachdem im Juli CD-Ankäufe durch das NRW-Finanzministerium bekannt werden, legt Parteichef Sigmar Gabriel ein Papier zur Bankenregulierung vor. Tage später ist es der NRW-Minister Walter-Borjans, der von Anzeichen dafür zu berichten weiß, dass die Schweizer Banken Schwarzgeld in andere Steuerparadiese verschöben. Am Ende untermauert eine Umfrage den Erfolg: 56 Prozent der Deutschen befürworten den Kauf von Steuerdaten, nur jeder dritte lehnt ab.

Wenn es um das Steuerabkommen mit der Schweiz geht, haben die SPD-Länder Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der Hand. Denn der Bundesrat muss dem bilateralen Vertrag zustimmen. Dort aber sind die Mehrheitsverhältnisse eindeutig: Schwarz-Gelb verfügt nur über 21 Mandate, nötig für die absolute Mehrheit sind 35. Schäuble wird mindestens vier der fünf Länder mit großen Koalitionen davon überzeugen müssen, dem Abkommen zuzustimmen. Bei einer ersten Stellungnahme des Bundesrats im Mai hatten die sich jedoch allesamt enthalten.

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