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Straße, Bahn, Luftverkehr: Wie unsere Infrastruktur kaputtgespart wird

von Christian Schlesiger, Rüdiger Kiani-Kreß, Max Haerder und Roland Tichy

Die deutschen Verkehrsnetze verkommen infolge Geldmangel, Ineffizienz und umständlicher Planung. Und das schon seit Langem. Wenn aus den Winterwunden der vergangenen Wochen nicht bald Lehren gezogen, droht Stillstand.

Ein tiefes Schlagloch ist auf Quelle: dpa/dpaweb
Ein tiefes Schlagloch ist auf einer Straße in Frankfurt (Oder) zu sehen. Quelle: dpa/dpaweb

Wenn Harald Kraus gewusst hätte, auf was er sich da einließ, vielleicht hätte er gar nicht erst Ja gesagt. Aber Ehrenamt ist eine Ehre, so sieht er das. Kraus, 62 Jahre, ist Schlaglochbeauftragter des Auto Club Europa (ACE). Wann immer jemand im Land über ramponierte Straßen rumpelt und sich per ACE-Internet-Formular beschwert, blinkt bei Kraus zu Hause wenig später eine E-Mail auf. Und zurzeit rumpelt und blinkt es ziemlich häufig. In Kraus’ Posteingang türmen sich fünfmal mehr Beschwerden als sonst. Also heißt es abarbeiten: Die zuständige Behörde ausfindig machen, eine offizielle Schadensmeldung formulieren, versenden. Das dauert pro Loch 30 Minuten, man will es ja anständig machen. „Ich habe“, sagt Kraus, „Sonderkonjunktur“. Nur: Freude klingt anders.

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Es geht an die Substanz

Alleine ist er damit nicht. Der zweite eisige Winter in Folge führt die deutsche Infrastruktur überall an die Grenzen ihrer Belastbarkeit – und mit ihr Pendler, Unternehmer, Urlauber. In Niedersachsen musste Anfang Januar ein Abschnitt der Autobahn A 7 gesperrt werden, weil Risse und Löcher die Piste unbefahrbar machten. Ungeräumter Schnee und fehlende Enteisungsmittel sorgten auf Airports für Chaos. Reisende, die ausweichen wollten, blieben zwischen Berlin und Hannover wegen gefrorener Oberleitungen gleich mit fünf ICEs stecken. Und bei der Berliner S-Bahn erlebt der Staatskonzern derzeit ein Nahverkehrsdebakel.

Der Winter ist ein Härtetest besonderer Art. Doch die Wahrheit – jenseits von Eis und Schnee – ist weitaus härter: Die dichte Verkehrsinfrastruktur hierzulande, bisher Stolz und Pfund des Standorts Deutschland, wird langsam, aber sicher verschlissen. Die Republik bröckelt.

Mittlerweile geht es um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Tieferlegung von Elbe und Weser, Hinterlandanbindung der Häfen und Güterverkehrskorridore auf der Schiene – die Probleme sind bekannt. Doch die Politik tut viel zu wenig. „Die jetzigen Planungen sind ein Minimalansatz“, warnt Detthold Aden, Chef des Bremer Logistikunternehmens BLG Logistics. Werden sie nicht umgesetzt, drohe „ein Existenzproblem“. Die Infrastruktur sei „auf Kante genäht“.

Wie sehr, merkt mittlerweile auch Mathias Krage. Krage ist Chef der gleichnamigen Spedition in Hannover und -Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes. Er betreibt rund 100 Lkws und würde gerne einen Teil seiner Ladung auf die Schiene setzen. Ersatzteile und Maschinen müssten regelmäßig transportiert werden, doch die Zeiten, in denen er dafür die Bahn nutzen konnte, sind vorbei. Die Beförderungszeiten „entsprechen nicht den Markterfordernissen“, sagt Krage.

Freunde der verkehrspolitischen Wahrheit müssten dem Winter deshalb dankbar sein. Mehr Aufmerksamkeit für die nackte Not war selten: Seit Jahren fordern Experten und Verkehrsverbände vom Staat unisono mindestens zwölf Milliarden Euro pro Jahr, um die meist belasteten Verkehrsadern zu sanieren und Flaschenhälse zu sprengen. Genähert hat sich der Bund dieser Summe nur in den von den Konjunkturpaketen gesegneten Jahren 2009 und 2010. Ansonsten stagnierten die Mittel unter zehn Milliarden – und das trotz der 2005 eingeführten Lkw-Maut.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.01.2011, 22:06 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    @Ramos: Man muss die bahnchefs mal live bei einem Meeting (insbesondere in Osteuropa) erleben: mehr Arroganz geht nicht. Scheinbar ist das Selbstbild der "bahn-Entscheider" etwas verstellt.

    Oder nicht, wenn man bedenkt, wie unglaublich viel diese Gartenzwerge verdienen.

  • 23.01.2011, 21:22 UhrAnonymer Benutzer: Ramos

    Der Unterschied zwischen den "bahn-Entscheidern" und einem einfachen "Weichenschmierer" ist der, dass der "bahnentscheider alles weiß und nichts kann. Der "Weichenschmierer" hingegen weiß nichts und kann alles.

  • 21.01.2011, 17:16 UhrAnonymer Benutzer: A2D2

    "Zwar finanziert der bund sein Straßennetz selbst, Planung und bau aber obliegen den Ländern. Nur haben die kein interesse, mit dem berliner Geld besonders wirtschaftlich umzugehen." Das ist das eigentliche Problem.

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