Straßenverkehr: Politiker fordern Countdown-Ampeln zur Bürgererziehung

Straßenverkehr: Politiker fordern Countdown-Ampeln zur Bürgererziehung

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Fußgänger gehen trotz Rotlicht auf einer Ampel mit Countdown über eine Straße in der Innenstadt von Hamburg.

Sie soll Fußgänger und Radfahrer dazu bringen, bei rot stehen zu bleiben: die Countdown-Ampel. Politiker von Union und FDP werben nun für die Lichtsignale mit Sekundenzähler. Berlin will sie testen, Hamburg ist ernüchtert.

Wer einen Computer benutzt, kennt es schon lange: Wenn ein Programm noch etwas Zeit braucht, erscheint auf dem Bildschirm ein Ladebalken. Der zeigt an, wann es weitergeht. Politiker von Union und FDP forderten in der "Saarbrücker Zeitung" nun die Einführung von sogenannten Countdown-Ampeln im Straßenverkehr. „Das ist ein Gewinn für die Verkehrssicherheit", sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic. Die Signale zeigen an, wie viele Sekunden es noch dauert, bis man die Straße überqueren kann.

Das Bundesverkehrsministerium begrüßt diese Initiative, will dazu aber vorerst kein Gesetz erlassen. Die Kommunen sollten selbst entscheiden, ob sie solche Ampeln einsetzen. Die Berliner Stadtverwaltung will solche Ampeln im Rahmen ihrer Verkehrsstrategie testen. Dazu rüstet die Stadtverwaltung ab voraussichtlich Ende September eine Kreuzung mit Countdown-Ampeln aus.

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"Die Zeit vergeht schneller"

In den USA und in Dänemark kommen solche Ampeln schon länger zum Einsatz. Nun wächst auch die Zustimmung in Deutschland. Verkehrspsychologe Egon Stephan von der Universität zu Köln sieht einen positiven Einfluss auf das Verhalten von Fußgängern im Straßenverkehr: "Wenn Passanten wissen, wie lange sie noch warten müssen, fällt es ihnen leichter sich zu gedulden." An der Wartezeit für Fußgänger ändert sich wegen des Sekundenzählers zwar nichts. Don DeVol vom Institut für Verkehrssicherheit in Erfurt sieht für die Fußgänger trotzdem einen psychologischen Effekt: "Die Wartezeit vergeht gefühlt schneller."

Viele Passanten gingen zudem bei Rot über die Straße, weil sie ab einer bestimmten Wartezeit nicht sicher seien, ob die Ampel überhaupt funktioniert, sagt Verkehrsexperte Stephan. Der Sekundenzähler behebe dieses Problem, weil sie den Fußgängern anzeige, dass sie funktioniert. Zudem würden gerade ältere Menschen von der Anzeige profitieren. Sie könnten besser abschätzen, ob sie die Straße in der aktuellen Grünphase noch überqueren können - oder lieber auf die nächste warten.

Hamburg baut ab

In Hamburg wurden Ampeln mit Sekundenzählern schon vor rund zehn Jahren eingeführt. Mittlerweile stehen im Innenstadtbereich nur noch fünf Stück. Laut ADAC war der Test der Countdown-Ampeln in Hamburg zwar erfolgreich. Wesentlich weniger Fußgänger gingen bei Rot über die Ampel. In Hamburg selbst sieht man die Ampeln aber mit gemischten Gefühlen. "Sie schaden nicht, aber sie nützen auch nichts", sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung.

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Im Ausland wesentlich verbreiteter ist die Countdown-Ampel für Kraftfahrzeuge. Das sieht der ADAC kritisch. Wenn diese einen Sekundenzähler habe, führen Autofahrer häufig zu schnell an. Dazu kommt, dass sich Ampeln mit einem Sekundenzähler nur schlecht in eine verkehrsabhängige Ampelschaltung integrieren lassen.

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