Straßenverkehr: Radfahrer sollten rote Ampeln überfahren dürfen

KommentarStraßenverkehr: Radfahrer sollten rote Ampeln überfahren dürfen

von Christian Schlesiger

Wer mit dem Rad fährt, sollte mehr Privilegien im Straßenverkehr erhalten und auch bei rot über die Ampel fahren dürfen. Das könnte mehr Autofahrer zum Umstieg bewegen.

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Rote Ampel, kein Auto weit und breit: Bei leeren Straßen sollten Radfahrer durchfahren dürfen!

Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich stehe mit dem Rad an irgendeiner Ampel in Berlin, doch weder von links noch von rechts nähern sich Autos. Auch Fußgänger sind nicht in Sicht. Trotzdem muss ich ewig auf Grün warten. Was für eine Demütigung eines vernünftigen Menschen.

Radfahrer sollten Privilegien erhalten: Stoppschilder würden zu „Vorfahrt gewähren“-Schilder (an denen die Räder des Fahrrads nicht mehr kurz stillstehen müssen), und rote Ampeln markierten Haltepunkte (halten, aber nicht auf grün warten). Natürlich hätten Radfahrer dann keine Vorfahrt. Natürlich ginge die Sicherheit weiter vor. Rücksicht auf andere bliebe oberste Regel.

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Es ist Zeit für eine modernere Verkehrspolitik. Wer Schadstoffe aus den Innenstädten verbannen will, sollte als Erstes klimafreundliche Mobilität unterstützen: Nahverkehr, Elektromobilität und vor allem Radfahren. Bis heute orientiert sich die Straßenverkehrsordnung nur am Primat des motorisierten Individualverkehrs. Weil Autos schnell, schwer und stärker sind, müssen ihre Fahrer durch Ampeln gesteuert werden. Das ist richtig, um Gefahren im Straßenverkehr zu minimieren. Doch es ist kein Grund, das auch Radfahrern und Fußgängern zuzumuten.

Fahrrad-Trend Liebe E-Biker: Wir müssen reden!

E-Bikes boomen – doch viele E-Radler übertragen ihre schlechten Manieren von der Autobahn auf den Radweg. "Mein Motor hat ordentlich Watt, ich habe Vorfahrt", scheint die Haltung zu sein. Ein offener Brief eines Radlers.

Ein Prototyp eines E-Bikes, das ohne Kette auskommt. Quelle: REUTERS

Kein vernünftiger Mensch steht mitten in der Nacht an einer leeren Straße bei Rot an einer Fußgängerampel. Man sollte auch Radfahrern diesen kleinkarierten Unsinn nicht aufbürden, solange keine Gefahr droht! Radfahrer bewegen sich anders durch den Straßenverkehr als Autofahrer – schon um sich selbst nicht zu gefährden.

Innovationen beginnen mit radikalen Ideen

Sie sehen aufgrund ihrer aufrechten Sitzposition Kreuzungsbereiche besser ein und hören Gefahrenquellen früher. Sie bremsen schneller und können andere Verkehrsteilnehmer wegen ihrer geringen Masse weniger schwer verletzen.

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Freie Fahrt für freie Radler – dieser Gedanke mag viele erschrecken. Mobilitätsforscher haben für solche Vorschläge Kritik einstecken müssen. Aber Innovationen beginnen mit radikalen Ideen. Den Kreisverkehr haben Experten auch abgelehnt. Heute wissen wir: Er lenkt Autos effektiver als eine Kreuzung.

Die Politik sollte Radfahrern mehr zutrauen. Kopenhagen widmet jedes Jahr ein Prozent der öffentlichen Fläche von Autostraßen in Radwege um. Die Gesellschaft profitiert: Fast 50 Prozent der Wege legen die dänischen Hauptstädter auf zwei Rädern zurück, in Berlin sind es 13 Prozent.

Wem der Ampel-Ansatz zu radikal ist: Ein grüner Pfeil für Radfahrer, der das Überqueren von Kreuzungen und Rechtsabbiegen erlaubt, wäre ein Anfang. Einen Rechtsabbiegen-Pfeil für alle gibt es ja schon. Doch er wird kaum angewendet. Die Politik sollte ihn für Radfahrer reaktivieren.

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