Streik an Schulen: Lehrer sollten besser Beamte sein

ThemaBildung

KommentarStreik an Schulen: Lehrer sollten besser Beamte sein

von Ferdinand Knauß

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst, unter denen auch Schulen leiden, sollten ein Anlass sein, über den Beamtenstatus der Lehrer neu nachzudenken. Nirgendwo sonst brauchen wir Beamte so dringend wie an Schulen.

Wenn Angestellte des Küstenschutzes, einer Straßenmeisterei oder der Verwaltung einer Landesbehörde streiken, bekommen die meisten Bürger davon nicht viel mit. Der Deich, die Straße und das Antragsformular können einen Tag Pause verkraften.

Anders ist das bei Lehrern. Schon die Ankündigung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass sich angestellte Lehrer mehrerer Bundesländer in dieser Woche an Warnstreiks beteiligen sollen, sorgte für besondere Aufregung. Was passiert dann bloß mit den unbetreuten Schulkindern? Gibt es nicht ohnehin schon zu viel Unterrichtsausfall?

Anzeige

Glücklicherweise ist in den meisten Bundesländern noch die große Mehrheit der Lehrer, rund 650.000, verbeamtet. Etwa 200.000 sind angestellt. Die Kinder werden also vermutlich in den nächsten Tagen nirgendwo vor verschlossenen Türen stehen. Sie werden allenfalls die eine oder andere Stunde mit einem - verbeamteten - Vertretungslehrer vorlieb nehmen müssen und vielleicht in Einzelfällen mal ein oder zwei Stunden früher bei den Eltern oder der Ganztagsbetreuung anklopfen.

Doch die Einbußen am Lernstoff werden spürbar sein. Die Bildung der Schüler wird also behandelt wie eine beliebige Ware oder Dienstleistung im Wirtschaftsverkehr. Das ist sie natürlich nicht. Schulunterricht für Kinder ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht.

Der Arbeitskampf der angestellten Lehrer sollte daher über die konkreten Tarifbedingungen hinaus Anlass sein, eine grundsätzliche Frage der Bildungspolitik wieder auf die Tagesordnung zu setzen: Sollten Schullehrer nicht bundesweit im Regelfall verbeamtet sein? Es gibt gute Gründe dafür, in dem, was Lehrer an allgemeinbildenden Schulen tun, eine hoheitliche und damit eine Aufgabe für Beamte zu sehen. Den heranwachsenden, zukünftigen Bürgern die Grundlagen von Bildung zu vermitteln, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben als Mensch und Bürger ermöglicht, ist eine Aufgabe, die in einem modernen Staatswesen keine Privatsache sein kann.

Was Heranwachsende in Schulen lernen, ist von fundamentaler Bedeutung für sie selbst und die Zukunft einer Gesellschaft. Deswegen war seit dem frühen 19. Jahrhundert, als die Staaten die Schulpflicht einführten, der Lehrer ein Beamter. Ein Mensch also, der dem Staat in einem besonderen, gegenseitigen Treueverhältnis verbunden ist. Neben dem Dorfpolizisten war der Dorflehrer meist die Personifikation des Staates im Dorf.

Der Grund dafür, dass in jüngerer Vergangenheit einige Bundesländer den Anteil der nicht verbeamteten Lehrer erhöhten - in Sachsen etwa schaffte man den Beamtenstatus der Lehrer vollständig ab -, ist allein ein finanzieller. Der übermäßige Ausbau des Staatsapparates vor allem in den Siebzigerjahren hat, wie wir heute wissen, die Schmerzgrenze der Finanzierbarkeit überschritten. Die im Vergleich zur Normalrente üppigen Pensionen, neben der Unkündbarkeit das wertvollste Privileg des Beamten, sind eine Billionenschuld. Sie belastet zusätzlich zu den sonstigen Schulden die öffentlichen Haushalte stark. Vermutlich werden, auch wenn es kaum ein Politiker laut sagt, die heute jungen Beamtne und künftigen Pensionäre sehr viel weniger Geld bekommen als die aktuellen Pensionäre.

Weitere Artikel

Sicher ist es richtig, den Anteil der Beamten am öffentlichen Dienst strenger zu begrenzen. Doch das Kriterium dafür sollte eben nicht die kurzfristige politische Durchsetzbarkeit sein. Das sinkende öffentliche Ansehen des Lehrerberufs und das Ressentiment vieler Menschen gegen die "Pauker", die angeblich "vormittags recht und nachmittags frei" haben, erleichterte leider den Landesregierungen den Abbau des Beamtenanteils. Dabei ging die eigentliche Bedeutung des Beamtenstatus, der eben nicht nur mit Versorgungsprivilegien, sondern auch mit besonderen Pflichten verbunden ist, in der öffentlichen Debatte verloren.

Beamte sind nicht willkürlich privilegierte Pfründenempfänger - zumindest sollten sie es nicht sein. Sondern besonders treue Diener des Staates und seiner Bürger. Und an kaum einem anderen Einsatzort braucht die Gesellschaft sie so sehr wie an Schulen. Wenn jetzt der Sohn oder die Tochter wegen streikbedingtem Unterrichtsausfall früher auf der Matte steht, sollten Eltern ihre Wut auf die angestellten Lehrer also zügeln und sie eher gegen kurzsichtige Landespolitiker richten.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%