Streit um Pacht: Abwicklung des Nürburgrings stockt

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exklusivStreit um Pacht: Abwicklung des Nürburgrings stockt

von Florian Zerfaß

Am Mittwoch sollten die privaten Betreiber den Nürburgring verlassen. Doch der Zeitplan haut nicht hin. Woran es liegt – und warum für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ein Umzug nach Hockenheim die beste Lösung ist.

Sie sind noch gar nicht weg, da wird auf ihrer eigenen Facebook-Seite schon ihr Abschied besungen. "Netter Titel zum wörtlich nehmen", schreibt da ein User auf der Nürburgring-Pinnwand und verlinkt dazu das Youtube-Video des Songs "You have to go". Gemeint sind die privaten Pächter des Rings, Jörg Lindner und Kai Richter. Ihnen gibt der kecke Facebook-User den Hinweis: "Nicht vergessen: Morgen ist Stichtag!" Inzwischen überbieten sich Nutzer damit, Musikvideos an die Nürburgring-Pinnwand zu posten. Von "Sag beim Abschied leise Servus", einem Schinken aus dem Jahr 1932, über "Never Come Back" bis zum unvermeidlichen "Time To Say Goodbye."

Noch aber ist offen, wann die Zeit tatsächlich gekommen ist. Im Februar hatte die staatliche Nürburgring GmbH – Eigentümerin der Rennstrecken am Nürburgring sowie der gigantischen Business- und Freizeit-Fehlbauten –  den privaten Betreibern gekündigt, der Nürburgring Automotive GmbH (NAG). Sie gehört jeweils zur Hälfte der Düsseldorfer Lindner-Hotelgruppe sowie der Firma Mediinvest des Düsseldorfer Projektentwicklers Kai Richter und hat den Ring seit Mai 2010 gepachtet. Die inzwischen insolventen Verpächter sehen sich um ihre Pacht geprellt, die Betreiber bestreiten die Forderung. Eine Räumungsklage der Nürburgring GmbH sowie eine Klage auf Zahlung ausstehender Pacht beschäftigen derzeit das Landgericht Koblenz, parallel dazu verhandeln beide Seiten über eine gütliche Einigung.

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Der Zeitplan haut nicht hin

Die Verhandlungen, so ist aus beiden Ecken zu hören, laufen auf Hochtouren und eine Einigung ist nicht allzu fern. Klar ist allerdings, dass der ursprünglich anvisierte Zeitplan bis 31. Oktober 2012 nicht hin haut. Demnach hätten die Pächter den Ring bis Mittwoch Abend räumen sollen, in der Nacht auf morgen wäre der Ring an die Verpächter zurückgefallen. "Diese Woche wird nichts mehr unterschrieben", teilte ein Sprecher von Lindner/Richter auf Nachfrage mit. "Frühestens nächste Woche geht es mit den Verhandlungen weiter." Ein Sprecher der vorläufigen Insolvenzverwalter Jens Lieser und Thomas Schmidt bestätigte die Angaben. Kommenden Mittwoch solle es ein weiteres Treffen geben. Bis dahin tauschen die Anwälte weiter Schriftsätze aus. Es gibt noch strittige Punkte.

Da ist insbesondere die prominenteste Veranstaltung auf dem Ring: Das Formel-1-Rennen. Seit der Saison 2007 wechseln sich Hockenheimring und Nürburgring jährlich mit der Ausrichtung des Großen Preises von Deutschland ab, 2013 wäre eigentlich der Nürburgring an der Reihe. Doch während Hockenheim noch einen Vertrag für die Rennen 2014, 2016 und 2018 mit F1-Boss Bernie Ecclestone hat, lief der Vertrag des Nürburgrings mit dem Rennen im Juli 2011 aus. Verhandlungen über eine Verlängerung waren bisher nicht erfolgreich.

Für Ecclestone führt der sicherste Weg über Hockenheim

Gesprächspartner für Ecclestone sind trotz Kündigung die privaten Pächter. Sie wollen einen längerfristigen Vertrag für den Nürburgring aushandeln – und sich über die Formel 1 auch bei einer möglichen Räumung weiterhin den Ring als Geldquelle erhalten. "Selbstverständlich würden Lindner und Richter als lokaler Partner an der Ausrichtung der Formel 1-Rennen beteiligt sein, wenn sie den neuen Vertrag aushandeln", teilt ihr Sprecher auf Anfrage der WirtschaftsWoche mit.

Doch Bernie Ecclestone schaut sich längst aktiver denn je nach Alternativen um. Vergangene Woche bestätigte er der WirtschaftsWoche, dass er nun auch Gespräche mit Hockenheim über die Ausrichtung des F1-Rennens 2013 führt. Das Rotationsmodell mit dem Wechsel zwischen Nürburgring und Hockenheimring wäre damit vorerst beendet. Auch wenn Verpächter wie Pächter derzeit betonen, dass es noch keine Absage von Ecclestone gebe und man weiter auf eine Formel-1-Zukunft am Nürburgring hoffe: Für den Briten führt der sicherste Weg nach Hockenheim.

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