Streit um Stuttgart 21: Geißler 21

KommentarStreit um Stuttgart 21: Geißler 21

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Heiner Geißler bevor er das Ergebnis der Schlichtungsgespräche zum umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 verkündet

von Max Haerder

Der Schlichter Heiner Geißler hat sein Urteil gesprochen: Das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 muss weitergebaut werden. Am Ende der Gespräche ist der Bahnhof nicht mehr der gleiche, der er vor den Gesprächen war. Zum Glück! Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Max Haerder.

Man sollte sich vielleicht noch einmal in Erinnerung rufen, was im Schwäbischen los war, bevor Heiner Geißlers mit der Schlichtung begann. Im Stuttgart lieferten sich Demonstranten und Polizisten blutige Auseinandersetzungen. Die Debatte um einen Bahnhof und eine dazugehörige Bahnstrecke wurde dominiert von Beleidigungen und Unterstellungen, von Aggression und  Verachtung. Das Vokabular - Baustopp ohne Vorbedingungen, Moratorium, Baggerbisse, Schändung – klang weniger nach Stuttgart als nach Nahostkonflikt.

All das hat es in den vergangenen sechs Wochen der Schlichtung nicht mehr gegeben. Das ist, jenseits des Ergebnisses, überhaupt schon ein Erfolg. Heiner Geißler hat mit seiner schroffen Art, den Stellvertreter aller Bürger zu geben, seinen Anteil daran. Doch entscheidend war vor allem die Einsicht aller Beteiligten, dass Stuttgart 21 eines unerprobten Verfahrens bedurfte.

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Ein Kompromiss, hieß es dauernd, sei nicht möglich. Doch der Schlichterspruch ist genau dies. Der Bahnhof soll weitergebaut werden, ja. Doch die Kritiker des neuen Tief- und Durchgangsbahnhofs wurden durch den Schlichterprozess nicht nur aufgewertet. Ihre ebenbürtige Gegen-Expertise und ihre inhaltliche Hartnäckigkeit haben zu Einsichten geführt, die bestehende Mängel der bisherigen Planungen beseitigen werden. Damit werden sie zu Partnern des Projektes.

Partner werden Kritiker

Für Bahn, Stadt und Landespolitik gibt es hinter das neue Niveau der Zusammenarbeit kein denkbares Zurück. Die Projektgegner ihrerseits, die den Geißlerschen Schlichterspruch samt dessen Vorschlägen akzeptierten, können nun nicht mehr so tun, als ob sie mit dem neuen Bahnhof nichts zu tun hätten.

Nun kommt der wirkliche Test des Stuttgarter Modells. Er findet dort statt, wo alles angefangen hat: auf der Straße und im Stuttgarter Schlosspark. Wenn nun die Bahn die Bauarbeiten wieder aufnimmt, wird sich zeigen, ob der Protest nur noch die letzten Radikalen mobilisieren kann. Oder nicht doch noch ein paar mehr. Dann erst wird man sehen, ob Heiner Geißler nicht nur eine schwäbische Situation, sondern nachhaltig geschlichtet hat.

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