Strombörse: Wer am Stromhandel verdient

Strombörse: Wer am Stromhandel verdient

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Strommasten bei einem Umspannwerk am Rande von Lübeck

von Martin Gerth

Der Atomausstieg hat den Börsenpreis für Strom um zehn Prozent nach oben getrieben. Wie der Stromhandel an der Börse läuft, wie Spekulanten an ihm verdienen – und warum vor allem private Stromkunden die Energiewende am Ende bezahlen werden.

Bert Murray wirft einen Blick nach links oben. Blitzschnell checkt er auf einem seiner fünf Monitore, wie viel Strom die Kraftwerke von RWE, der französischen EDF oder der italienischen Eni gerade in dieser Minute ins europäische Stromnetz einspeisen. Die kostbaren Daten liefern ihm Geräte, die spezialisierte Dienstleister auf Äckern und Wiesen platziert haben, um mit ihnen die elektromagnetischen Felder von Hochspannungsleitungen zu messen.

Murray ist Stromhändler im Düsseldorfer Handelsraum („Trading Floor“) des Versorgers E.On. Er muss wissen, ob in Italien gerade ein Gaskraftwerk zugeschaltet wird, in Polen ein Braunkohlekraftwerk auf halber Kraft fährt oder die Loire in Frankreich gerade zu wenig (Kühl-)Wasser führt. All dies ist relevant für den Strompreis – und Murray verkauft Strom, jeden Tag. Immerhin zwei Drittel der von E.On jährlich produzierten 1000 Milliarden Kilowattstunden verkaufen die Düsseldorfer – direkt an andere Versorger, Stromhändler und Stadtwerke oder über die Börse.

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Bei E.On machen Murray und seine 220 Händler-Kollegen im Konzert mit den Handelspartnern am anderen Ende ihrer Leitungen den Strompreis jede Sekunde sichtbar. Die permanent an der Börse ermittelten aktuellen Strompreise (Spotpreise) und mehr noch die Preise der Terminkontrakte, die signalisieren, zu welchem Preis eine feste Menge Strom in sechs oder zwölf Monaten geliefert werden muss, geben wertvolle Hinweise darauf, wo die Reise beim Strompreis hingeht. Die für Deutschland beschlossene Energiewende, weg von der Atomkraft, hin zu erneuerbaren Energien, hat den Milliardenmarkt kräftig durcheinandergewirbelt. Versorger müssen umbauen und neu rechnen, Stromhändler, Banken und Spekulanten mischen mit – alles in einem Geschäft, das noch immer weitgehend im Verborgenen blüht. Wie also läuft der Stromhandel? Wer profitiert davon – und welche Preissignale liefern die Strombörsen?

Die Börse zeigt, wohin die Reise geht

Am 15. März, einen Tag, nachdem die Bundesregierung verkündet hatte, sieben ältere Atomkraftwerke abschalten zu wollen, glühten an der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) die Drähte. Der Strompreis für das kommende Jahr schoss am Terminmarkt um sieben Prozent nach oben. „Wir verbuchten 3,5 Mal so viel Umsatz wie an einem durchschnittlichen Börsentag“, sagt EEX-Geschäftsführer Oliver Maibaum – Kontrakte in Höhe von rund 19 Milliarden Kilowattstunden wurden gehandelt.

Was war passiert? Vor dem Erdbeben in Fukushima hatten die Versorger damit gerechnet, ihre längst abgeschriebenen Atommeiler länger laufen lassen zu können. Entsprechend günstig hatten sie ihre Kontrakte für Stromlieferungen in den kommenden Jahren verkauft.

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