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Stromkosten-Prognosen: Ohne Kernkraft verliert das Wachstum an Dynamik

von Dieter Dürand

Studien zeigen: Die Verlängung der AKW-Laufzeiten bringt der Wirtschaft billigeren Strom und erhöht so die Wettbewerbsfähigkeit.

Produktionskosten
Produktionskosten

Auf die erneuerbaren Energien lässt Claudia Kemfert nichts kommen. „Der Nutzung von Wind und Sonne gehört die Zukunft“, sagt die Umweltökonomin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Dennoch ist sie dafür, die Laufzeiten der 19 deutschen Atomkraftwerke zu verlängern.

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Andernfalls, so meint sie, würde der grüne Umstieg zu teuer: Würde der letzte Meiler, wie im Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Bundesregierung festgelegt, voraussichtlich 2021 vom Netz gehen, verteuerte das Kemfert zufolge die Rechnung der privaten tromkunden um 18 Prozent. Der Preisschub hat mehrere Gründe. Mit der Kernkraft fiele der billigste Energieträger weg, der 2009 fast ein Viertel des deutschen Strombedarfs deckte.

Experten schätzen die Produktionskosten je Kilowattstunde Atomstrom auf weniger als zwei Cent. Braun- und Steinkohle sind mit durchschnittlich vier beziehungsweise fünf Cent mindestens doppelt so teuer; Windstrom kommt auf 8,6 Cent und Solarstrom gar auf 44 Cent. Das Abschalten der am preiswertesten produzierenden Kraftwerke treibt zwangsläufig den Strompreis in die Höhe (siehe Grafik).

Strompreis 2009
Strompreis 2009

Nach den DIW-Berechnungen müssten vor allem neue Kohlekraftwerke die stillgelegten Atomanlagen ersetzen. Die Neubauten trieben den Strompreis weiter nach oben. Außerdem müssen die Betreiber ab 2013 für jede Tonne CO2-Emissionszertifikate kaufen.

Den künftigen Preis dafür schätzt das DIW auf mindestens 22 Euro je Tonne. Das könnte die Erzeugung um mehr als 1,8 Cent je Kilowattstunde verteuern. Bei einem Emissionspreis von 50 Euro je Tonne wären es sogar fast 4,2 Cent. Der Schaden für die Wirtschaft wäre groß.

Wie groß, zeigt eine neue Studie führender Energieexperten für das Bundeswirtschaftsministerium, an der das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) mitgewirkt hat.

Um bis zu knapp einem Cent verbilligt sich demnach die Kilowattstunde bei längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke.

Ergebnis wären preiswertere Industrieprodukte und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Bis 2030, so die Wissenschaftler, ließen sich so zusätzlich Waren und Dienstleistungen im Wert von bis zu 295 Milliarden Euro verkaufen – das Bruttoinlandsprodukt würde um beinahe ein zusätzliches Prozent steigen.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.10.2010, 15:52 UhrAnonymer Benutzer: nicolo

    Jetzt ist es richtig:

    "Um bis zu knapp einem Cent verbilligt sich demnach die Kilowattstunde bei längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke."

    Fragt sich jetzt nur noch, ob ein Cent / kWh (theoretische) Preissenkung ausreichend ist für die bevölkerung, eine Laufzeitverlängerung zu goutieren?!

  • 30.09.2010, 17:20 UhrAnonymer Benutzer: nicolo

    Ein hanebüchener Fehler der Redaktion!! Denn, das Gutachten des RWi behauptet nicht, dass eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke den Strompreis im Vergleich zum ursprünglich geplanten früheren Abschalten um bis zu neun Cent je Kilowattstunde verbilligt! Ein schneller blick in die Studie beweist (Seite S3), dass die "Strompreise gegenüber der Referenzprognose um bis zu 9 € /MWh niedriger ausfallen werden." 9 € / MWh entsprechen allerdings nur 0,9 Cent / kWh, und eben nicht neun Cent!!!
    So kann man auch Meinungsmache betreiben?!

  • 30.08.2010, 19:09 UhrAnonymer Benutzer: nicolo

    Was soll das denn? Hat die Regierung zuviel Geld? Erst wird mit großem brimborium ein Gutachten von EWi und Prognos zu den AKW-Laufzeiten in Auftrag gegeben und Monate vorweg groß angekündigt, und dann taucht quasi über Nacht noch ein Gutachten von RWi zum gleichen Thema auf? Ein höchst Zweifelhaftes noch dazu! Um bis zu neun Cent soll also die Kilowattstunde Strom bei einer Laufzeitverlängerung billiger werden. Na super, vielleicht kann mir jemand verraten, wie etwas neun Cent billiger werden kann, wenn es nur 6,9 Cent kostet (s.o.)?!
    Vor drei Tagen meldete das Handelsblatt, dass laut Gutachten von EWi und Prognos von einer Laufzeitverlängerung weder nennenswerte Änderungen des Strompreises noch bei der Versorgungssicherheit zu erwarten sind. Die Atomkraft wird damit als "brückentechnologie" gemäß der beschlusslage des bundesparteitags der CDU nicht mehr gebraucht!! Und die CO²-Ersparnisse resultieren einzig und allein aus den Vorgaben der bundesregierung für die Gutachter und sind somit in ihrer Aussagekraft wertlos!
    Die bundesregierung sollte erkennen, dass sie sich im Nirwana verrannt hat und die Aktion "Laufzeitverlängerung" abblasen. Es fordert zwar Selbstüberwindung, sich seinen Fehler einzugestehen, aber besser spät als nie.

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