Stromnetzausbau: Erste Korridor-Vorschläge für Nord-Süd-Stromtrassen

Stromnetzausbau: Erste Korridor-Vorschläge für Nord-Süd-Stromtrassen

, aktualisiert 27. September 2016, 18:19 Uhr
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Die neuen Trassen sollen Strom vor allem aus Windparks im Norden und Osten in den industriereichen Süden transportieren.

Quelle:Handelsblatt Online

Erdkabel statt „Monstertrassen“ – mit dieser Formel will die Politik die Blockade beim dringend nötigen Ausbau der Stromnetze auflösen. Dass dies länger dauert und für Stromkunden teurer wird, steht jetzt schon fest.

Berlin/MünchenDie Vorschläge der Stromnetzbetreiber Tennet und Transnet für mögliche Erdkabel-Korridore vom Norden in den Süden stoßen bei der bayerischen Staatsregierung auf große Zustimmung. „Wir gehen von einer erheblichen Reduzierung des Widerstandes aus“, sagte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag in München. Sie sei der festen Überzeugung, dass den betroffenen Kommunen, Bürgern und Grundstücksbesitzern eine Erdverkabelung besser zu vermitteln sei als der Bau von bis zu 70 Meter hohen Masten.

Auch die Gesamtkosten für den Bau der beiden Stromautobahnen SuedLink und SuedOstLink mit sechs oder gar sieben Milliarden Euro seien kein Grund für Kritik. Zum einen seien die Investitionskosten auf 40 Jahre angelegt, zum anderen würden Netzengpässe im Falle eines Nichtbaus ebenfalls jährliche Kosten in Milliardenhöhe mit sich bringen. Beide Stromleitungen enden in Bayern, der Suedlink in Unterfranken, der SuedOstLink in Niederbayern, sie sollen den umweltfreundlicheren Windstrom aus dem Norden transportieren.

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Die Vorschläge für die Leitungen sollen nun von der Bundesnetzagentur geprüft und im Dialog mit betroffenen Bürgern diskutiert werden. Der exakte Verlauf der Stromautobahnen soll erst in einigen Jahren festgelegt werden. 2017 werden zunächst die Anträge erwartet. Ein Baubeginn ist frühestens 2020 möglich. Die Leitungen sollen nicht vor 2025 in Betrieb genommen werden.

Die Trassen – je einmal von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg und nach Bayern sowie eine aus Sachsen-Anhalt nach Bayern – sollen Strom aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Windparks, im Norden und Osten in den industriereichen Süden transportieren.

Mit den Stromautobahnen primär unter der Erde soll der stockende Ausbau der Stromnetze vorangetrieben werden. Bürgerproteste gegen die ursprünglich meist als Freileitungen mit Masten geplanten Stromautobahnen sollen verringert werden.


„Die Hauptschlagader der Energiewende“

Das hat allerdings seinen Preis: Die Bundesregierung ging in der Vergangenheit davon aus, dass die vorrangige Erdverkabelung der beiden Gleichstrom-Trassen „SuedLink“ und „SuedOstLink“ die Kosten um drei bis acht Milliarden Euro in die Höhe treibt. Das müssen private Kunden und die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen.

Mit dem Vorrang für die Erdverkabelung kam die Bundesregierung dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) entgegen. Der hatte gegen die großen Freilufttrassen gekämpft, weil der Widerstand in Bayern gegen vermeintliche „Monstertrassen“ groß sei. Kritik wegen der Milliarden-Zusatzkosten wies Seehofer stets zurück. Diese verteilten sich auf 30 Jahre.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer kritisierte, der Populismus der CSU habe den Netzausbau um Jahre zurückgeworfen und um Milliarden teurer gemacht. Dafür zahlen müssten alle Stromkunden. „Es ist ein Stück aus dem Tollhaus dieser Bundesregierung, dass diejenigen, die den Netzbau gestoppt und teurer gemacht haben, Verzögerungen und Kostensteigerungen kritisieren“, sagte Krischer: „Wir erwarten von der CSU, dass sie sich angesichts der neuen Vorschläge ... für den Netzausbau im Dialog mit den Bürgern einsetzt - und nicht wieder populistisch den Netzausbau zu verhindern versucht.“

Als „SuedLink“ von Tennet und TransnetBW werden die Stromleitungen von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach in Baden-Württemberg sowie von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern bezeichnet. Die 800 Kilometer lange Trasse soll die „Hauptschlagader“ der Energiewende werden und mit dem Jahr 2025 drei Jahre später als geplant fertig sein. Im Jahr 2022 geht in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz.

Der „SuedOstLink“ der Netzbetreiber Tennet und 50Hertz soll zwischen Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Isar bei Landshut in Bayern verlaufen. Auch diese Leitung ist nötig, um den im Norden und Osten erzeugten Öko-Strom in den Süden zu transportieren. Zudem soll „SuedOstLink“ verhindern, dass wegen der bisher fehlenden direkten Leitungsverbindung Strom aus „Erneuerbaren“ durch Polen und Tschechien fließen muss.

Quelle:  Handelsblatt Online
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