Stromnetzausbau in Deutschland: Strom-Autobahnen kommen später

Stromnetzausbau in Deutschland: Strom-Autobahnen kommen später

, aktualisiert 07. Juni 2016, 12:57 Uhr
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Ein Energietechniker blickt in Lingen (Landkreis Emsland) auf einen Strommasten.

Die geplanten Stromtrassen von Nord nach Süd werden einem Zeitungsbericht zufolge später fertig als bislang erwartet. Der Grund: "umfangreichen Neuplanungen".

Die für die Energiewende lebenswichtigen Strom-Autobahnen von Nord- nach Süddeutschland verzögern sich durch die geplante unterirdische Verlegung voraussichtlich um mehrere Jahre. Das geht aus einem Bericht der Bundesnetzagentur hervor, über den zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ (Dienstag) berichtet hatte. Behördenchef Jochen Homann verteidigte den von Bund und Ländern gewollten Vorrang für unterirdische Kabel: „Erdkabel können uns helfen, Akzeptanz für den Netzausbau zu schaffen. Das Erdkabelgesetz verzögert den Netzausbau daher nicht, es macht ihn erst möglich“, sagte Homann der Nachrichtenagentur dpa.

Erdkabel mit Rekordlänge Jetzt wird der Netzausbau unsichtbar

Der Netzbetreiber TenneT baut ein Erdkabel mit der Rekordlänge von 18 Kilometern - eine Herausforderung.

Rohre, in denen Erdkabel Strom transportieren sollen. Quelle: dpa

Das Gesetz war Ende 2015 verabschiedet worden, um erheblichen Widerständen aus der Bevölkerung gegen große neue Stromtrassen entgegenzukommen. Die Bundesregierung hofft dadurch auf eine schnellere Umsetzung der großen Leitungsvorhaben mit weniger Klagen. Der Vorrang für Erdkabel bei Gleichstrom-Trassen, der die Baukosten für die Netze um mehrere Milliarden erhöhen werden, war auch ein Zugeständnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel an Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Der CSU-Chef hatte über Monate eine Einigung blockiert, weil er gegen vermeintliche „Monstertrassen“ mit hohen Strommasten in Bayern war. Die Verzögerungen bei den großen Trassen entstehen, weil die bereits fertigen Planungen für Überlandleitungen nun neu aufgerollt werden müssen.

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Die Stromautobahnen sind nötig, um viel Windstrom aus Nord- und Ostdeutschland in die Industriezentren im Süden zu transportieren, wo 2022 die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Schon jetzt gibt es teils erhebliche Probleme und Zwangsabschaltungen im Netz, weil für die im Norden produzierten Strommengen das Netz nicht ausreicht. Die Kosten für Eingriffe der Netzbetreiber, um „Blackouts“ zu verhindern, sind zuletzt auf jährlich etwa eine Milliarde Euro gestiegen. Bezahlen müssen das die Stromkunden.

Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) kritisierte: „Die Verzögerung bei Südlink ist sehenden Auges entstanden und politisch von der Bundesregierung und Bayern zu verantworten“, sagte Habeck der dpa in Kiel. Das nördlichste Bundesland habe den Ausbau der Stromnetze „so konsequent und schnell vorangetrieben wie kein anderer“. Die Netze im Norden seien bereits in wenigen Jahren fertig. „Aber die bundesweite Energiewende kann nur mit Südlink funktionieren. Der Bundesregierung hängt hier dem Zeitplan extrem hinterher.“

Nach dem Bericht der Netzagentur wird die sogenannte SuedLink-Trasse - die 800 Kilometer lange „Hauptschlagader“ der Energiewende - von Norddeutschland nach Bayern und weiter nach Baden-Württemberg erst 2025 fertig, drei Jahre später als bisher geplant. Genauso sieht es beim Korridor A aus, einer Leitung von Emden ins nordrhein-westfälische Meerbusch-Osterath. Die Leitung von Osterath ins baden-württembergische Philippsburg wiederum braucht dem Bericht zufolge zwei Jahre länger bis 2021. Die Trasse SuedOstLink von Sachsen-Anhalt nach Niederbayern wird erst 2025 fertig. Ursprünglich sollten die Nord-Süd-Leitungen fertig sein, wenn die letzten deutschen Atomkraftwerke 2022 vom Netz gehen.

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